Euer Recap der letzten 12 Monate
Rückblick 2025: So hat die BackstagePRO-Community ihr Jahr in der Liveszene erlebt
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© Wendy Wei
Die Ergebnisse unserer Jahresumfrage zeigen ein gemischtes Bild. Während viele von euch Stabilität oder erfreuliche Entwicklungen melden, belasten wirtschaftliche Unsicherheiten, sinkende Auftrittsmöglichkeiten und strukturelle Veränderungen weiterhin den Alltag vieler Künstler*innen.
Amateurmusik nimmt zu, wird aber auch professioneller
Wie bereits in den letzten Jahren gab mit 87,9 Prozent ein Großteil der Teilnehmenden an, sich dem Musikmachen nebenberuflich zu widmen. Die Zahl der hauptberuflichen Live-Acts, die einen Großteil ihres Lebensunterhalts durch Musik erzielen, bleibt mit 12,1 Prozent ein wenig hinter den Angaben der Vorjahre zurück (2024 waren es 16 Prozent, 2023 knapp 17 Prozent).
Ein möglicher Erklärungsansatz für diesen rückläufigen Anteil hauptberuflicher Musiker*innen ist, dass die Schwelle, ab der eine dauerhaft tragfähige Profimusiker-Existenz möglich ist, in den vergangenen Jahren gestiegen sein könnte.
Diese Einschätzung beruht auf Gesprächen und Rückmeldungen aus der Szene, denen zufolge Faktoren wie ein hoher organisatorischer Aufwand, stärkere Exklusivität, kontinuierliche Sichtbarkeit sowie eine wachsende wirtschaftliche Unsicherheit im Livesektor zunehmend an Gewicht gewinnen.
In der Praxis kann das schließlich dazu führen, dass Musikerinnen und Musiker vermehrt auf eine hauptberufliche Musikkarriere verzichten und sich stattdessen weitere Standbeine aufbauen.
Wie sich strukturelle Herausforderungen konkret im Livebetrieb auswirken, beschreibt in diesem Jahr etwa ein Clubbetreiber:
"Wir hatten viele tolle lokale, regionale und auch überregionale Bands. [...] Ich sehe den Amateur/ Hobby-Bereich der Bands inzwischen allgemein auf einem sehr hohen Niveau.[...] Was derzeit am meisten fehlt, ist das Publikum. Eine Herausforderung, mit der alle Clubs und Stages derzeit zu kämpfen haben, wenn man mit den anderen Clubs spricht."
Das Zitat macht deutlich, dass die sinkende Zahl hauptberuflicher Musiker und Musikerinnen keineswegs auf fehlende künstlerische Qualität zurückzuführen ist, sondern durch äußere Rahmenbedingungen wie etwa rückläufige Publikumszahlen und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Unsicherheiten beeinflusst sind.
So macht ihr Livemusik
Mit 64,1 Prozent bevorzugt es die Mehrheit von euch, mit einem Repertoire aus eigenen Songs aufzutreten. Cover- und Tribute-Programme spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und bleiben mit 35,9 Prozent ein stabiler Bestandteil der Szene.
Bei den Gagenmodellen zeigt sich wie schon im Jahr zuvor eine breite Streuung. Auch ein und derselbe Act nutzt verschiedene Vergütungsmodelle, weshalb bei der Beantwortung der Frage Mehrfachnennungen möglich waren.
Insgesamt erweist sich die Festgage als das meistgenutzte Modell. 65,4 Prozent aller Teilnehmenden bezeichneten sie als ein für sie übliches Gagenmodell. Damit erlebt die Festgage einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu 2024 (30 Prozent) und 2023 (36,8 Prozent).
Neben der Festgage nannten 51,5 Prozent der Teilnehmenden Doordeals und 46,8 Prozent die Aufwandsentschädigung als häufige Gagenmodelle. Festgage mit Erfolgsbonus nutzten hingegen nur 15,6 Prozent und 3,5 Prozent arbeiten mit anderen Modellen (möglicherweise auf Hut/Spendenbasis).

35,9 Prozent der Teilnehmenden sind im Rahmen ihrer Auftritte vorwiegend regional (11 bis 75 km) unterwegs, 27,3 Prozent treten überregional (bis 150 km) auf. 18,6 Prozent touren im gesamten deutschsprachigen Raum. Jeweils 9,1 Prozent spielen lokal (bis 10 km) oder international (über den deutschsprachigen Raum hinaus).

Die Bühnen, die am häufigsten bespielt werden, sind Musikclubs und Hallen (73,6 Prozent), gefolgt von Festen aller Art (55 Prozent) und Festivals (45,5 Prozent). Firmenevents hingegen spielen nur für 18,2 Prozent aller Teilnehmenden eine Rolle.
Das Booking bleibt wie in den Vorjahren fest in der Hand der Musikerinnen und Musiker. 96,5 Prozent aller Teilnehmenden geben an, ihre Auftritte selbst zu organisieren.
59,7 Prozent arbeiten neben ihrer Live-Rolle in weiteren Bereichen der Musikbranche. Besonders häufig tauchen dabei die Bereiche Songwriting und Komposition (36,8 Prozent), Studio/Recording (30,7 Prozent) oder Dienstleistungen (14,7 Prozent) auf.
Der Recording-Bereich wächst damit weiter, nachdem er bereits 2024 deutlich zugelegt hatte (2023 noch 14,6 Prozent). Weitere 10 Prozent aller Teilnehmenden gaben an, sich im Bereich Management zu betätigen, 6,9 Prozent in der Lehre. Das Schlusslicht bildet in diesem Jahr die MI-Branche mit 0,4 Prozent.

Und, wie war's?
Auf die Frage, wie 2025 für euch verlaufen ist, erhalten wir ein gemischtes Bild. 36,8 Prozent blicken auf ein Jahr zurück, das ihren Erwartungen entsprach. 34,2 Prozent freuten sich über ein Jahr, das besser verlief als erwartet, während 29 Prozent ein schlechteres Jahr als erwartet erlebten.
Insgesamt zeigt sich ein etwas positiveres Stimmungsbild als 2024, als 41,3 Prozent von einem enttäuschenden Jahr berichteten.

Gigs, Gage und Publikum
Aus den Ergebnissen unserer Umfrage geht hervor, dass die Mehrheit 2025 weniger als 15 Gigs gespielt hat. Am häufigsten genannt wurde eine Anzahl zwischen 5 und 12 Auftritten innerhalb der letzten zwölf Monate.
Ein signifikanter Anteil spielte hingegen auch keine bis fünf Gigs, häufig begründet durch die Neugründung des entsprechenden Projekts oder reduzierte Bookingmöglichkeiten. Einzelne Teilnehmende gaben hingegen auch an, mehr als 40 oder sogar mehr als 100 Gigs gespielt zu haben.
Die hohen Werte von um die 100 Gigs sind dabei auf wenige Einzelfälle begrenzt und lassen sich durch spezifische Rahmenbedingungen erklären, darunter jahrzehntelange Bühnenerfahrung (teilweise über 30 bzw. 40 Jahre), internationale Touraktivitäten oder der Mitgliedschaft in mehreren Formationen.
Bei zwei Dritteln dieser Fälle handelte es sich zudem um Musiker mit einem Repertoire aus Cover-Songs, bei denen aufgrund eines hohen Bekanntheitsgrades der Lieder häufig breitere Auftrittsmöglichkeiten bestehen.

Insgesamt erklärten 41,6 Prozent, 2025 mehr Gigs als im Vorjahr gespielt zu haben, bei weiteren 30,3 Prozent blieb die Anzahl konstant und "nur" 28,1 Prozent spielten weniger Gigs als 2024.
Was die Gage betrifft, liegen die häufigsten Nennungen bei etwa 100 bis 300 Euro pro Person, wobei es sich bei 250 Euro um den meistgenannten Einzelwert (pro Person bzw. Bandmitglied) handelt. Auch Gagen von über 500 Euro wurden genannt, stellen jedoch im Rahmen der Umfrage eher eine Ausnahme dar.
Ein nicht unbedeutender Teil aller Teilnehmenden erhält häufig aber auch keine Gage oder spielt üblicherweise für Aufwandsentschädigungen oder auf Spendenbasis.

Insgesamt gaben 63,2 Prozent an, pro Gig in etwa gleich viel Gage erhalten zu haben wie im Vorjahr, bei 21,2 Prozent wuchs die Entlohnung, bei 15,6 Prozent verringerte sie sich.
Bei den Besucherzahlen beobachteten 56,3 Prozent aller Teilnehmenden ein stabiles Niveau im Vergleich zum Vorjahr. 29,9 Prozent freuten sich über mehr Publikum, während bei 13,9 Prozent die Besucherzahlen zurückgingen.
Auch die Ticketpreise blieben bei der Mehrheit (74 Prozent) unverändert. 23,8 Prozent berichten von steigenden Preisen, hingegen nur 2,2 Prozent von günstigeren Tickets.
Ein Community-Mitglied berichtet:
“Wir haben ein bisschen mehr Reichweite erarbeitet. Aber Musik wird weiterhin als eher kostenlose Unterhaltung angesehen. Die Leute sind nicht bereit, für eher unbekannte Bands Geld zu zahlen.”
Clubsterben bleibt größte Sorge
Wie schon 2023 und 2024 bleibt das Clubsterben die dominante Sorge der Szene. 69,9 Prozent aller Teilnehmenden berichteten von der Bestätigung ihrer Befürchtung, die Zahl der kleineren und mittleren Spielstätten könnten weiter zurückgehen.
Allerdings gab mit 54,5 Prozent aller Teilnehmenden ein etwas kleinerer Anteil an, dass es 2025 weniger Clubs gegeben hätte, in denen sie auftreten konnten, als noch im Vorjahr. 39 Prozent Prozent nahmen ein ähnlich großes Angebot wahr und 6,5 Prozent berichten von mehr verfügbaren Locations.
Zwar liegt die Zahl derjenigen, die einen Rückgang beobachten, etwas unter den extremen Werten von 2024 (70,7 Prozent), doch die Tendenz bleibt alarmierend.
Neben Aussterben kleinerer und mittlerer Spielstätten berichten 45,4 Prozent davon, Zurückhaltung bei Tickets/Merch erlebt zu haben. Weitere Befürchtungen, die sich bestätigt haben, umfassen eine schwache Wirtschaftslage (39,3 Prozent), Auswirkungen der Inflation (35,7 Prozent) und Kürzungen in der Kulturförderung (34,7 Prozent).
Weniger verbreitet Probleme bei der Durchführung von Events (18,9 Prozent) und fehlerhafte bzw- unvollständige GEMA/GVL-Auszahlungen (5,1 Prozent). Damit bestätigt sich erneut, dass die Szene seit Jahren von vielen strukturellen Herausforderungen begleitet wird.

Hoffnungen und Highlights
Glücklicherweise zeigt die Auswertung der Umfrage auch, dass sich nicht nur Befürchtungen, sondern auch Hoffnungen in Hinblick auf 2025 bewahrheitet haben.
Dabei wurde jedoch auch deutlich, dass die Erwartungshaltung unter den Teilnehmenden insgesamt eher niedrig ausfällt und Stabilität bereits als Erfolg empfunden wird. So freuen sich Teilnehmende darüber, dass die eigene Situation "nicht schlechter geworden" ist oder darüber, dass ihr Projekt das Jahr überstanden hat.
Erfreulicherweise berichten aber einige davon, 2025 mehr und regelmäßiger Gigs gespielt zu haben und teilweise aktiv für diese angefragt worden zu sein.
Aber auch der Aufbau von mehr Reichweite, positive Publikumsreaktionen, künstlerische Weiterentwicklungen (etwa hinsichtlich der Live-Performance, neuer Releases, verbesserter Technik), der Ausbau des eigenen Netzwerks an Kontakten in der Musikbranche und das Zusammenfinden in neuen Gruppenkonstellationen (erfreulicherweise u.a. durch BackstagePRO) lieferten Anlass für Zufriedenheit.
Besondere Highlights
Einige Teilnehmende berichteten auch von besonderen Meilensteinen. Sie wurden etwa vom Fan zum Mitglied einer Band, durften durften ihre musikalischen Vorbilder supporten (zum Beispiel an der Seite von Judas Priest und Alice Cooper als Opener für das Jubiläumskonzert der Scorpions in Hannover), gewannen Wettbewerbe, gingen erstmals international auf Tour, spielten in einer Netflix-Produktion oder durften Slots auf großen Festivals füllen.
Trotz aller Herausforderungen zeigt eure Umfrage damit einmal mehr, wie engagiert und kreativ die BackstagePRO-Community bleibt. Ihr startet neue Projekte, haltet Bands zusammen, schafft Veröffentlichungen, spielt Konzerte und tretet mit uns und untereinander in Austausch.
Mit diesen Worten möchten wir uns noch einmal herzlich bei allen bedanken, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Wir wünschen der gesamten Community ein erfolgreiches Jahr 2026 mit vollen Clubs, fairen Gagen und viel Inspiration.
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