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Live-Musik wirkt stärker als Umarmungen: Wie Konzerte den Oxytocinspiegel beeinflussen
© Elena de Soto
Das Experiment war Teil einer der Reihe "Sound & Science" der Dresdner Musikfestspiele und wurde am 27. Mai 2025 durchgeführt. Vor und nach einem Konzert im Zentrum für Regenerative Therapien Dresden wurden bei freiwilligen Probanden Speichelproben entnommen, um die Oxytocin-Konzentration zu messen.
Das u.a. als Hormon im menschlichen Körper wirksame Oxytocin verringert den Blutdruck, wirkt schmerzstillend und kann zu verbesserter Wundheilung führen. Auch die Fähigkeit zu Stressreduktion steht im Raum. Zudem spielt es eine große Rolle bei der Auslösung der Wehen und beim Stillen. Seine Bildung wird beispielsweise durch körperliche Nähe ausgelöst – aber auch durch Musik.
Ergebnisse der Studie
Vor dem Konzert lag der durchschnittliche Oxytocin-Wert der Probanden bei 37,54 pg/ml – nach dem Hörerlebnis stieg er auf erstaunliche 203,17 pg/ml an. Auch bei den Musikerinnen und Musikern selbst zeigte sich ein signifikanter Anstieg durch das gemeinsame Musizieren: Im Schnitt erhöhte sich ihr Oxytocinspiegel um 88,49 pg/ml.
Zum Vergleich: Frühere Studien beziffern die Oxytocin-Ausschüttung nach einer 20-sekündigen Umarmung innehalb einer Beziehung auf lediglich 3 bis 5 pg/ml, körperliche Intimität kann zwischen 50 und 150 pg/ml auslösen.
Belege für die Kraft der Kunst
Konzertintendant Jan Vogler sieht darin eine Bestätigung für die Kraft der Kunst:
"Natürlich ist unser Publikum schon längst von der positiven Wirkung eines schönen Konzerts überzeugt. Dass sich dies jetzt auch physiologisch zeigt, inspiriert uns für unsere Arbeit."
Auch die qualitative Auswertung nach dem Konzert stützt die Laborbefunde. Viele Besucherinnen und Besucher gaben an, sich tief verbunden gefühlt zu haben – mit den Musikern und Musikerinnen, aber auch mit dem restlichen Publikum. Besonders intensiv war das Gefühl bei Menschen, die das Konzert als emotional oder ästhetisch bewegend beschrieben.
Die Ergebnisse legen nahe, dass gemeinsames Musikhören oder -machen nicht nur Genuss, sondern auch gesundheitsförderndes Potenzial birgt. Der starke Einfluss von Musik auf das menschliche Gehirn wird schon länger intensiv erforscht.
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