Rechtssicherheit für die Veranstaltungsbranche
Forum Musikwirtschaft fordert zügige Umsetzung der Reform des Arbeitszeitrechts
© Johannes Havn via Pexels
Das Forum Musikwirtschaft erklärt, die Reform liege im Interesse der gesamten Musikwirtschaft, deren Teilbranchen entlang komplexer Wertschöpfungsketten eng miteinander verflochten sind – von Produktion, Management und Verlagen bis hin zu Live-Formaten. Starre arbeitszeitrechtliche Vorgaben erschwerten Planung, Abläufe und wirtschaftliche Tragfähigkeit über Branchengrenzen hinweg.
Besonderes Problem bei Kulturveranstaltungen
Besonders deutlich zeigten sich die Defizite des geltenden Arbeitszeitgesetzes im Kulturveranstaltungsbereich. Konzerte, Festivals und Tourneen folgten keinem klassischen Acht-Stunden-Tag: Auf- und Abbau fänden häufig nachts statt, Veranstaltungen endeten spät, Produktionen liefen in eng getakteten Zeitfenstern. Die Fixierung auf tägliche Höchstarbeitszeiten, die in der Regel 10 Stunden nicht übersteigen dürfen, führe zu Rechtsunsicherheit für Unternehmen und Beschäftigte.
In einem Positionspapier erklärt das Forum Musikwirtschaft daher:
"Ein flexibles Arbeitszeitmodell ist für unsere Branche deshalb kein Luxus, sondern vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der dramatisch gestiegenen Produktionskosten eine Grundvoraussetzung, um eine sichere und erfolgreiche Musikveranstaltung zu gewährleisten."
Verlängerung der Wochenarbeitszeit als Kernforderung
Kernforderung des Forums ist der Wechsel zu einer flexiblen Wochenarbeitszeit. Statt Tageshöchstgrenzen schlägt das Forum eine Wochenhöchstarbeitszeit von bis zu 60 Stunden vor, bei gleichzeitiger Einhaltung der europarechtlich verankerten durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden.
Ausgleichsmechanismen, Zeitkonten und verbindlicher Freizeitausgleich sollen den Gesundheitsschutz sichern, gesetzliche Ruhezeiten würden unberührt bleiben. Grundlage sollen freiwillige, einvernehmliche Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber*innen und Beschäftigten sein.
In dem oben zitierten Positionspapier ist zusätzlich zur Verlängerung der Wochenhöchstarbeitszeit von 60 Stunden auch von der Erhöhung der täglichen Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden unter Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten von 11 Stunden die Rede.
Branche will Arbeitnehmerrechte einhalten
Die vorgeschlagenen Modelle orientieren sich laut Forum Musikwirtschaft an EU-konformen Regelungen, etwa im österreichischen Arbeitszeitrecht oder an bestehenden Tariflösungen in der Film- und Fernsehproduktion. Diese Beispiele zeigten, dass Flexibilität und Schutz vereinbar seien. Gerade für eine kleinteilige, vielfach nicht tarifgebundene Branche wie die Musikwirtschaft brauche es jedoch eine gesetzliche Lösung.
Das Forum betont, dass es nicht um den Abbau von Arbeitnehmerrechten gehe, sondern um die Anerkennung realer Produktionsbedingungen, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Die Organisation bietet der Politik ausdrücklich Dialog und Expertise an – unter anderem auf Basis eines gemeinsamen Positionspapiers.
Der Wunsch der Live-Branche nach flexibleren Arbeitszeitregelungen war auch Thema in unserem Interview mit BDKV-Geschäftsführer Johannes Everke.
Über das Forum Musikwirtschaft
Das Forum Musikwirtschaft besteht aus den sieben maßgeblichen Verbänden des Wirtschaftsbereichs. Im Einzelnen sind dies der BDKV (Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft), der BVMI (Bundesverband der Musikindustrie), der DMV (Deutscher Musikverleger-Verband), die LiveKomm (Verband der Musikspielstätten in Deutschland), IMUC (Interessenverband Musikmanager & Consultants), SOMM (Society Of Music Merchants) und der VUT (Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen).
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