Emissionsarm und nachhaltig erfolgreich
Massive Attack: Nachhaltiges "Act 1.5"-Festival erweist sich als Erfolg
massive attack nachhaltigkeit liveszene
Massive Attack (live in Frankfurt 2019). © Torsten Reitz
Das Thema Klimaschutz ist für Massive Attack nicht neu. Schon lange beschäftigt sich die Gruppe damit, wie sich ihre Tourneen klimafreundlicher gestalten lassen.
Im Jahr 2019 hatte die Band eigens dafür eine Gruppe an Forschern und Forscherinnen des Tyndall Centre for Climate Change Research beauftragt, Strategien zur Reduzierung von CO2-Emissionen zu entwickeln. Diese Initiative führte 2021 zur Veröffentlichung des "Super-Low Carbon Live Music"-Fahrplans [PDF].
Die "Act 1.5"-Veranstaltung im Sommer 2024 sollte einige dieser Strategien in die Praxis umsetzen. Verschiedene Maßnahmen sollten dafür sorgen, die Umweltbelastung des Konzerts möglichst minimal zu halten.
Erfolgreiche Zahlen
Das Tyndall Center for Climate Change Research hat nun einen Bericht [PDF] veröffentlicht, indem das "Act 1.5"-Festival analysiert wird. Dabei wird deutlich: "Act 1.5" war durchaus erfolgreich.
Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es möglich ist, eine 32.000-Personen-Outdoor-Veranstaltung vollständig mit Batterien zu betreiben – ohne jegliche Dieselgeneratoren als Backup.
Die Emissionen im Zusammenhang mit der vor Ort erzeugten Elektrizität fielen dadurch um mindestens 81 Prozent niedriger aus, als das bei einer vergleichbaren Veranstaltung mit Dieselgeneratoren der Fall gewesen wäre.
Auch in anderen Bereichen konnte die Veranstaltung massive Einsparungen erzielen:
- Essen & Catering: 89 Prozent weniger Emissionen
- Equipmenttransport: 70 Prozent weniger Emissionen
- Anreise der Künstler*innen: 73 Prozent weniger Emissionen
- Anreise des Publikums: 32 Prozent weniger Emissionen
Die Veranstaltung zeigte damit also äußerst eindrücklich, dass sich das Engagement seitens Veranstalter und Künstler*innen lohnte.
Nachhaltiger Transport als Schlüsselfaktor
Zu den ergriffenen Maßnahmen zählte unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Bahnunternehmen. Besucher*innen waren dazu ermutigt worden, mit der Bahn anzreisen und ihre Tickets über die App Train Hugger zu buchen, die für jedes verkaufte Ticket einen Baum pflanzt. Im Rahmen von "Act 1.5" konnten so 3.898 einheimische Bäume gepflanzt werden.
Um die Anreise per Bahn attraktiver zu machen, wurden bereits in der Planungsphase anonymisierte Postleihzahl-Daten der Ticketinhaber*innen genutzt, um den Bedarf an Zugverbindungen abzuschätzen. Basierend auf diesen Kalkulationen setzte der lokale Bahnprovider letztendlich fünf zusätzliche Züge ein. Zudem wurde die Show-Endzeit auf 22:15 vorverlegt, um sicherzustellen, dass die Besucher*innen noch rechtzeitig die Züge nach Hause erreichen konnten.
Ergänzend dazu standen elektrische Shuttlebusse bereit, die das Publikum kostenlos vom Bahnhof zum Veranstaltungsort und zurück transportierten.
Auch die Künstler*innen leisteten einen wichtigen Beitrag: Massive Attack reduzierten die Menge an Equipment von vier auf zwei Trucks. Kein anderer Act transportierte Equipment per LKW. Zudem reisten alle auftretenden Künstler*innen auf emissionsarmen Wegen, ohne Flüge zu nutzen – etwa per Fähre und Bus aus Dublin, Paris, Glasgow und London.
Nachhaltige Verpflegung & Abfallmanagement
Ein weiterer Aspekt, der sich als erfolgreich erwiesen hat, stellt das pflanzenbasierte Catering dar, das 89 Prozent weniger Emissionen verursachte als herkömmliche Festivalverpflegung. Gab es anfangs noch Bedenen hinsichtlich der Akzeptanz durch das Publikum un der Verfügbarkeit geeigneter Anbieter, fiel das Feedback letztendlich sehr positiv aus.
Auch das Abfallmanagement wurde innovativ gestaltet:
- Alle Essensreste und Verpackungen wurden kompostiert
- Kein Einwegplastik war erlaubt
- Verpackungen mussten aus kompostierbaren Materialien, Papier oder Metall bestehen
- Extra engagierte "Müll-Feen" halfen den Besucher*innen, die Abfälle korrekt zu entsorgen
Ein Vorbild für die Zukunft?
"Act 1.5" hat gezeigt, dass eine klimafreundliche Live-Veranstaltung in dieser Größenordnung durchaus machbar ist. Die enge Zusammenarbeit mit Bahnunternehmen, das nachhaltige Catering und die emissionsarmen Reiseoptionen für Publikum und Künstler*innen könnten als Blaupause für andere Festivals und Konzerte dienen.
Vielleicht setzen in Zukunft mehr Veranstalter auf diese umweltfreundlichen Konzepte – denn das Interesse und die Akzeptanz seitens des Publikums scheinen eindeutig vorhanden zu sein.
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