Zwischen Herausforderung und Zuversicht
Hoffnungen und Sorgen: Eure Erwartungen an das Live-Jahr 2025
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© Craig Adderley
Mit 90,9 Prozent ist ein deutlicher Großteil der Umfrage-Teilnehmenden als Künstler*in tätig. Nur 9,1 Prozent haben angegeben, im Business- bzw. Management-Bereich tätig zu sein.
Zusammensetzung der Teilnehmenden
Insgesamt ordnen sich 48,2 Prozent der Teilnehmenden dem Livesektor zu, 22,9 Prozent sind zudem als Komponist*in oder Songautor*in tätig, 19,3 Prozent gehören dem Studio und Recording-, weitere 4,8 Prozent dem Dienstleistungs-Bereich an, 3,6 Prozent sind Teil des Lehrsektors und wiederum 1,2 Prozent ordnen sich der Option "Andere" zu.

9,1 Prozent der Teilnehmenden gehen ihrer Tätigkeit dabei professionell nach. Semi-professionell und als Hobby betätigen sich jeweils 45,5 Prozent.

Mit Zuversicht ins neue Jahr?
Auf Nachfrage nach den persönlichen Erwartungen im Zusammenhang mit der eigenen musikalischen Tätigkeit im Jahr 2025 gaben 43,2 Prozent an, zu erwarten, dass das Jahr ähnlich wie 2025 verlaufen wird. Erfreulicherweise zeigten sich 40,9 Prozent der Teilnehmenden zuversichtlich, dass 2025 besser als das vergangene Jahr verlaufen würde, nur 15,9 Prozent rechnen mit einem schlechteren Verlauf.
Für 2024 hatten mit 29,6 Prozent noch deutlich weniger Personen damit gerechnet, dass das Jahr genauso verlaufen sollte wie das vorige. Damals hatten 49,3 Prozent eine Verbesserung und 21,1 Prozent eine Verschlechterung erwartet.

Während 4,5 Prozent der Teilnehmenden nicht live auftreten, rechnen 18,2 Prozent damit, dies 2025 weniger zu tun als noch im Vorjahr. Der Anteil an Teilnehmenden, die mit mehr Auftritten sowie etwa gleich viel Auftritten rechnen, ist in diesem Jahr gleich hoch und liegt bei 38,6 Prozent.
Etwa 43,2 Prozent rechnen dabei damit, dass ihre Gage in etwa gleich bleibt, 31,8 Prozent rechnen mit einer geringeren Gage und 25 Prozent mit einer höher ausfallenden. Mit 47,7 Prozent rechnet ein Großteil der Teilnehmenden damit, dass die Anzahl an Besucher*innen bei ihren Konzerten etwa gleich bleibt, 31,8 Prozent rechnen mit einem Zuwachs und wiederum 18,2 Prozent mit einem Schwund an Konzertgästen.
Mit 56,8 Prozent ist eine Mehrheit der Teilnehmenden der Meinung, dass ihre Tickets im Jahr 2025 etwa gleich viel kosten werden wie noch 2024. 36,4 Prozent erwarten einen Kostenanstieg und 4,5 Prozent rechnen damit, die Tickets für ihre Konzerte günstiger zu verkaufen als noch im Vorjahr.
Herausforderndes Jahr für die Kleinkunst
Nachdem die ersten Ergebnisse der Umfrage insgesamt eher positiv auszufallen scheinen, gehen aus der Umfrage auch ein paar Sorgen hervor.
Immer wieder wird erwähnt, dass die Kleinkunst aktuell vor großen Herausforderungen steht. Nicht nur bedroht das Clubsterben die Szene und damit auch die Bands, seit der Pandemie, stehe die Kunstform auch immer mehr im Schatten großer Konzerte, so ein Teilnehmer:
"Viele Menschen investieren ihr Geld in spektakuläre Shows, während die intime Atmosphäre und die besondere Magie der Kleinkunst oft übersehen werden. Wir hoffen, dass sich das ändert und diese wertvolle Kulturszene wieder die Aufmerksamkeit und Unterstützung erhält, die sie verdient."
Ein anderer berichtet:
"Leider verzeichnet die Live-Musik-Szene im kleinen und mittleren Bereich einen Zuschauerschwund. Warum? Weil die Mega-Events mit der Oberliga der Musikbranche bestens laufen, hohe Eintrittspreise verlangen und die potentielen Konzertgänger dadurch finanziell ausgeschöpft werden. Dann überlegen sie, ob man sich noch € 18,- im Musikclub oder € 25,- in der Kulturbühne X leisten kann!"
Ein Teilnehmer erklärt, es werde zunehmend schwieriger, sich gegen DJs, Cover- und Tributebands behaupten zu können:
"Ich denke die Anzahl der ausgeschriebenen Gigs die eine akzeptable Gage beinhalten wird weiter abnehmen. Für Bands mit eigener Musik wird es generell schwer werden, da viele Veranstalter auf DJs und Mainstream setzen."
Social Media, KI und das aktuelle Weltgeschehen
Allgemein sei eine Veränderung des Zuschauerverhaltens zu beobachten. Um aus der Menge hervorstechen, müsse man sich als Musiker*in auch auf den Sozialen Medien zu repräsentieren wissen. Dauernd im Netz präsent zu sein, rufe einen unangenehmen Druck hervor.
"Der Markt ist krass übersättigt, um mal einen Schritt weiter zu kommen, muss man sich komplett auf das Social Media Game einlassen, weil Leute nicht mehr per se zu local shows kommen, sondern nur noch, wenn man die Künstler auch kennt und vorher ne gewisse Erwartungshaltung kreieren konnte."
Auch der fortlaufende Einzug von KI in die Musikszene sorgt bei einigen für Bedenken. Ein Teilnehmer versucht das ganze positiv zu formulieren:
"Eine Hoffnung ist, dass KI und weitere Digitalisierung und Automation das Bedürfnis, selbst Musik zu machen und ein Instrument zu spielen sowie dies alles kollektiv, Live-Musik und -Events nicht beiseite schieben, sondern irgendwie ergänzen werden."
Zuletzt bleibt auch die aktuelle Weltlage nicht unangesprochen. Stimmen warnen vor weiteren Kriegen, entweder in Europa oder im transatlantischen Raum, beklagen die zunehmende sozio-ökonomische Instabilität und abnehmende kulturelle und musikalische Möglichkeiten.
Neben all den Befürchtungen, haben uns jedoch auch erfreuliche persönliche Nachrichten erreicht. So freuen sich einige von schon jetzt über ein gut gebuchtes Jahr, über mehr Live- und Studioarbeit und das Bühnendebüt als Band. Ein Teilnehmer erklärt:
"Im Moment wird wieder gebucht. Letztes Jahr waren die Veranstalter zurückhaltender."
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