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Wachsender Optimismus

Erwartungen und Hoffnungen für 2026: Die BackstagePRO-Community zwischen Zuversicht und Herausforderungen

Spezial/Schwerpunkt von BackstagePRO
veröffentlicht am 11.02.2026

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Erwartungen und Hoffnungen für 2026: Die BackstagePRO-Community zwischen Zuversicht und Herausforderungen

© Michele Bergami

Zu Beginn des Jahres haben wir die BackstagePRO-Community gefragt, welche Erwartungen sie an das Jahr 2026 hat. Die Ergebnisse zeigen ein komplexes Bild, wobei trotz bestehender Unsicherheiten und struktureller Herausforderungen eine insgesamt optimistische Grundstimmung überwiegt.

In diesem Jahr richtete sich unsere Umfrage nicht ausschließlich an Live-Musiker*innen, sondern bewusst an Musikschaffende aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen der Branche. Entsprechend vielschichtig fallen auch die Erwartungen an das Jahr 2026 aus.

Dennoch zeigt sich erfreulicherweise, dass mit 63 Prozent mehr als die Hälfte aller Teilnehmenden davon ausgeht, dass 2026 besser als das vergangene Jahr verlaufen wird. 20,5 Prozent rechnen mit einem Jahr auf ähnlichem Niveau, während 16,4 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen.

Damit fällt die Grundstimmung der Teilnehmenden deutlich positiver aus, als noch im vergangenen Jahr. In unserer letzten Umfrage hatten lediglich 40,9 Prozent die Erwartung angegeben, dass das neue Jahr besser verlaufen würde als das vorige. Der Anteil an Teilnehmenden, die mit einem schlechteren Jahr rechneten, zeigt sich jedoch relativ stabil. 2025 lag dieser bei 15,9 Prozent.

Zusammensetzung der Teilnehmenden

Ein Blick auf die Tätigkeitsbereiche zeigt, dass weiterhin die Live-Musik den größten Anteil ausmacht: 63 Prozent der Befragten gaben an, hauptsächlich als Live-Musiker*innen aktiv zu sein.

Weitere vertretene Tätigkeitsfelder sind Komponist*innen/Songautor*innen (13,7 Prozent), Studio-Musiker*innen (8,9 Prozent), Lehre/Unterricht (6,8 Prozent), Veranstalter*innen (2,7 Prozent), Musik-Vertrieb, Licht-/Sound-Technik und MI/Pro-Audio-Vertrieb (je 1,4 Prozent). Weitere 1,4 Prozent ordneten sich keinem der vorgegebenen Bereiche zu und wählten die Kategorie "Andere".

Zwischen Hobby, Semi-Professionalität und Hauptberuf

Auch mit Blick auf den Professionalisierungsgrad der Befragten zeigt sich ein differenziertes Bild. Unter den Live-Musiker*innen gaben 43,5 Prozent an, ihre Tätigkeit als Hobby auszuüben. Weitere 42,4 Prozent verorten sich im semi-professionellen Bereich, während 14,1 Prozent ihre musikalische Tätigkeit als professionell einstufen.

Bei den Teilnehmenden aus anderen Tätigkeitsfeldern der Musikbranche fällt die Verteilung etwas anders aus. Hier gab der größte Anteil (37 Prozent) an, semi-professionell tätig zu sein. 33,3 Prozent ordnen ihre Arbeit dem Hobby-Bereich zu und weitere 29,6 Prozent sind Profis.

Über alle Befragten hinweg ergibt sich damit insgesamt ein ausgeglichenes Bild zwischen Hobby- und semi-professioneller Tätigkeit. 39,7 Prozent gaben an, ihre musikalische Tätigkeit als Hobby auszuüben, während 40,4 Prozent im semi-professionellen Bereich unterwegs sind. Knapp ein Fünftel der Befragten (19,9 Prozent) arbeitet professionell in der Musikbranche.

Live-Musiker*innen: Verhaltene Zuversicht bei stabilen Rahmenbedingungen

Bei den Live-Musiker*innen zeichnen die Antworten ein insgesamt eher optimistisches Bild für das Jahr 2026. 41,3 Prozent rechnen mit in etwa gleich vielen Gigs wie im Vorjahr, 40,2 Prozent erwarten sogar mehr Auftritte, während 18,5 Prozent von einem Rückgang ausgehen.

Etwas zurückhaltend fallen die Erwartungen in Bezug auf die Gagenentwicklung aus. Knapp die Hälfte der Befragten (46,7 Prozent) erwarten konstante Gagen, 27,2 Prozent gehen von höheren Gagen aus, während 26,1 Prozent eine Verschlechterung befürchten.

Deutlich stabiler zeigt sich die Einschätzung zur Besucher*innenzahl bei Konzerten. 59,8 Prozent der Live-Musiker*innen rechnen mit in etwa gleich vielen Besucher*innen wie im vergangenen Jahr. 28,3 Prozent erwarten sogar einen größeren Zuspruch und lediglich 12 Prozent gehen von sinkenden Besucherzahlen aus.

Auch bei den Ticketpreisen rechnen die meisten mit Kontinuität. 56,5 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihre Tickets 2026 etwa genauso viel kosten werden wie im Vorjahr. 37 Prozent erwarten steigende Ticketpreise, während nur 6,5 Prozent von sinkenden Preisen ausgehen.

Hoffnungen und Befürchtungen der Live-Musiker*innen

Hinsichtlich der Hoffnungen und Befürchtungen der Live-Musiker*innen für 2026 fällt die Spannung zwischen zuversichtlichen, persönlichen Plänen und tief sitzenden strukturellen Sorgen um die Zukunft der Live-Kultur auf.

Viele Teilnehmende treibt die Sorge um schwindende Auftrittsmöglichkeiten um. Sie berichten von zunehmenden Schließungen von Clubs, Venues und kleineren Veranstaltungsorten, insbesondere im regionalen Umfeld. Die Folgen treffen Live-Musiker*innen hart:

"Zunehmende Schließungen von Lokalitäten aller Art und Größe erschweren regelmäßiges Auftreten im regionalen Umfeld. Damit nimmt auch der generelle Aufwand zu, überhaupt auftreten zu können, die Fahrstrecken sind weiter, die Beteiligten kennen sich nicht, Werbung für ein Event etc. sind außerhalb eigener Kontrolle, zudem nimmt die Konkurrenzsituation absurde Formen an."

Besonders kleinere und mittlere Acts sehen sich dabei im Nachteil. Festivals und etablierte Spielstätten würden zunehmend auf Mainacts, Cover- oder Tribute-Bands setzen, während Acts mit eigenen Songs und Nachwuchsprojekte es immer schwerer hätten, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen.

“Livemusik spielt wieder eine größere Rolle. Leider wird es für Songwriter mit eigenen Songs etwas schwieriger, befürchte ich.”

Finanzielle Engpässe und fehlende Planbarkeit

Eng verbunden mit der Frage nach Auftrittsmöglichkeiten ist die Sorge um die finanzielle Situation. Mehrere Rückmeldungen thematisieren seit Jahren stagnierende oder sinkende Gagen, bei gleichzeitig steigenden Kosten. Auch für ehrenamtlich organisierte Kulturvereine werde es zunehmend schwieriger, Live-Angebote zu stemmen.

An dieser Stelle decken sich die Sorgen teilweise mit denen der Veranstaltenden. Diese nennen als Problem außerdem den zögerlichen bzw. kurzfristiger werdenden Ticketkauf, der die Planbarkeit von Live-Events erschwert:

“Mehr Shows, höhere Gagen. Gleichzeitig Angst vor abgesagten Shows durch fehlenden VVK.”

In Konkurrenz mit KI?

Ein weiterer dominanter Themenkomplex ist der Einfluss von Künstlicher Intelligenz, Streaming und Social Media. Viele Live-Musiker*innen äußern die Befürchtung, dass KI-generierte Musik, algorithmische Sichtbarkeit und Plattformlogiken den Konkurrenzdruck insbesondere für unbekannte und unabhängige Acts weiter verschärfen.

“Meine Befürchtung: Dass es durch KI immer schwieriger wird, neue Künstler zu entdecken, hinter denen wirkliche Geschichten und Erlebnisse stecken, die zu mitreißenden Songs geführt haben. Künstler, die ihr gesamtes Herzblut und Können in ihre Werke stecken. Meine Hoffnung: Dass das den Hobby-Bereich, in dem ich mich befinde, nicht so stark betreffen wird.”

Gleichzeitig zeugen viele Antworten auch von Beharrlichkeit und Zuversicht. Einige der Teilnehmenden hoffen auf mehr Konzerte, größeres Publikum, erfolgreiche neue Releases oder einen persönlichen Neustart auf der Bühne.

Mehrfach wird zudem der Wunsch geäußert, dass Live-Musik als gemeinschaftliches, analoges Erlebnis jenseits von Algorithmen und KI stärker wertgeschätzt wird.

Insgesamt spiegeln die Antworten eine Szene wider, die sich der Herausforderungen sehr bewusst ist, gleichzeitig aber nicht vorhat aufzugeben, sondern nach Nischen und neuen Wegen sucht. So schreibt eine teilnehmende Person:

“Menschen werden bei Kulturausgaben sparen. Gleichzeitig gibt es ein großes Bedürfnis nach Live-Musik. Die Kunst wird darin bestehen, bezahlbare Veranstaltungen anzubieten und Nischen zu entdecken.”

Nicht-Live-Bereiche: KI, Finanzierung und Marktbedingungen im Fokus

Auch unter den Teilnehmenden, die nicht als Live-Musiker*innen, sondern in anderen Bereichen der Musikbranche tätig sind, überwiegt ein grundsätzlich positiver Blick auf das Jahr 2026.

55,6 Prozent aller Teilnehmenden dieser Kategorie gehen davon aus, dass sich ihre Situation besser als im vergangenen Jahr entwickeln wird. 25,9 Prozent erwarten ein Jahr auf vergleichbarem Niveau, während 18,5 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen.

Im Vergleich zu den Live-Musiker*innen fällt der Optimismus in diesen Tätigkeitsfeldern damit etwas verhaltener aus. Von diesen gaben 67,4 Prozent an, zu erwarten, dass 2026 besser verlaufen wird als 2025. 17,4 Prozent rechneten mit einem ähnlichen Jahr und 15,2 Prozent mit einem schlechteren Verlauf.

© BackstagePRO

Entwertung von Arbeit durch KI

Wie bereits bei den Live-Musiker*innen ist Künstliche Intelligenz auch in diesen Bereichen ein besonders häufig genanntes Thema. Viele Befragte befürchten eine weitere Entwertung kreativer Arbeit, wachsende Konkurrenz durch KI-generierte Inhalte sowie sinkende Zahlungsbereitschaft für “echte” Musik.

Gleichzeitig hoffen einige Teilnehmenden, dass sich der Markt langfristig wieder stärker an menschlicher Kreativität orientiert oder klare rechtliche Regelungen geschaffen werden.

Mehrere Stimmen verweisen darauf, dass künftig entscheidend sein wird, wie KI genutzt, reguliert und in bestehende Arbeitsprozesse integriert wird, ob sie also als Werkzeug oder Verdrängungsmechanismus wirkt.

“Das große Thema ist KI und vieles wird davon abhängen, wie man das nutzt oder verarbeitet und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden.”

Geringere Fördermittel und Budgets

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf finanziellen Unsicherheiten. Genannt werden unter anderem Kürzungen oder Wegfall von Fördermitteln, sinkende Budgets für Musikprojekte sowie steigende Lebenshaltungskosten und deren Auswirkungen auf Nachfrage, Unterricht und Konzertbesuche.

Insbesondere im Bereich Lehre, Musikschulen und kommunaler Kulturarbeit wird die Sorge geäußert, dass politische Entscheidungen und finanzielle Engpässe langfristig zu einem Abbau von Strukturen führen könnten und das mit direkten Folgen für Einnahmen und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Einige Teilnehmende äußern zudem Kritik an zunehmender Marktkonzentration. Große Labels oder Konzerne würden faire Wettbewerbsbedingungen erschweren und kleineren Akteur*innen den Zugang zum Markt zunehmend verbauen.

Auch die Kombination aus Social Media, Algorithmen und ökonomischen Druck wird als Herausforderung beschrieben, gleichzeitig aber auch als Chance, wenn Sichtbarkeit strategisch genutzt werden kann.

Insgesamt überwiegt Zuversicht

Neben allen Befürchtungen gibt es auch hier optimistische Stimmen. Mehrere Teilnehmende berichten von neu gestarteten Projekten, geplanten Veröffentlichungen oder dem Wunsch, sich 2026 stärker zu positionieren.

Besonders häufig genannt werden Hoffnungen auf erfolgreiche Releases, bessere Verzahnung von Musik und Social Media sowie eine wachsende Wertschätzung für kleinere Clubs, Projekte und Nischenformate.

Gerade im Club- und Projektbereich besteht die Hoffnung, dass sich das Publikum wieder stärker abseits der Großevents orientiert und die lokale Musikkultur unterstützt.

“Als Betreiber eines kleinen Liveclubs erhoffe ich mir weiter steigende Zuschauerzahlen und ein steigendes Interesse an Clubkonzerten in der Bevölkerung.”

Optimismus trotz Herausforderungen

Insgesamt zeigen die Einblicke aus der BackstagePRO-Community, dass sich die Musikbranche ihrer Situation samt aktueller Herausforderungen bewusst ist, dass sie aber auch bereit ist, kreativ zu sein und neue Wege zu gehen.

Zum Abschluss möchten wir uns bei allen Teilnehmenden bedanken, die ihre Erfahrungen, Hoffnungen und auch ihre Sorgen so offen mit uns geteilt und uns somit wertvolle Einblicke gegeben haben.

Wir drücken der gesamten BackstagePRO-Community die Daumen, dass 2026 von positiven Entwicklungen, fairen Rahmenbedingungen und schönen musikalischen Erfahrungen geprägt sein wird.

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