Ein Jahr Rundfunkreform zeigt erste Folgen
Deutsche Jazzunion fordert mehr Sichtbarkeit für Jazz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
V.l.n.r hinten: Johanna Schneider, Camille Buscot, Michael Griener, Urs Johnen, Anette von Eichel; vorne: Felix Falk, Janning Trumann, Robert Lucaciu (2024). © Julia Tornier
Etwa 43,4 Prozent der befragten Mitglieder der Deutschen Jazzunion geben an, unmittelbar von den Veränderungen durch die Rundfunkreform betroffen zu sein.
Mehr als die Hälfte der Befragten beobachtete einen Rückgang der musikalischen Sendezeit und eine geringere Berichterstattung über Jazz und improvisierte Musik. Vor allem Vielfalt, Qualität und Sichtbarkeit würden unter den Einsparungen leiden.
Wenig Sichtbarkeit in den Medien
Nach Einschätzung vieler Musiker*innen rückt durch die Neuausrichtung des Rundfunks stärker der Mainstream in den Vordergrund. Kleinere und unkommerzielle Themen finden dagegen weniger Platz. Die Umfrageteilnehmenden sehen darin einen Verlust der Rolle des öffentlich rechtlichen Rundfunks, der bislang für Nähe, Vielfalt und der Aufmerksamkeit für besondere Inhalte gestanden habe.
Besonders stark betroffen sei die lokale Berichterstattung. Die Redaktionen für Jazz seien verkleinert, Mitschnitte von Konzerten selten geworden und Inhalte würden auf Mediatheken umgelagert, die nach Ansicht der Befragten unübersichtlich sind und weniger Sichtbarkeit schaffen. Auch die Ausschüttungen von GEMA und GVL gingen zurück, weil weniger Sendezeit zur Verfügung stehe.
Die Jazzunion lobte allerdings auch hochwertige Autorensendungen, insbesondere beim SWR, BR und beim Deutschlandfunk. Insgesamt beklagt die Jazzunion eine Abnahme fachlicher Expertise.
Forderungen an den Rundfunk
Neben der Berichterstattung seien auch die Bigbands des Rundfunks gefährdet. Sie seien essentiell für Jazz und improvisierte Musik und verfügten über ein wachsendes Publikum. Nach Angaben der Deutschen Jazzunion stehen auch sie zunehmend im Fokus von Sparmaßnahmen.
Die Jazzunion verlangt daher, Jazz und improvisierte Musik weiterhin angemessen zu berücksichtigen und den Kulturauftrag des ÖRR nicht zu vernachlässigen.
Die Deutsche Jazzunion erneuert vor diesem Hintergrund ihre Forderungen an die Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten:
- Verantwortliche müssen sich der Auswirkungen aufgrund der bereits erfolgten Kürzung des Jazzbudgets sowie des Produktions- und Mitschnittbudgets bei den Landesanstalten bewusst werden
- Erhalt und Wiederherstellung der Programmvielfalt bei der Transformation vom Linearen ins Digitale
- Aufbau eigenständiger, journalistisch fundierter digitaler Jazzformate
- Stärkung und verlässliche Abbildung regionaler sowie musikalischer Vielfalt
- Langfristige Sicherung der jazzjournalistischen Fachexpertise innerhalb aller Sendeanstalten
- Erhalt der rundfunkeigenen Big Bands
Ähnliche Themen
Evolution des Radios oder Bedrohung für Musikschaffende?
Private Radiosender spielen vermehrt KI-generierte Musik
veröffentlicht am 27.02.2026 60
Bedenkliche Entwicklung
GEMA: Reformstaatsvertrag bedroht musikalische Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
veröffentlicht am 05.12.2025
Ungerechte Bevorzugung von Angestellten
Musikverbände kritisieren geplante Aktivrente – Selbstständige bleiben außen vor
veröffentlicht am 05.11.2025 4
Ergebnisse der Mitgliederversammlung
Michael Griener wird neuer Vorsitzender der Deutschen Jazzunion
veröffentlicht am 01.05.2025
Für Zukunftssicherheit im Jazz
Deutsche Jazzunion stellt Forderungen an neue Bundesregierung
veröffentlicht am 28.02.2025 1