Neues Gesicht für zwei "Ikonen des Kiez"
Die Liveclubs Gruenspan und Indra in Hamburg werden von der Stadt umfassend saniert
Der Indra Musikclub in Hamburg. © Falk Simon
In Zeiten knapper Kassen und häufig irrsinniger Kürzungen von Kulturetats ist es umso erfreulicher, dass Hamburg andere Wege geht. Dass man dort die Bedeutung der Clubszene verstanden hat, zeigt nicht nur der erfolgreiche Einsatz für das Molotow, sondern auch der aktuelle Beschluss zur Sanierung zweier legendärer Hamburger Musikclubs, des Gruenspan und des benachbarten Indra.
Legendäre Kulturorte
Beide Clubs spielen in der Hamburger Musik-und Kultur-Geschichte eine wichtige Rolle: Schon 1889 entstand auf dem Grundstück des heutigen Gruenspan der erste Hamburger Tanzsalon "Palmengarten". Zunächst erfolgten Umbauten und verschiedene Nutzungen, bis das Gebäude wieder als Tanzpalast genutzt wurde und seinen heutigen Namen erhielt. Der Club, der sich selbst als "Mutter aller Clubs" bezeichnet wird, besteht schon seit den 1960er Jahren.
Gleichermaßen kann das Indra, einer der ältesten Clubs der Stadt, als "Mutter der Beatles" bezeichnet werden, erklärt Kultursenator Dr. Carsten Brosda. Die Band spielte bereits im Eröffnungsjahr 1960 erstmals im Indra.
Im kommenden Jahr sollen die teilweise denkmalgeschützten Clubs jedoch geschlossen werden. Grund dafür sind dringend notwendige Sanierungsarbeiten, die bereits im Sommer 2025 beginnen sollen.
Finanzierung durch die Stadt
Nachdem eine Förderung des Bundes scheiterte, investiert nun die Stadt. Aus dem Sanierungsfond der Bürgerschaft, Geldern der Finanzbehörde und Eigenmitteln der Sprinkenhof GmbH, die seit 1999 im Besitz des Grundstücks ist, stellt sie insgesamt 18,9 Millionen Euro für die Sanierung der Clubs zur Verfügung.
Die Sprinkenhof GmbH ist die zentrale gewerbliche Immobiliengesellschaft der Stadt Hamburg, die also direkt oder indirekt die gesamte Maßnahme finanziert.
Welche Maßnahmen sind geplant?
Auf dem Plan stehen umfangreiche Maßnahmen. Um die Statik des Gebäudes zu verbessern, wird an der Südseite des Gruenspan eine neue Fassade als zusätzliches Tragsystem vor die bestehende Außenhülle gesetzt.
Das legendäre Wandbild der Künstler Werner Nöfer und Dieter Glasmacher von 1968 soll nach den Fassadenarbeiten neu aufgetragen werden, womit ein längerer Streit zwischen Künstlern und Stadt offensichtlich beigelegt wurde.
Darüber hinaus werden die Neben- und Technikflächen erweitert und der Brandschutz verbessert. Die Sanierung soll außerdem die Belüftungssysteme und die Barrierefreiheit verbessern, wie das Hamburger Abendblatt berichtet.
Zudem wird der Club durch einen Neubauteil im Backstage-Bereich vergrößert. Die Kapazität soll damit von 900 auf ca. 1100 steigen, und dafür sorgen, dass das Gruenspan weiterhin wettbewerbsfähig bleibt.
Die Sanierungsarbeiten lassen auf eine baldige "Rückkehr in ein modernes Gruenspan mit historischem Charme" hoffen, erklärt Timur Börü, geschäftsführender Gesellschafter der Gruenspan GmbH.
Ausweichspielstätte für das Gruenspan
Außerdem soll das Nachbargrundstück durch ein Azubi-Wohnheim für die Hamburger Stadtwirtschaft erweitert werden. Dr. Andreas Dresse, der Finanzsenator und Aufsichtsratsvorsitzende der Sprinkenhof GmbH, spricht von einem "für Gäste und Bewohner gleichermaßen tolle[n] Miteinander an einer der spannendsten Stellen der Stadt".
Während das Indra für den Sanierungszeitraum komplett schließt, zieht das Gruenspan in eine Ersatzspielstätte um – wohin genau wurde noch nicht bekanntgegeben. Bis zum Sommer 2025 soll der Betrieb allerdings normal weitergeführt werden.
Locations
Gruenspan
Große Freiheit 58, 22767 Hamburg
Indra Musikclub
Große Freiheit 64, 22767 Hamburg
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