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Man sollte das eigene Städtchen verzaubern können

Wie man als Band oder Solokünstler erfolgreich in der Region agiert

Tipps für Musiker und Bands von Axel Winkler
veröffentlicht am 21.08.2015

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Wie man als Band oder Solokünstler erfolgreich in der Region agiert

Als Band sollte man auch das eigene Staedtchen verzaubern koennen. © Axel Winkler

Oft ist die Rede von der "Treppe zum großen Erfolg". Doch warum immer in den größten Dimensionen denken? Welche Optionen haben Musiker und Bands eigentlich im regionalen Raum? Dies wollen wir hier mit euch diskutieren.

"Denken Sie groß!" – selbstverständlich ist in der Musikszene die Rede vom heißbegehrten Durchbruch als Musiker oder Band, dem Moment, in dem "es geschafft ist". Der Wink von bundesweiten oder sogar internationalen Konzerten lockt wie süßer Honig; die Möglichkeit auf eine lukrativere Gage lässt Augen funkeln.

Aber nicht alle Bands dieser Welt erfahren solche Aufmerksamkeit und Anerkennung auf höchster Ebene. Wie also wird vor dem nahen Publikum geglänzt, sprich jenem Menschen, die ums Eck wohnen? Einige Gedanken dazu werden wir in den folgenden Abschnitten vorstellen.

Was ist Erfolg? Was ist unter Region zu verstehen?

Zu Beginn ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn ihr euch als Musiker einmal die Frage stellt, wie sich Erfolg für euch eigentlich definiert.

Ist die Erfüllung da, wenn Familie, Freunde und Bekannte zusammentreffen, um in einer kleinen Location ausgelassen zu feiern? Privat-Konzert mit 50 Leuten in einer WG? Ein Major-Deal und 60+ Konzerte im Jahr? Einmal die Chance auf einem Festival mit 30.000 Besucher auf der Hauptbühne mittags um 16.00 Uhr zu spielen?

Für manche ist es sicherlich schon erfolgreich, pünktlich zur wöchentlichen Probe zu erscheinen. Kurzum: "Erfolg" ist ein relativer Begriff. Ebenso "regional". Wie weit reicht die Region geografisch? 25 Kilometer Umkreis? 50? Oder sogar mehr? Beides solltet ihr bereits im Vorfeld klar vor Augen haben, damit keine Missverständnisse auftreten.

Bezug und Verbundenheit

Sicherlich ist euch auf Konzerten schon aufgefallen, dass Musiker in ihren Ansagen zwischen den Songs auch gerne einmal das Abendessen loben, welches aus typischen Gerichten der Region bestand. Bewunderung für Architektur der Altstadt, die schöne ländliche Gegend rund um München loben oder einen besonderen Vorfall in der Provinz ansprechen – das sind durchaus gängige Sitten von Musikern.

Warum dies getan wird? Als Hamburger, der noch nie in Kempten im Allgäu war, muss eine Bindung zum Publikum aufgebaut werden. Eine Komponente, die Sympathie und Vertrautheit schafft. Als Gebürtiger oder Gebürtige ist das regionale Hintergrundwissen jedoch bereits vorhanden.

Oft unterschätzt, aber auch mit Dialekt kann bestens gepunktet werden – besonders in den eigenen Gefilden, wenn ihr es auf die Spitze treibt und den Fokus darauf legt. Somit dient die Musik nur noch als Träger des Gesungenen, um die Aussage zu untermauern.

Humor, Weisheiten oder der Geist, den die Menschen ein einem bestimmten Umkreis teilen wird umso mehr verstanden und aufgenommen, wenn er von euch auch noch passend vertont und künstlerisch dargeboten wird. Ein Konzept, das vor größerem und gemischten Publikum nicht oder nur schwer verstanden werden kann – aber zuhause werdet ihr dafür gefeiert.

Kennst du wen, hast du was

In einem kleineren Rahmen lernen sich Musiker, Veranstalter, Fotografen und Produzenten recht schnell einmal kennen. Da ist klar, wo ein Konzert stattfindet und wo die CD aufgenommen wird. Wie so oft betont sind Kontakte das A und O.

Durch direkte Vorstellung im Club des Vertrauens oder einer Konzertlocation ist mit etwas Geschickt fix ein kleiner Auftritt organisiert. In der Regel eine Win-Win Situation für alle Beteiligten. Ihr spielt, habt Spaß, bekommt eventuell eine kleine Gage und müsst euer Equipment nicht für einen 50€-Gig 500 Kilometer durch das Land karren.

Hilfreich ist natürlich auch die Organisation eines eigenen Konzertes. Das kann mit einer guten Planung wunderbar funktionieren. Wichtig ist natürlich die Werbung, eine besondere Show und – da ihr es in der Hand habt – auch eine besondere Location. Steinbruch, Waldlichtung, eine Alm-Hütte, alte Werft in Bremen, alte Industriehalle, Staumauer oder die Scheune eines Bauernhofs sind interessante Veranstaltungsorte. Alles selbstverständlich mit der jeweiligen Genehmigung und Regelung.

Ladet eure Freunde und Bekannte zu einem gemeinsamen Konzertabend ein, schaut auf niedrige, aber für euch noch finanziell deckende Preise und legt besonders Wert auf eine unglaublich gute Performance mit abwechslungsreicher Show, die sich nicht alle vier Jahre ändert, sondern im Abschnitt von 2-3 Konzerten. Nur weil ihr regional spielt, heißt das noch lange nicht, dass ihr euch erst auf der großen Bühne so richtig Mühe geben werdet. Das sollte klar sein, dennoch gerne erneut erwähnt.

Da geht noch mehr

Wenn euch die kleinen Konzerte nicht genügen bietet sich die Teilnahme an regionalen Bandwettbewerben an. Diese Veranstaltungen geben euch nicht nur eine Möglichkeit für Selbst-Promotion und neue Kontakte, sondern auch die Aussicht auf weitere Gigs und Konzerte.

Wenn ihr Glück habt, dann gewinnt ihr eine Recording-Session, Gutscheine für Equipment oder Geldpreise, die eurer Bandkasse die Spinnweben entfernen werden. Seid ihr nicht eine Unterhaltungs-Band im Sinne von Reggae, Rock, HipHop oder Pop, sondern gebucht als Gala-Band, Gitarren-Duo, Egerländer-Trio oder Ambiente-Jazzer, dann bieten sich selbstverständlich dennoch eine Menge Möglichkeiten.

Clubs, Bars, Stadtfeste, Abiturs-Feiern, Firmenveranstaltungen oder Hochschul-Parties sind geeignete Orte, die sich in der Regel in jedem Umkreis von 50 Kilometer eures Wohnortes ergeben. Besonders in dieser Kategorie ist es die Qualität und die Erfüllung der Anforderungen, die euch zu wieder gebuchten Acts macht, absolut wichtig. Der Auftritt bei Firma "Buchenberger Eisenhandel" war super, der Inhaber war begeistert? Trifft sich gut, denn seine Tochter graduiert im kommenden Monat und für die Abschlussfeier wird noch dringend eine gute Band gesucht. Jackpot!

Meine Party und du bist eingeladen!

Wenn im eigenen Ort ein Konzert steigt ist es nie verkehrt, die Veranstaltung mit traditionellen Plakaten oder Flyern zu bewerben. Lokale Zeitungen freuen sich in der Regel immer über Hinweise für Veranstaltungen, schließlich soll die kulturelle Aktivität in der Region auch unterstützt werden. Wenn es gut läuft, wird auch ein Pressevertreter anwesend sein, der über die Veranstaltung schreiben wird. Ein weiterer Grund sich ins Zeug zu legen.

Freunde, Bekannte, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein oder zur wöchentlichen Schachrunde: Möglichkeiten lauern überall, das Konzert zu bewerben und an Besucher zu bekommen. Eventuell wird das Ganze sich sogar zu einer sehr intimen Sache entwickeln. Im Endeffekt kommen vielleicht 200 Leute, die durch eure persönliche Einladung aufmerksam wurden. Sympathie, das Wissen, was einen erwartet und eine kleine finanzielle Unterstützung kommt in diesem Zuge mit euren persönlichen Gästen daher. Alle haben Lust und los geht's!

Über Backstage Pro könnt ihr natürlich auch mit der Umkreissuche nach Konzertmöglichkeiten in eurer Umgebung suchen. Denn nicht nur Bands sind auf der Suche, sondern auch die Veranstalter. Also: Auf, auf!

Euer Feedback

Wie gut ist deine Band in der Region verwurzelt? Welche Erfahrung machst du und gibt es Tipps, mit denen du unseren Artikel ergänzen kannst? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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