Aufschläge bis zu 250 Prozent sind verbreitet
Deutsche Bands und Musiker fordern strengere Regeln gegen überteuerte Zweitmarkt-Tickets
© Thibault Trillet
Immer häufiger werden Konzerttickets automatisiert durch Bots aufgekauft und anschließend zu stark überhöhten Preisen weiterverkauft. Die daraus entstehenden Gewinne kommen weder den Künstler:innen noch der Veranstaltungswirtschaft zugute und fließen dadurch nicht in die Produktion neuer Musik.
Mit einem offenen Brief stellen sich Musiker, Veranstalter und Verbände öffentlich dagegen und wenden sich an die Bundesregierung, um strengere Regeln gegen Wucherpreise im Ticketzweitmarkt durchzusetzen. Ziel ist es, den Weiterverkauf fairer und transparenter zu gestalten und extreme Preissteigerungen zu verhindern.
Breite Unterstützung
Initiiert wurde der offene Brief von PRO MUSIK (Verband freier Musikschaffender e.V.) gemeinsam mit dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV).
Unterstützt wird die Initiative von einem breiten Bündnis aus Bands und Künstlern unterstützt, darunter Ikkimel, Die Toten Hosen, Berq, Die Ärzte, AnnenMayKantereit, Kraftklub, Nina Chuba und K.I.Z. Zu den Unterzeichnern zählen weiterhin große Veranstalter wie die Karsten Jahnke Konzertdirektion, KKT, Landstreicher, All Artist Agency, a.s.s. Concerts, Chimperator, Selective Artists und Liveclubs wie die halle02 in Heidelberg und das Knust in Hamburg.
Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs zählen außerdem der Deutscher Musikrat, die LiveKomm, der Bundesverband Popularmusik, die Deutsche Jazzunion, unisono - Deutsche Musik- und Orchestervereinigung, Bundesstiftung Livekultur, der VUT und der Live Music Fund.
Klare Forderungen
Der offene Brief enthält folgende Forderungen im Wortlaut:
- Veranstalterrecht auf Weiterverkaufskontrolle: Veranstalter*innen sollen gesetzlich das Recht erhalten, festzulegen, auf welchen Plattformen Tickets weiterverkauft werden dürfen und Angebote außerhalb autorisierter Kanäle per "Notice and Takedown" löschen lassen zu können.
- Preisobergrenze von 25 %: Der gewerbliche Weiterverkauf von Tickets soll nur bis zu einem Aufschlag von max. 25 % auf den Originalpreis erlaubt sein. Ab diesem Wert beginnt nach Überzeugung von Kultur- und Sportveranstaltern der Bereich offensichtlicher Sittenwidrigkeit. Diese Grenze sollte gesetzlich verankert werden – und zwar sowohl für den Weiterverkauf als auch bereits für den spekulativen Ankauf von Tickets.
- Verbot von Leerverkäufen: Das Anbieten von Tickets, die zum Zeitpunkt des Angebots noch nicht im Besitz des Verkäufers sind, muss ausdrücklich verboten werden.
- Bot-Verbot und Verbot falscher Identitäten: Der Einsatz automatisierter Software zum massenweisen Ticketkauf muss verboten werden. Ebenso der Kauf über Fake-Accounts, Strohleute oder gefälschte Identitäten. Die Beweislast sollte umgekehrt werden: Bei entsprechenden Indizien soll nicht der Veranstalter den Missbrauch nachweisen müssen, sondern die Plattform ihre Unschuld belegen.
- Vollständige Transparenzpflichten: Die gängige Praxis, sich als Privatverkäufer auszugeben, um Transparenzpflichten zu umgehen, muss unterbunden werden.
- Meldesystem und Haftung: Plattformen müssen ein aktives Melde- und Abhilfesystem vorhalten. Rechtswidrige Angebote müssen nach Meldung unverzüglich entfernt werden. Verzögerungen und Falschangaben müssen für Plattformbetreiber und Anbieter gleichermaßen sanktioniert werden.
Die Politik ist am Ball
PRO MUSIK mahnt die Umsetzung des Koalitionsvertrags von CDU/CSU und SPD an, der eine stärkere Regulierung des Ticketzweitmarktes vorsieht, um Verbraucher:innen vor überhöhten Preisen, Intransparenz und betrügerischen Verkaufspraktiken zu schützen und Veranstalter besser in die Lage zu versetzen, gegen unlautere Angebote vorzugehen.
Trotz breiter Unterstützung aus Sport- und Live-Branche steht die Umsetzung dieser Pläne noch aus, so dass die rechtliche Situation in Deutschland hinter der Lage in anderen Ländern wie Großbritannien, Italien oder Belgien zurückbleibt.
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