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Geleaktes Telefonat

Live Nation soll Metallica-Tickets zu erhöhten Preisen direkt an Ticketzweithändler verkauft haben

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 22.07.2019

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Live Nation soll Metallica-Tickets zu erhöhten Preisen direkt an Ticketzweithändler verkauft haben

Metallica (2016). © Universal Music

Laut einem heimlich aufgezeichneten Telefongesprächs des Live Nation-Präsidenten Bob Roux soll dieser im Auftrag eines Metallica-Mitarbeiters Karten für deren WorldWired-Stadiontour direkt an Ticketzweithändler verkauft und so Fans benachteiligt haben.

Roux wurde laut Informationen von Billboard im Zuge des Telefongesprächs von dem ticketing consultant Metallicas, Tony DiCioccio – angeblich ein enger Vertrauter der Band –, beauftragt, insgesamt 88.000 Tickets für den Nordamerika-Teil von Metallicas 2017er-Tour direkt an Ticketzweitplattformen weiterzuverkaufen.

Erhöhte Preise

Auf diesen Plattformen wurden die Tickets für Preise deutlich über dem normalen Vorverkaufspreis angboten. Angeblich sollten so die zu niedrigen Ticketpreise im Vorverkauf ausgeglichen und die Band an den Umsätzen der Zweithändler beteiligt werden. 

Roux gibt im Gespräch angeblich an, dass das zu Live Nation gehörende Ticketing-Unternehmen Ticketmaster diese Aufgabe nicht (offen) übernehmen könnte und diskutiert Maßnahmen, um das Verschieben des Ticketkontingents zu verschleiern. 

Verschlungene Wege

An dem Telefongespräch beteiligt war neben Roux und DiCioccio Vaughn Millette, ein ehemaliger Geschäftspartner von Live Nation, der inzwischen eine eigene Veranstaltungsagentur leitet und somit in direkter Konkurrenz zu Live Nation steht. 

Millette war es auch, der die Aufnahme des Gesprächs ohne Wissen der anderen Teilnehmer anfertigte. Milette hat die Aufnahmen daraufhin Live Nation-Führungskräften vorgelegt, um diese über die Vorgänge zu informieren. Eine anonyme Quelle aus diesem Umfeld gab sie dann wiederum an Billboard weiter. 

Insgesamt sollen 20 Konzerte betroffen sein, pro Konzert erreichten 4.400 Karten niemals den offiziellen Vorverkauf. Angeblich bekamen Metallica und Live Nation je 40 Prozent der Umsätze via Zweitmarkt, DiCioccios Anteil lag bei 12 Prozent und der von Millette bei 8. Andere Quellen gehen wiederum von einem geringeren Anteil für Live Nation aus. 

Gängige Praxis?

In einem Statement von Live Nation, das Billboard vorliegt, gibt der Veranstalter zu, zwischen 2016 und 2017 in einigen wenigen Fällen – jeweils auf Nachfrage und nur mit explizitem Einverständnis von Künstlerinnen, Künstlern oder Bands – den Transfer von Ticketkontingenten zu Zweithändlern veranlasst zu haben. 

Im genannten Zeitraum habe es etwa ein Dutzend Acts gegeben, die solche Maßnahmen gefordert hätten. Mittlerweile seien diese jedoch unüblcih geworden, da die Branche sich weiterentwickelt habe: Mit dynamischer Preisgestaltung oder VIP-Tickets könnten inzwischen an den Ticketzweitmarkt verlorene Einnahmen wieder einigermaßen ausgeglichen werden. 

Metallica gibt entgegen der Behauptung Live Nations, derartige Ticket-Deals nur mit Zustimmung der betreffenden Bands abgewickelt zu haben, an, von den Abmachungen DiCiccios nichts gewusst zu haben. 

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