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Die richtigen Entscheidungen und Vorbereitungen für eure ersten Aufnahmen treffen

Tipps für Musiker und Bands von Backstage PRO
veröffentlicht am 10.10.2011

antonio raimondo artistguide

Die richtigen Entscheidungen und Vorbereitungen für eure ersten Aufnahmen treffen

artistguide.de: Selbsthilfe für Musiker

Obwohl wir heutzutage ständig mit neuen erschreckenden Zahlen vom Rückgang der Tonträgerverkäufe erschlagen werden, kommt ihr auf dem Weg in die Professionalität an guten Aufnahmen eurer Songs nicht vorbei. Ihr bewerbt euch damit bei Veranstaltern und Labels – was nicht gefällt oder unprofessionell klingt, landet dort sofort im Müll. Was ihr bei euren ersten Aufnahmen unbedingt beachten solltet, was ihr braucht und wieviel die Bandkasse dafür locker machen sollte, das beantwortet der folgende Text von Antonio Raimondo.

artistguide.de & regioactive.de: Wir präsentieren euch gemeinsam ausgewählte Themen aus den Bereichen "Bildung", "Live", "Vermarktung", "Tontechnik" und "Recht" [mehr Infos].

Autor: Antonio Raimondo

→ Gib dein Feedback in den Kommentaren!

Welche Aufnahmemöglichkeiten gibt es?

Live, Studio, D.I.Y. (do it yourself) – es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten, Songs aufzunehmen. Jede Möglichkeit hat ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Möchtet ihr eure Liveperformance und diese Stimmung besonders hervorheben, bietet sich ein Konzertmittschnitt an:

→ Entweder positioniert ihr zwei Mikrofone bzw. einen mobilen Stereo-Handrekorder am FOH-Platz und nehmt das Konzert so auf, wie es auch der Zuhörer wahrnimmt. Oder ihr bittet den Mischer, euch eine Summe aus dem Mischpult zu geben. Hierbei habt ihr natürlich den maximalen Live-Charakter. Die Aufnahme steht und fällt mit eurer Performance am Instrument, denn Spielfehler lassen sich nachträglich nicht mehr verbessern. Durch Equipment mit mehr Aufnahmekanälen könnt ihr auch alle einzelnen Kanäle des FOH-Mischpultes separat aufnehmen. Das erlaubt euch nachträglich eine Mischung zu erstellen, die ihr in Ruhe zu Hause oder im Studio machen (lassen) könnt und die unabhängig vom Sound des Abends ist. Das bedeutet aber, dass ihr nochmals Arbeit reinstecken müsst, bevor eure Aufnahmen stehen.

Falls ihr euch für das DIY-Recording entscheidet ist es wichtig, dass sich ein Bandmitglied mit dem Thema "Recording" auseinandersetzt und in irgendeiner Weise verbunden fühlt, sich also etwas in die Technik und die Materie einliest und dann auch im Aufnahmeprozess den Überblick behält. Hier lassen sich bei etwas Sorgfalt durchaus beachtliche Ergebnisse erzielen:

→ Eine Grundausstattung an Technik ist natürlich nötig. Ob ihr euch diese als Band anschafft, ist eine Überlegung. Viele Jugendhäuser bieten semiprofessionell eingerichtete Tonstudios an, in denen ihr euch musikalisch ausleben könnt.

Möchtet ihr Aufnahmen haben, die so klingen wie von euren Vorbildern? Dann kommt ihr um eine Aufnahmesession im Tonstudio eures Vertrauens nicht herum. Der dortige Tontechniker kennt sein Studio, seine Technik und ist auch mit all der Software so vertraut, dass ihr euch darüber keinerlei Gedanken machen müsst:

→ Vorteil: Ihr habt den Kopf frei, um eure Songs optimal zu performen. Um alles andere kümmert sich der Tontechniker. Auch beim Mischen weiß er, worauf es ankommt und wo die Stolperfallen liegen, um euren Aufnahmen den "amtlichen Sound" zu geben, der sie von der Demo unterscheidet. Oft übernimmt er auch die Tätigkeit eines Produzenten. Als Außenstehender kann er euch besser motivieren, das Beste aus euren Songs zu holen.

Wie bereiten wir uns auf Aufnahmen/Tonstudio vor?

Damit ihr die Zeit im Tonstudio optimal nutzt ist es natürlich enorm wichtig, dass ihr euch sehr gut darauf vorbereitet.

  • ist euer Equipment in einem funktionalen Zustand (Gitarren, Effekte, Kabel, Verstärker)?
  • kennt jedes Bandmitglied den Ablauf der Songs und kann seinen Part auch ohne die anderen Musiker spielen (zudem sollte jeder zum Metronom spielen können)?

Eine gute Vorbereitungsmöglichkeit ist eine "Vorproduktion": Zum Beispiel einfach einen Proberaum-Mitschnitt machen und anschließend (bzw. in Ruhe zu Hause) analysieren. Denn bevor es an richtige Aufnahme geht, können euch selbstgestellte Fragen helfen, in etwa wie die Folgenden – hier geht es um Dinge, die das Arrangement betreffen:

  • Fehlt dem Song irgendetwas?
  • Ist der Song über den kompletten Verlauf interessant und abwechslungsreich?
  • Benötigt er noch weitere Melodien?
  • Kann die Gitarre bei der dritten Strophe nicht weggelassen werden?
  • Sollte der Drumbeat in der Bridge nicht doch "halftime" gespielt werden?

Setzt euch ruhig nochmals im Proberaum hin und puzzelt den Song neu zusammen, falls es da Bedarf gibt. Ein weiterer Vorteil dieses "quick-and-dirty" Live-Mittschnitts ist es, dass ihr euren Bandsound auch mal als Hörer wahrnehmt. Sollte es nur matschen und undefiniert klingen, wäre nun auch ein guter Zeitpunkt, euch nochmals mit dem Sound der einzelnen Instrumente auseinanderzusetzen. Hierbei geht es nicht um Lautstärke, sondern um die Klangregelung, falls sich irgendjemand nicht hören sollte:

→ Der Bass sollte die tiefen Frequenzen bedienen. Die Gitarren klingen alleine gespielt mit reichlich Bass zwar dick und fett, zusammen mit der zweiten Gitarre und dem Bassisten ist es aber oft zuviel des Guten. Daher den Gitarrensound ruhig etwas bassarm einstellen, dafür mit mehr Mitten und Höhen anreichern. Alleine gespielt darf sie ruhig etwas "dünn" (aber nur ein wenig) klingen.

Dieses Abstimmen des Bandsounds wird euch in allen Bandlebenslagen helfen: Im Studio präsentiert ihr dem Tontechniker einen stimmigen Sound, dem Live-Tontechniker macht ihr das Mischen wesentlich leichter, und auch für euch selbst wird sich der Bühnensound merklich verbessern.

Nachdem euer Song nun den letzten Feinschliff im Arrangement bekommen hat, euer Equipment funktioniert und ihr die Parts auch morgens um 04:30 Uhr sicher spielen könnt, geht es nun an den nächsten Schritt.

Wie ist der Ablauf bei einer Studio-Aufnahme?

Das kommt natürlich darauf an, wie ihr aufnehmt und welche technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

→ In aller Regel wird das Schlagzeug zur "Pilotgitarre" (eine später zu löschende Spur der Gitarre zur Orientierung für den Drummer und um ihm etwas "Band/Song-Feeling" zu vermitteln) aufgenommen. Sofern ihr Platz und die technischen Möglichkeiten habt, könnt ihr auch alle zusammen den Song einspielen, wobei lediglich das Schlagzeug aufgezeichnet wird. Die weiteren Instrumente werden dann nacheinander eingespielt, so dass sich langsam der ganze Song zusammensetzt. Der Gesang folgt zum Schluss.

Danach benötigt der Mischer einige Zeit, um sich eurem Song zu widmen:

  • Sprecht mit ihm am besten vor den Aufnahmen ab, welchen Sound ihr euch vorstellt.
  • Gebt ihm ein oder zwei Referenzsongs, die er sich anhören kann, um einen Eindruck eurer Vorstellungen zu erhalten.
  • Wählt innerhalb der Band ein Mitglied aus, das die Kommunikation mit dem Tontechniker übernimmt. Sobald der Grundmix steht, setzt ihr euch alle zusammen und sprecht gemeinsam über Mix.

Studio

Abb.-Quelle artistguide.de

Wieviel sollten wir für ein professionelles Studio zahlen?

Darauf lässt sich keine leichte Antwort geben. Das kommt natürlich darauf an, wie motiviert ihr eure Sache angeht und welchen Qualitätsanspruch ihr habt. Für ein professionelles Tonstudio muss man mit einem Tagessatz von 250 bis 350 Euro rechnen. Natürlich haben viele Studios auch spezielle Paketpreise für komplette Produktionen.

Eigene Demoaufnahmen – welches Equipment brauchen wir dafür?

Wollt ihr in DIY-Manier Aufnahmen machen, benötigt ihr eine Grundausstattung an Equipment, z.B.:

→ einen PC/Mac mit entsprechender Audio-Recording-Software (auch Digital Audio Workstation DAW genannt), ein USB Audio Interface mit acht Mikrofoneingängen und entsprechende Mikrofone je nach eurer Bandbesetzung.

Für Aufnahmen, die live eingespielt werden, könnte das Aufnahme-Setup dementsprechend so aussehen: 1x Bassdrum, 2x Drum-Overheads, 2x Gitarren, 1x Keyboard/Synthie, 1x Gesang und der Bass wird über den integrierten DI-Ausgang des Verstärkers abgenommen. Weitere Instrumente oder Gesänge können auch später noch hinzugefügt werden. Mit diesen so aufgenommenen einzelnen Spuren eurer Instrumente könnt ihr euch nun ans Mixen machen oder ihr übergebt die Aufnahmen an ein Tonstudio, damit diese den Mix erstellen. Mit dieser Variante könnt ihr durchaus gute Ergebnisse erzielen. So wurde zum Beispiel das Album Boombox der Beatsteaks von den Musikern selbst im Proberaum aufgenommen.

→ Ein Bandmitglied sollte sich mit dem Thema "Recording" tiefergehender auseinandersetzen: Also sich informieren über die Mikrofonpositionierung, wie das Aufnahmeprogramm funktioniert und worauf man beim Mischen achten muss!

Welches Programm sollten wir verwenden?

Kostengünstig gibt es die Software Sequell von Steinberg. Hiermit erhaltet ihr eine durchaus professionelle Software für die ersten Schritte. Mac-User können auch mit Garageband starten, um ihre Songs aufzunehmen.

Möchtet ihr kompatibel zu professionellen Tonstudios sein, empfehle ich euch entweder Cubase (ebenfalls von Steinberg), Logic von Apple oder Pro Tools von Avid. Diese Sequenzer verfügen über weitestgehend identische Funktionen. So spielt lediglich die persönliche Präferenz eine Rolle, für welches Programm man sich entscheidet.

Über den Autor Antonio Raimondo (→ www.antonioraimondo.de)

Antonio Raimondo studierte "Audiovisuelle Medien" mit dem Schwerpunkt Tontechnik an der HdM in Stuttgart. Mit "Big Toni Sound" ist er als freier Tontechniker in Stuttgart unterwegs. Bei weit mehr als 150 Konzerten mit ca. 600 Bands jeglicher Größe hat er eine Menge Erfahrung gesammelt. Regelmäßig steht er im Club Universum in Stuttgart am Mischpult. Davor war er 4 Jahre im Jugendhaus West tätig. Darüber hinaus ist er gelegentlich als Dozent tätig und bietet regelmäßig Workshops zum Thema Tontechnik an. In Zusammenarbeit mit dem u3studio bietet Antonio Raimondo mit der "Soundlounge" seit kurzem außerdem alle Dienstleistungen rund um Musikproduktion individuell an.

 

Dein Feedback: Wie sind deine Erfahrungen im Hinblick aufs Recording? Seid ihr eher die "Selbermacher" oder führt für dich kein Weg am Besuch eines professionellen Studios vorbei? Was sind die Fallstricke, die einen ereilen können, wenn man die Sache in die eigenen Hände nimmt? Lass andere an deinen Erfahrungen teilhaben und poste dein Feedback in den Kommentaren!

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