Teil 2 der Auswertung der großen Proberaum-Umfrage
Aus der Community: Eure Tipps für die Proberaum-Suche
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Der erste Teil der Auswertung unserer Proberaum-Umfrage hat gezeigt: Die Proberaum-Lage ist sehr unbefriedigend. Zu wenige oder zu teure Räume, ellenlange Wartelisten und eine schlechte bauliche Situation machen Musikschaffenden deutschlandweit das Leben schwer.
Dagegen steht euer Erfindungsreichtum beim Suchen und Finden von Proberäumen. Und noch besser: Ihr habt uns viele nützliche Tipps zukommen lassen, die allen helfen sollten, einen geeigneten Proberaum zu finden. Herzlichen Dank dafür!
Strategien für die Raumsuche
Alle sind sich einig: Bis der passende Proberaum gefunden ist, sind viel Geduld, Ausdauer und Glück nötig. Eine wichtige Empfehlung lautet, die Suche möglichst breit und kreativ anzulegen.
Neben klassischen Wegen wie dem Durchforsten von Zeitungsinseraten raten viele dazu, möglichst viele Kanäle zu nutzen: Plattformen wie BackstagePRO (hier findest du Kleinanzeigen und Musikerkontakte direkt aus der Community), Webseiten wie Thomann (hier geht es zu den Proberaum-Kleinanzeigen von Thomann), Stadtmagazine, Instagram, Facebook oder lokale Aushänge.
Ein vielversprechender Weg ist der persönliche Austausch. Der direkte Kontakt zur Musikszene vor Ort bringt häufig die besten Ergebnisse, denn viele Räume werden "unter der Hand" von einer Band an die nächste weitervermittelt. Aber auch das Herumfragen unter Nicht-Musiker*innen kann sich lohnen. So schreibt ein Community-Mitglied:
"Redet mit allen Menschen darüber - ihr werdet euch wundern, wer manchmal alles Räume vermietet."
Suche gezielt erweitern
Auch eine flexible Begriffswahl kann bei der Suche helfen. So lohnt es sich, nicht nur streng nach "Proberäumen" zu suchen, sondern z.B. auch nach Kellern, Lagerräumen, Werkstätten oder Hobbyräumen Ausschau zu halten. Insbesondere bei Kellern sollte man aber die Feuchtigkeitsproblematik im Auge behalten.
Es kann hilfreich sein, auch weniger offensichtliche Angebote in Betracht zu ziehen: Bauernhöfe, Jugendhäuser, kirchliche Einrichtungen, kommunale Immobilien, Gewerbeimmobilien oder leerstehende Räume in Firmengebäuden. Ein User schreibt:
"Wir nutzen einen nicht benötigten Raum auf einem Firmengelände, samt Wachschutz des Unternehmens. Die Firma war froh, diesen brachliegenden Raum vermieten zu können und wir sind froh, dass der Lärm dort niemanden stört."
Der Kontakt zu Gemeinden, Immobiliengesellschaften oder Kulturämtern kann sich ebenso lohnen wie eine Anfrage beim Landkreis nach ungenutzten Objekten. Dabei ist es wichtig, im Vorfeld zu recherchieren bzw. sich zu erkundigen, ob das Gebäude langfristig verfügbar bleibt oder etwa von Abriss oder Umnutzung betroffen ist.
Selbst in die Hand nehmen
Manche raten dazu, gleich selbst Hand anzulegen und leerstehende Räume oder Gebäude auf Grundstücken anzumieten und sie selbst auszubauen. Diese Lösung mag günstiger sein, setzt aber passende Immobilien und handwerkliche Fähigkeiten voraus.
Technische Kompromisse können weitere Möglichkeiten eröffnen: Wer auf In-Ear-Monitoring umstellt oder mit E-Drums probt, senkt den Geräuschpegel und kann damit auch Räume nutzen, die ansonsten ungeeignet wären.
Auswahl mit Bedacht: Was einen guten Proberaum ausmacht
Entscheidend ist letztendlich aber auch eine realistische Vorstellung der eigenen Bedürfnisse, die am besten bereits vorab geklärt sein sollte. Was soll ein Raum leisten? Welche Kompromisse sind akzeptabel?
Dabei gilt: Flexibilität ist hilfreich, aber nicht um jeden Preis. Ein zu großer Kompromiss kann langfristig mehr Frust als Nutzen bringen. An dieser Stelle raten einige Community-Mitglieder dazu, sich nicht "unter Wert zu verkaufen". Gleichzeitig sprechen sie sich auch dafür aus, Räumlichkeiten, die eigentlich nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, zumindest einen Besuch abzustatten. So berichtet etwa ein Community-Mitglied:
"Auch wenn man z.B. nicht in einen Bunker möchte, so war das bei mir, einfach eine Chance geben. Nicht jeder Bunker ist gleich. Ich habe mich in unserem sofort wohl gefühlt. [...] Also einfach hingehen und einen Eindruck verschaffen."
Sich ein Bild vor Ort zu machen, ist daher ein essentieller Teil der Proberaum-Suche. Neben Lage und Erreichbarkeit zählen auch Ausstattung und Zustand dazu. Ein Community-Mitglied fasst zusammen:
“Ein Raum ist dann geeignet, wenn die Anfahrt max. 60 min dauert, die Größe einer kleinen Bühne entspricht, der Geräuschpegel nicht zu Konflikten führt, er belüftbar / beheizbar ist, das Equipment diebstahlsicher aufbewahrt werden kann und ein Klo / Waschbecken / Stromanschluss / Tageslicht vorhanden sind.”
Besonderes Augenmerk sollte auch auf Nebenkosten gelegt werden. Unterkellerte und beheizbare Räume mit Fenstern sind oft im Vorteil - Feuchtigkeit oder Kälte, aber auch provisorische Lösungen wie Gasheizer oder mobile Wärmestrahler schaden dem empfindlichen Equipment.
Gemeinsam stark: Proberäume teilen mit klaren Regeln
Der Zusammenschluss mit anderen Bands kann ein sinnvoller Kompromiss sein, lesen wir in vielen Kommentaren - vorausgesetzt, es gibt klare Absprachen. Wer gemeinsam einen Raum nutzt, sollte Regeln zur Nutzung, Reinigung, zu Eigentumsverhältnissen und zur Aufbewahrung des Equipments schriftlich festhalten.
Der transparente Umgang mit Beiträgen und Infos zu Stromverbrauch und gegebenenfalls Nachzahlungen ist ebenfalls empfehlenswert. Generell gilt: Ein respektvoller Umgang und gegenseitiges Vertrauen sind die Basis für ein funktionierendes Miteinander. Einige aus der Community berichten von positiven Erfahrungen:
“Natürlich kann man dann nicht jeden Tag rein wie man will, aber man profitiert auch voneinander. Macht Proberaumfeste, organisiert gemeinsam kleine Gigs, vertraut euch. Lasst keine Plecs und Kabel mitgehen… stellt mal Bier hin, für die Anderen, nutzt gemeinsam eine PA usw… Wir sind fünf Bands in unserem Raum. Montag - Freitag, das WE ist frei für Sonderproben."
Viele empfehlen auch, persönlichen Kontakt zum Vermieter oder zur Vermieterin zu halten oder aufzubauen: Ein vertrauensvolles Verhältnis kann helfen, spätere Probleme zu vermeiden und im Zweifel gemeinsam Lösungen zu finden.
Hilfreich ist es, sich bei Besichtigungen in die Position der vermietenden Person zu versetzen, die sichergehen möchte, dass der Raum sorgsam behandelt und die Miete pünktlich überwiesen wird.
Gegen Vorurteile ankämpfen
In dieser Hinsicht sollten sich suchende Musiker*innen um einen zuverlässigen ersten Eindruck bemühen, u.a. indem sie sich dem Anlass entsprechend kleiden, Fragen stellen, geduldig zuhören, von ihrer Band berichten und gegebenenfalls davon erzählen, welchen Berufen sie außerhalb des Projekts nachgehen.
Das ist besonders deshalb wichtig, weil Musikschaffende mit Vorurteilen zu kämpfen haben, die von der Hervorrufung großer Lautstärke über geringe Liquidität und fehlende Zuverlässigkeit bis hin zum Sex, Drugs & Rock'n'Roll-Klischee reichen.
Maßnahmen sind nötig
Die Erfahrungen aus der Community zeigen: Einen geeigneten Proberaum zu finden, ist vielerorts eine große Herausforderung. Es zeigt sich jedoch auch: Wer sucht, kann finden - aber oft nur mit viel Einsatz, Flexibilität und Kreativität.
Damit Musikschaffende in Deutschland langfristig gute Bedingungen vorfinden, reicht individueller Einsatz allein nicht aus. Nötig wäre ein stärkeres Bewusstsein in Politik, Stadtentwicklung und Gesellschaft.
Essentiell sind faire Mietmodelle, gezielte Förderprogramme und Wertschätzung dafür, dass Proberäume mehr sind als bloße Zweckräume, sondern auch Orte des Miteinanders und Werkstätten kultureller Vielfalt - die entsteht nämlich nicht im luftleeren Raum, sondern dort, wo sie Platz hat. Ein User schreibt:
"Ich habe das schwedische Modell im Kopf. Dort gibt es wohl staatlich organisierte Proberäume mit dem Effekt, dass viele erfolgreiche Bands entstehen. In Deutschland wird so etwas nicht gefördert."
Ausblick: Räume für kreative Entfaltung sichern
Die Erfahrungen der Community zeigen: Ohne Beharrlichkeit, Kreativität und gegenseitige Unterstützung ist die Suche nach einem Proberaum eine schwierige und langwierige Aufgabe.
Eine Lösung könnte darin bestehen, leerstehende Immobilien schneller und leichter als Proberäume zugänglich zu machen, insbesondere auch als Form der Zwischennutzung. Hier sind insbesondere die Kommunen gefragt, die über zahlreiche Immobilien verfügen, auch solche, die aus verschiedenen Gründen nicht anderweitig genutzt werden können.
Strukturelle Unterstützung für musikalisches Arbeiten ist jedenfalls bitter nötig. Langfristige Konzepte und Fördermaßnahmen müssen her, um Musikräume als Teil der kulturellen Infrastruktur zu sichern. Denn ohne Räume keine Musik - und ohne Musik keine lebendige Kulturszene.
Habt ihr weitere Ideen? Was muss passieren, um die angespannte Proberaumsituation zu verbessern? Wir freuen uns auf euer Feedback in den Kommentaren.
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