Verantwortungsverschiebung statt Reformbereitschaft
Fragwürdige Prioritäten: PRO MUSIK kritisiert den "Politischen Fahrplan" von Spotify
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© Ivan Samkov via Pexels
Im Politischen Fahrplan beschreibt Spotify die Entwicklung des Streamingmarkts der vergangenen Jahre als Erfolgsgeschichte. Laut dem Unternehmen habe Streaming maßgeblich dazu beigetragen, dass viele Hörerinnen von illegalen Angeboten zu kostenpflichtigen Abonnements gewechselt sind.
Für das Jahr 2025 gibt Spotify an, mehr als 11 Milliarden US-Dollar an Musikrechteinhaber ausgeschüttet zu haben. Ein Großteil der Einnahmen aus dem Streaminggeschäft fließt laut Spotify an Labels, Verlage und andere Rechteinhaber, die wiederum an Künstlerinnen und weitere Beteiligte auszahlen.
Verbesserung der Metadaten
Mit seinem politischen Fahrplan plädiert Spotify für mehrere strukturelle Verbesserungen im Musikmarkt. Ein zentraler Punkt ist die Verbesserung der Metadaten, also der Informationen, die zu jedem Musikstück gespeichert werden – etwa wer ein Lied geschrieben hat, wer die Aufnahme produziert hat und welche Rechteinhaber beteiligt sind.
Sind diese Angaben unvollständig oder fehlerhaft, kann es passieren, dass Einnahmen verspätet ausgezahlt werden oder nicht eindeutig zugeordnet werden können. Spotify schlägt daher vor, solche Daten beim Hochladen von Musik vollständiger und einheitlicher zu erfassen.
Mehr Transparenz
Darüber hinaus fordert das Unternehmen mehr Transparenz in der Verwertungskette, insbesondere bei Verwertungsgesellschaften, die Einnahmen aus Musiknutzung sammeln und an Songwriter und andere Rechteinhaber weiterverteilen.
Laut Spotify soll besser nachvollziehbar werden, wie lange Auszahlungen dauern, welche Verwaltungskosten anfallen und wie Einnahmen entlang der verschiedenen Stationen des Systems verteilt werden.
Spotify fordert auch die Einführung alternativer Streitschlichtungsmechnanismen, um Lizenzstreitigkeiten schneller zu lösen.
Auch Streamingdienste selbst sollen stärker dazu beitragen, indem sie regelmäßig aggregierte Informationen über Auszahlungen veröffentlichen.
Kampf gegen Betrug
Weitere Themen des Fahrplans sind der Kampf gegen Piraterie, worunter Spotify vor allem unlizenzierte Plattformen versteht. Außerdem sollen Rechtinhaber gezielt und effektiv gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen können.
Außerdem spricht sich Spotify für Maßnahmen gegen den Missbrauch von Künstlicher Intelligenz aus, beispielsweise wenn Stimmen von Künstler*innen ohne deren Zustimmung imitiert oder massenhaft automatisiert erzeugte Musikstücke hochgeladen werden.
Ebenso will Spotify das massenhafte Hochladen von KI-Musik, künstlich verkürzter Tracks, doppelter Inhalte und anderer Arten von KI-Müll bekämpfen, um zu verhindern, dass das Vertrauen in Streaming verlorengeht.
Keine Bevorzugung "nationaler Musik"
Schließlich betont das Unternehmen die Bedeutung offener digitaler Märkte. Damit ist gemeint, dass Streamingplattformen Musik unabhängig von Herkunftsland oder Nationalität der Künstlerinnen Empfgehlungen aussprechen können sollen, sodass Künstlerinnen weltweit ein Publikum erreichen.
Politische Vorgaben, die etwa bestimmte nationale Musikanteile in Empfehlungen oder Playlists vorschreiben, sieht Spotify kritisch.
Keine neuen Steuern
Ebenso lehnt das Unternehmen neue Abgaben oder Steuern auf Streaming ab, da diese aus seiner Sicht das Abonnementmodell verteuern und damit die Einnahmen im System insgesamt verringern könnten.
Spotify plädiert eher darauf, die bereits existierenden Steuern anders zu verwenden, anstatt neue Steuern zu schaffen.
Lebensbedingungen der Musiker sollen berücksichtigt werden
Der Verband freier Musikschaffender PRO MUSIK begrüßt, dass Spotify mit dem politischen Fahrplan zentrale strukturelle Fragen der digitalen Musikökonomie öffentlich angeht. Initiativen zur Verbesserung von Metadaten oder zur Bekämpfung von Betrug könnten aus Sicht des Verbands dazu beitragen, dass Einnahmen im Streaming-System effizienter verteilt werden. Gleichzeitig sollte aber auch Spotify alle Mitwirkenden in den Credits aufführen, was aktuell nicht geschieht.
Gleichzeitig weist PRO MUSIK darauf hin, dass politische Diskussionen über Streaming stärker die realen Arbeits- und Einkommensbedingungen freier Musikschaffender berücksichtigen müssen. Zahlreiche Musikschaffende erhalten aktuell keine angemessene Vergütung, obwohl das Urheberrecht dieses vorsieht.
Aus Sicht von PRO MUSIK bleibt insbesondere die Frage relevant, wie transparent und nachvollziehbar Einnahmen im Streaming-System verteilt werden und in welchem Umfang diese tatsächlich bei einzelnen Musiker*innen ankommen.
Handlungsbedarf sieht PRO MUSIK bei der Kennzeichnung von KI-Musik, die Spotify im Gegensatz zu anderen Streaming-Diensten nicht kennzeichnet. Auch die Forderung, die Förderung von Musikschaffenden nicht durch eine Abgabe auf Streaming-Dienste, sondern durch eine Erhöhung der Mittel aus dem allgemeinen Steueraufkommen zu bestreiten, sieht PRO MUSIK kritisch und verweist darauf, dass Spotify massiv von "staatlich geförderten Musikökosystemen" profitiert.
Start der Reformdebatte oder Ablenkungsmanöver?
Mit seinem Fahrplan hat Spotify eine politische Debatte über die Zukunft des Musikstreamings angestoßen. PRO MUSIK macht deutlich, dass diese Diskussion aus Sicht freier Musiker*innen weitergeführt werden muss. Allerdings bezweifelt der Verband, ob Spotify wirklich reformbereit ist oder der politische Fahrplan eher beabsichtigt, die Verantwortung auf andere Akteure abzuschieben. Spotify trage aber einen gehörigen Teil der Verantwortung selbst:
"Im politischen Fahrplan beschreibt Spotify Probleme bei Metadaten, Verwertungsgesellschaften, Lizenztransparenz und staatlichen Rahmenbedingungen. Dadurch entsteht der Eindruck, die strukturellen Schwächen des Streaming-Systems lägen primär außerhalb der Plattform. Diese Darstellung greift zu kurz. Spotify selbst bestimmt zentrale Parameter des Systems: Das Verteilungsmodell (pro rata), Monetarisierungsschwellen, algorithmische Sichtbarkeit, die vertraglichen Machtverhältnisse gegenüber Labels sowie die kuratorische Gewichtung von Inhalten und Credits. Wer diese Hebel kontrolliert, trägt Verantwortung für die Ergebnisse der Verteilung. Diese Verantwortung liegt bei Spotify."
Der Verband betont daher die Bedeutung weiterer Gespräche zwischen Plattformen, Politik und Interessenvertretungen der Musikschaffenden, um langfristig faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen in der Musikbranche zu sichern. Aus Sicht von PRO MUSIK stehen dabei folgende Forderungen im Mittelpunkt:
- Einführung eines nutzerzentrierten Vergütungsmodells
- Faire Spielregeln: Kennzeichnung von KI generierter Musik
- Nennung aller Mitwirkenden an einem Werk in den Credits
- Ausschüttungen ab dem ersten Stream
- Transparenz über Gewinn- und Verteilungsstrukturen
- Prüfung einer Beteiligung der Plattformen an nachhaltiger
- Musikförderung
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