Langjährige Haftstrafe droht
Keine Kaution: Rapper P. Diddy (Sean Combs) bleibt nach Anklageerhebung in Haft
P. Diddy alias Sean Combs. © Universal Music
Insgesamt werden Sean Combs drei Verbrechen angelastet: Menschenhandel (sex trafficking), organisierte Kriminalität (racketeering conspiracy) und Föderung der Prostitution (transportation to engage in prostitution).
Der Rapper befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft, eine vorzeitige Entlassung auf Kaution lehnte das zuständige Gericht mit Verweis auf Fluchtgefahr ab.
Das Musiklabel als Dach einer kriminellen Organisation
Bemerkenswert an der Anklageschrift ist der Vorwurf, dass P. Diddy seine legalen Aktivitäten in der Musikbranche als Fassade für eine kriminelle Organisation gebraucht zu haben. Die Strukturen der Musikbranche dienten Sean Combs also dazu, seine kriminellen Aktivitäten zu verschleiern.
Sean Combs soll laut Anklage der Kopf einer kriminellen Vereinigung, genannt "Combs Enterprise", gewesen sein, die neben seinem Musiklabel Bad Boy Entertainment und weiteren Firmen auch eigene Mitarbeiter und diverse Geschäftspartner umfasst. Sie besteht seit mindestens 2008. Mit der Gründung seien verschiedene Zwecke verfolgt worden, darunter auch der legale Betrieb eines Medienunternehmens.
Jedoch sei die kriminelle Vereinigung auch dazu benutzt worden, sexuelle Gewalt auszuüben und Zeugen einzuschüchtern, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Vorgeworfen werden ihr unter anderem Zwangsarbeit, Entführungen und Betäubungsmitteldelikte.
Perfide Masche
Daneben wird Sean Combs vorgeworfen, sogenannte "Freak Offs" abgehalten zu haben, von ihm arrangierte Sexvorführungen. Bei diesen habe er seine weiblichen Opfer unter Androhung oder Ausübung von Gewalt zu sexuellen Handlungen mit männlichen Sexarbeitern genötigt.
Der Rapper soll den Frauen im Vorfeld seine Liebe vorgespielt haben, um sie in sein Umfeld zu locken.
Solche "Freak Offs" hätten regelmäßig stattgefunden und teilweise mehrere Tage gedauert. Während dieser Zeit soll Sean Combs den Frauen diverse Substanzen verabreicht haben, um sie gefügig zu machen. Dabei entstandene Videos seien dazu verwendet worden, die Opfer zum Schweigen zu bringen.
Angestellte von Sean Combs sollen für die Buchung von Hotelzimmern und die Anreise der Frauen und Sexarbeiter verantwortlich gewesen sein und hätten dem Rapper Geld gegeben, um die männlichen Prostituierten zu bezahlen.
Bei Hausdurchsuchungen seiner Anwesen seien unter anderem Waffen, Betäubungsmittel und Gleitgel gefunden worden.
Langjähriges Opfer sagt aus
Der Anklagepunkt des Menschenhandels basiert auf Vorwürfen einer namentlich nicht genannten Person, die angibt, zwischen 2009 und 2018 von Sean Combs zu kommerziellen Sexualhandlungen genötigt worden zu sein.
Diese namentlich nicht genannte Person wirft Combs vor, bewusst ignoriert zu haben, dass sie nur unter Zwang oder Gewalt daran teilnahm.
Skandal-Video spielt eine Rolle
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Combs auch des jahrelangen Missbrauchs und bezieht sich hierbei auf ein Überwachungsvideo von 2016 ein, das vor einiger Zeit für Schlagzeilen sorgte und zeigen soll, wie der Rapper seine damalige Freundin Cassandra Ventura schlägt.
Aufgrund diverser Vorwürfe hat sie bereits eine zivilrechtliche Klage gegen ihn eingereicht, die in einem Vergleich endete.
Anwalt will sich weiter für Haftentlassung einsetzen
Vor Gericht beteuerte Sean Combs weiterhin seine Unschuld und wies alle Vorwürfe von sich. Sein Anwalt Marc Agnifilo erklärt, dass alle Beteiligten ihr Einverständnis zu den beschriebenen sexuellen Handlungen gegeben hätten und bezichtigt Ventura, die Schlägerei im Hotel ausgelöst zu haben. Auch er betont die Unschuld des Rappers.
Die nächste Anhörung soll am 24. September stattfinden. Solange bleibt Combs in Haft – und zwar im für seine schlechten Haftbedingungen berüchtigten Metropolitan Detention Center in Brooklyn.
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