Kompromisslose Anwendung mit Folgeschäden
Löst die strenge Sperrzeitenregelung in Heidelberg ein Clubsterben aus?
© Julian Engl
Die Entscheidung ist das Ergebnis eines jahrelangen Konflikts zwischen Anwohnern, der Stadtverwaltung und den gastronomischen Betrieben bzw. Clubs in der Altstadt. Die Stadt beschloss wiederholt sehr großzügige Sperrzeiten, gegen die eine Gruppe von Anwohnern vor Gericht zog.
Kein Ermessensspielraum
Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim urteilte bereits im Oktober 2024 zugunsten der Anwohner und legte die Sperrzeiten gerichtlich auf Mitternacht an Wochentagen und 1 Uhr morgens am Wochenende fest. Die Stadt hat daher keine Möglichkeiten mehr, die Sperrzeiten zu verlängern, zumal das Gericht keine Revision zuließ.
Die Beschwerde der Stadt gegen die Nichtzulassung der Revision wies das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig jüngst zurück. Vorher galten Sperrzeiten von 1 Uhr an Wochentagen und 4 Uhr am Wochenende.
Oberbürgermeister Eckart Würzner erklärte zum Urteil:
"Das Urteil ist jetzt zu akzeptieren und wir werden eine Änderung der Sperrzeitenverordnung vorbereiten. Die Zeiten von 0 Uhr unter der Woche und 1 Uhr am Wochenende sind aus meiner Sicht in keiner Weise verhältnismäßig. Alle Städte brauchen solche Begegnungsräume in ihren Altstädten, gerade für jüngere Menschen zu den Zeiten, in denen sie ausgehen möchten.
Alles zu verbieten und die Innenstädte zu Schlafstädten umzuformen kann und darf kein Ziel sein. Aber wir haben in dieser Frage keinen Ermessensspielraum mehr und ich habe auch Verständnis für die Anwohnenden, denen die Öffnungszeiten von 3 Uhr oder teilweise 5 Uhr am Wochenende zu weit gingen."
Auswirkungen auf die Clublandschaft
So erfreulich das Urteil für die klagenden Anwohner sein mag, wirft es doch Fragen in Hinblick auf demokratische Strukturen auf, wenn ein Gericht Sperrzeiten einfach festlegt, anstatt diese Aufgabe den gewählten städtischen Gremien zu überlassen.
Für die Clubs und gastronomischen Betriebe in der Altstadt hat das Urteil jedenfalls gewaltige Auswirkungen. Traditionsreiche Clubs wie das Cave 54, die schon seit 72 Jahren Teil der Heidelberger Kultur sind, stehen nach einigen Angaben vor dem Aus. Das Cave 54 hat bereits angekündigt, zu schließen, sollten die Sperrzeiten in Kraft treten.

© Julian Engl
"Es geht hier nicht um‚ ein bisschen früher zumachen. Es geht um Existenzen. Um Mitarbeitende. Um Kultur. Um einen Teil Heidelbergs, der seit Jahrzehnten dazugehört. Im Clubbetrieb erzielen wir unsere Umsätze überwiegend zwischen 0 und 3 Uhr. Fällt dieses Zeitfenster weg, fehlt die Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb. Schließen werden wir erst, wenn die Sperrzeiten tatsächlich kommen."
Jahrzehntelang zählte das Cave 54 zu den angesagtesten Jazzclubs Deutschlands. Hier spielten renommierte deutsche Musiker wie Karl Berger, Wolfgang Lauth und Jutta Hipp, später auch bekannte US-amerikanische Jazzer wie Cedar Walton und Don Ellis. Auch heute bietet das Cave im laufenden Clubbetrieb Jazz-Jamsessions an. Damit könnte es bald vorbei sein.
Ein Verlust – nicht nur für junge Leute
Heidelberg ist eine Stadt mit rund 40.000 Studierenden und einer lange gewachsenen Ausgehkultur, die sich seit Jahrhunderten in der Altstadt konzentriert.
Wenn Ausgehmöglichkeiten auf dermaßen kompromisslose Weise plattgemacht werden, wird sich das nächtliche Geschehen nicht auflösen, sondern an andere, weitaus weniger regulierte Orte verlagern.
Da es aber keine Möglichkeiten mehr gibt, gegen das Urteil vorzugehen, stellt sich die Frage, wie eventuelle Lösungsmöglichkeiten aussehen könnten. Für die Clubs in der Heidelberger Altstadt ist das eine Existenzfrage.
Locations
Cave 54
Krämergasse 2, 69117 Heidelberg
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veröffentlicht am 25.03.2026