Eure Bilanz
Jahresrückblick 2024: So war euer Jahr in der Live-Musik Szene
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© Isaac Owens via unsplash.com
Nachdem wir euch Anfang 2024 nach euren Erwartungen befragt haben, wollten wir in den letzten Wochen von euch wissen, wie ihr das vergangene Jahr tatsächlich erlebt habt.
Unser Fokus lag dabei insbesondere auf dem Livesektor. Herausgekommen sind spannende, aber auch sehr gemischte Ergebnisse.
So macht ihr Livemusik
Mit 84 Prozent erklärte die Mehrheit der Teilnehmenden, nebenberuflich oder als Hobby zu musizieren. 16 Prozent wiederum machen hauptberuflich Musik und erzielen den Großteil ihres Lebensunterhalts durch Einnahmen aus der Livemusik. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden fällt unter diesem Aspekt also beinahe identisch zum Vorjahr aus.
Weiter bevorzugen es 69,3 Prozent der befragten Musiker*innen mit eigenem Songmaterial aufzutreten, während 30,7 Prozent vor allem Cover- oder Tribute-Programme spielen.
Bei den üblichen Gagenmodellen der Teilnehmenden zeigt sich eine breite Verteilung. Insgesamt 30 Prozent der Befragten gaben an, in den meisten Fällen durch eine vor dem Gig festgelegte Festgage entlohnt zu werden. Im Vorjahr hatten noch 36,8 Prozent diese Antwort gegeben.
Der Doordeal hingegen zeigt sich ähnlich vertreten wie noch im Vorjahr: Bei 24,5 Prozent der Teilnehmenden ergibt sich die Gage vor allem aus der Anzahl der zahlenden Gäste. Für 23,6 Prozent stellte eine Aufwandsentschädigung das typische Gagenmodell dar. Eine Festgage plus Erfolgsbonus erhielten lediglich 10 Prozent.

Geografisch betrachtet sind die meisten teilnehmenden Musiker*innen mit 30,7 Prozent regional – also in einem Umkreis von bis zu 75 km – musikalisch aktiv. Es folgen Auftritte im gesamten deutschsprachigen Raum mit 25,3 Prozent und überregionale Aktivitäten (Umkreis bis zu 150 km) mit 22,7 Prozent. Weiter treten 13,3 Prozent vor allem lokal auf (Umkreis von 10 km) und wiederum 8 Prozent erklärten, auch Konzerte über den deutschsprachigen Raum hinaus zu spielen.

Besonders häufig spielen die Befragten mit 36,6 Prozent in Musikclubs auf. 26,2 Prozent sind hauptsächlich im Programm verschiedener Feste vertreten, wiederum 19,3 Prozent stehen vor allem auf Festivals und weitere 9 Prozent bei Firmenevents auf der Bühne.
Insgesamt erledigen 97,3 Prozent der Befragten ihr Booking selbst. Nur 2,7 Prozent arbeiten mit einer Booking-Agentur zusammen.
73,5 Prozent der Befragten sind neben ihrer Rolle als Live-Musiker*in auch noch in weiteren Bereichen der Musikbranche tätig. 25,6 davon als Komponist*in oder Songautor*in, 20,5 Prozent im Studio bzw. Recording-Bereich, 10,3 Prozent im Bereich der Lehre, 8,5 Prozent im Dienstleistungsbereich, 6,8 Prozent im Management und 1,7 Prozent in der MI-Branche (Musikinstrumente-Branche). Gerade im Studio bzw. Recording-Bereich lässt sich ein Zuwachs ausmachen. 2023 hatten lediglich 14,6 Prozent angegeben, in diesem Bereich beruflich aktiv zu sein.

So verlief 2024 für euch
Auf unsere Frage, wie das Jahr 2024 für euch verlaufen ist, erhielten wir wenig erfreuliche Antworten. Mit 41,3 Prozent ist der Anteil an Personen, die erklärten, das Jahr sei schlechter verlaufen als erwartet, im Vergleich zum Vorjahr (34,1 Prozent) gestiegen. Für 37,3 Prozent verlief das Jahr wie erwartet und nur bei 21,3 Prozent besser.

Mehr Gigs, stabile Gagen aber weniger Clubs
Trotz einer oftmals von Stagnation oder negativen Entwicklungen geprägten Gesamtbilanz war 2024 der Umfrage nach für viele Musiker*innen auch ein Jahr mit positiven Entwicklungen.
So gaben 33,3 Prozent der Teilnehmenden an, 2024 mehr Konzerte als im Vorjahr gespielt zu haben, bei wiederum 36 Prozent waren es etwa gleich viele. 20,7 Prozent – ein nicht gerade kleiner Anteil der Befragten – erklärte jedoch, weniger Auftritte als im Vorjahr gespielt zu haben.
24 Prozent der Teilnehmenden spielten 2024 zwischen 6 und 10 Konzerten, 21,33 Prozent, mindestens einen und bis zu fünf Gigs. Weitere 17,33 Prozent gaben 11 bis 20 Auftritte an. 14,67 Prozent lieferten keine genaue Angaben oder übersprangen die Frage.
Weitere 14,67 Prozent der Teilnehmenden spielten zwischen 21 und 50 Konzerte. Über 50 Konzerte gaben 2,67 Prozent der Teilnehmenden, ähnlich viele erklärten, 2024 überhaupt keinen Gig gespielt zu haben – wobei die Dunkelziffer hier in Hinblick auf die übersprungenen Antworten vermutlich höher liegt.

Als Grund dafür, keine Konzerte gespielt zu haben, gab ein Teilnehmer an, dass vermehrt erwartet werde, kostenlos zu performen und alle Fixkosten selbst zu tragen.
Insgesamt berichten 61,3 Prozent der Teilnehmenden von unveränderten Gagen. Während 17,3 Prozent der Befragten eine Steigerung verzeichneten, meldeten 21,3 Prozent geringere Gagen pro Gig.
Besucherzahlen konstant, Preise steigen
Bei den Besucherzahlen zeigt sich ein ähnliches Bild. 42,7 Prozent der Teilnehmenden beobachteten quasi unveränderte Besucherzahlen im Vergleich zu 2023. 29,3 Prozent verzeichneten hingegen einen Anstieg, 28 Prozent einen Rückgang.
Bei 66,7 Prozent der Teilnehmenden befanden sich die Ticketpreise für die eigenen Gigs auf dem gleichen Niveau wie 2023. Bei 25,3 Prozent der Musiker*innen stiegen die Preise an, lediglich 8 Prozent meldeten niedrigere Preise.
Clubsterben ist Hauptsorge
Besonders besorgniserregend bleibt die Entwicklung der Clublandschaft: Nicht weniger als 70,7 Prozent der Musiker*innen berichteten in der Umfrage von einem Rückgang an Clubs, in denen sie auftreten können. 28 Prozent gaben an, die Anzahl der für Gigs verfügbaren Clubs sei in etwa gleich geblieben, nur 1,3 Prozent sahen einen Zuwachs.
Damit zeigt sich, dass sich einige Befürchtungen aus der Community im Hinblick auf das Jahr 2024 bewahrheitet haben. Ganz vorne rangiert wie bereits im Vorjahr das Clubsterben (27,1 Prozent).
Auswirkungen der Wirtschaftslage
Weitere 20,5 Prozent sahen sich in ihrer Befürchtung bestätigt, das Publikum würde sich zurückhaltender verhalten, und beklagten weniger Interesse an Konzertkarten und Merchandise.
Eine schwache Wirtschaftslage und eine damit einhergehende Zurückhaltung privater Auftraggeber landete mit 15,2 Prozent auf Platz drei, dicht gefolgt von Auswirkungen der Inflation (13,3 Prozent).
Ein Teilnehmer berichtete auch von seinen Erfahrungen, als Band mit eigenem Song-Repertoire seltener gebucht zu werden. Coverbands hingegen hätten es aktuell leichter. Ein weiterer Kommentar pflichtet ihm bei:
"Handgemachte, in Bands gespielte, eigene Musik hat kaum eine Zukunft. Nach dem bereits fortgeschrittenen Bandsterben kommt jetzt das Live Clubsterben. Streamingportale wie Spotify und Konsorten beschleunigen diesen Trend zusätzlich…"
Ein weiterer Kommentator bemängelt, die Entwicklungen im Lineup einiger Festivals:
"Bei einigen Festivals wird lieber auf "Altbekanntes" zurückgegriffen (insider). Nachvollziehbarer Garant/ zahlendes Publikum. Business!"
Hoffnungen und Erfolge
Dennoch erreichten uns trotz schwieriger Umstände auch Berichte über persönliche Highlights und erfüllte Hoffnungen in 2024. Mehr Gigs bzw. eine stabile Auftragslage, das Knüpfen neuer Kontakte, das Fortbestehen der eigenen Band trotz erschwerter Bedingungen, neugewonnene Bandmitglieder, Auftritte im (teilweise außereuropäischen) Ausland, erfolgreich abgeschlossene Veröffentlichungen und positives Feedback des Publikums sind hier nur einige Beispiele.
Ein Teilnehmer fasst zusammen, er sei dankbar dafür, “dass Live-Musik immer noch wertgeschätzt wird, auch wenn das Umfeld insgesamt sehr schwierig bleibt. Die Zuschauer, die dabei sind, sind dankbar für’s Programm.”
Nicht nur seitens des Publikums scheint Live-Musik 2024 wertgeschätzt worden zu sein. Gleich mehrere Teilnehmende berichten davon, dass sich die Entlohnung für Auftritte 2024 verbessert hat und sich Gagen positiv entwickelt haben.
Genreunterschiede
Eine Kommentatorin aus dem Klassikbereich berichtet sogar davon, 2024 sei das bisher beste Jahr ihrer Band gewesen: "Sehr viele Auftritte, die meisten gut bis sehr gut bezahlt. Auch am Merch-Tisch gut verkauft." Gerade der aktuelle Candle Light Trend, verschaffe vielen Musiker*innen Arbeit.
Sie betont jedoch auch, dass die Musikszene je nach Genre anders aussehen kann:
"Kleine Clubs im U-Bereich haben es einfach schwerer mit den gestiegenen Energiekosten etc. Davon bleibt die Klassik relativ unberührt."
Genreunabhängig äußern viele Teilnehmer jedoch Freude über neue Projekte, Chancen und den fortbestehenden Zusammenhalt der eigenen Band auch im Hinblick auf das kommende Jahr.
Vielen Dank an alle, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Wir wünschen euch und der gesamten BackstagePRO-Community im kommenden Jahr viel Erfolg auf der Bühne und im Studio und hoffen, dass sich eure musikalischen Visionen umsetzen lassen. Bleibt gesund und kreativ!
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