Eine Szene im Wandel
Absagen von Kendrick Lamar und Rihanna: Wird Festivalgigant Coachella Opfer seines eigenen Erfolgs?
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Der Rainbow Tower auf dem Coachella Gelände. © Benjamin Farren
Gegründet von Paul Tollet und Rick Van Santen, fand das Coachella Valley Music and Arts Festival – kurz Coachella – erstmals im Jahr 1999 in der Wüste in der Nähe von Indio, Kalifornien statt.
Inspiriert von den Rock- und Rave-Festivals der 90er Jahre und den Kunstinstallationen von Burning Man wollte Coachella ein einzigartiges Erlebnis schaffen: Ein Festival, das Musik und Kunst vereint.
Anfänge
Bei der ersten Ausgabe im Oktober 1999 traten namhafte Künstler wie Beck, Morrissey und die Chemical Brothers auf. Dennoch war das Festival zunächst kein finanzieller Erfolg. Nach einer Auszeit, in der sich Coachella neu organisierte und finanzielle Unterstützung an Land zog, gelang der Veranstaltung schließlich im Jahr 2001 bei seiner Rückkehr in Form eines mehrtägigen Festivals der Durchbruch.
In den darauffolgenden Jahren konnte Coachella Fans von Indie-Rock, elektronischer Musik, Hip-Hop und avantgardistischer Kunst für sich begeistern. Das Festival wuchs stetig und bot seinen Besucher*innen über viele Jahre hinweg immer wieder ganz besondere Programmpunkte vieler A-List-Stars, darunter nicht nur Beyoncé, Outkast, Prince und The Cure – auch eine Tupac-Performance ließ sich via Hologramm auf der Festivalbühne bestaunen.
Der Ruf ändert sich
Ein Bloomberg-Artikel weist jedoch darauf hin, dass Coachella inzwischen nicht mehr das zu sein scheint, was es einmal war und stellt die Theorie auf, dass das Festival zum Opfer seines eigenen Erfolges geworden sei.
Über die Jahre hat Coachella nicht nur immer mehr Aufmerksamkeit, sondern damit einhergehend auch immer mehr Influencer und Promis angezogen. Das Festival ging mit, sorgte für instagramgeeignete Fotospots und setzte zunehmend auf Popstars, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Damit jedoch entfernte sich die Veranstaltung auch immer weiter von seinen ursprünglichen Wurzeln.
Nachdem die Corona-Pandemie Coachella 2020 und 2021 zu einer zweijährigen Pause zwang, erreichte die Festivalkrise im Jahr 2023 ihren Höhepunkt. Frank Ocean, der als einer der Headliner gebucht war, enttäuschte die Fans mit seinem Set, das nicht nur eine Stunde zu spät begann und dadurch sehr kurz war, sondern auch von Produktionsproblemen überschattet wurde. Seinen Auftritt für das zweite Festivalwochenende sagte Ocean schließlich ganz ab.
Die Zuschauer*innen reagierten verärgert und die schlechten Schlagzeilen trugen dazu bei, dass Coachella zunehmend als unorganisiert wahrgenommen wurde. 2024 setzte das Festival 80 Prozent der Tickets für die zwei Wochenenden ab, was 200.000 Besuchern entspricht. Kein schlechtes Ergebnis, aber auch weit vom Ausverkauf entfernt.
Fehlende Star-Power für 2025
Vor diesem Hintergrund bemüht sich Gründer Paul Tollett, den Ruf des Festivals wieder zu stärken. Seine größte Herausforderung: Passende Headliner, die wieder für ausverkaufte Tickets sorgen könnten. Berichten zufolge, soll er für die 2025 Ausgabe unter anderem Kendrick Lamar und Rihanna kontaktiert haben.
Beide sollen jedoch abgelehnt haben. Während Lamar, der bereits zweimal im Coachella-Line-up vertreten war, beim Super Bowl 2025 auftreten wird und eine Stadiontour plant, scheint Rihanna, die sich in den letzten Jahren stärker auf ihre Unternehmensaktivitäten konzentriert, den Festivalauftritt aktuell schlichtweg nicht zu benötigen.
Die Zurückhaltung der Stars zeigt damit ein größeres Problem auf: Die großen Name in der Musikbranche sind nicht mehr auf Festivals wie Coachella angewiesen. Während das Festival früher als Sprungbrett für Künstler*innen galt, die ihren internationalen Durchbruch schaffen wollten, können Superstars heutzutage mit ihren eigenen Touren und Shows oft deutlich mehr Geld verdienen. So gelingt es Beyoncé und Taylor Swift pro Abend inzwischen weitaus höhere Summen einzunehmen, als Coachella für Konzerte an zwei Wochenenden zahlen kann.
Die Festivalszene im Wandel
Coachella ist nicht das einzige Festival, das mit diesen Herausforderungen kämpft. Die gesamte Musikfestivalbranche steht unter Druck. Die Pandemie hat viele Events hart getroffen, und auch jetzt sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig.
Besonders deutlich wird das unter anderem durch die zahlreichen Festivalabsagen, die die Schlagzeilen in den letzen Monaten gesäumt haben – in Deutschland sind etwa das Full Force Festival, das Melt!-Festival und das HipHop Open. Auch aus den Niederlanden, Irland, Australien und England gibt es Berichte über ein Festivalsterben.
Davon ist das Coachella Festival weit entfernt, denn sicherlich ist es nach wie vor profitabel. Allerdings zeigen die Schwierigkeiten in der Headliner-Suche und die Tatsache, dass es seit seiner Rückkehr aus der Coronakrise nicht mehr ausverkauft war verdeutlicht, dass sogar weltberühmte Festivals Schwierigkeiten haben, an frühere Erfolge anzuknüpfen.
Während Festivals wie Lollapalooza oder andere Großveranstaltungen weltweit ähnliche Line-ups buchen und erfolgreich bleiben, wird von Coachella immer noch erwartet, dass es Exklusivität und das gewisse "Extra" bietet.
Fokus auf Inszenierung
Hinzu kommt, dass Festivals von der wachsenden Macht der sozialen Medien geprägt sind. Coachella hat auf diese Entwicklung reagiert, indem es vermehrt Fotospots und spezielle Bereiche für Influencer geschaffen hat. Doch genau dieser neue Fokus auf Inszenierung könnte einen weiteren Grund darstellen, warum das Event für viele Musikfans an Attraktivität verloren hat.
Während Coachella aktuell Schwierigkeiten damit zu haben scheint, seinem ehemaligen Ruf gerecht zu werden, zeigt sich Schwesterfestival Stagecoach, das auf Country-Musik spezialisiert ist, als überaus erfolgreich. Schon Monate im Voraus waren alle Tickets ausverkauft – ein Zeichen dafür, dass das Konzept von Coachella vielleicht überdacht werden muss.
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