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Vom autodidaktischen Weg zur erfolgreichen Live-Band

Maura über ihren Auftritt beim Blues- und Jazzfestival in Bamberg und die Lust am Live-Spielen

Interview von Daniel Nagel
veröffentlicht am 02.09.2026

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Maura über ihren Auftritt beim Blues- und Jazzfestival in Bamberg und die Lust am Live-Spielen

Maura Presse. © Christian Martin

Maura wurde bei der gemeinsamen Ausschreibung von BackstagePRO und Thomann für einen Auftritt beim Blues- und Jazzfestival in Bamberg ausgewählt. Im Interview spricht die Berliner Musikerin über ihren autodidaktischen Weg, den Umgang mit Bühnenangst, ihre EP "Shameful Days" und die Bedeutung von Netzwerken für ihre Karriere.

BackstagePRO: Wie war dein Auftritt beim Blues- und Jazzfestival in Bamberg?

Maura: Wir hatten eine richtig gute Zeit. Die Bühne war großartig und im Nachgang waren wir alle beseelt, weil das Team vor Ort super nett war. Bühne und Sound waren einfach perfekt - und dann macht ein Auftritt unglaublich viel Spaß. 

BackstagePRO: Weißt du noch, wie du reagiert hast, als du erfahren hast, dass ihr den Slot bekommt?

Maura: Ich war super überrascht und habe mich sehr gefreut. Dass KOOB dabei waren, fand ich auch toll. Wir kennen uns natürlich ein bisschen, weil wir in ähnlichen Kreisen in Berlin unterwegs sind.

BackstagePRO: Du bist durch den gemeinsamen Band Contest mit Thomann auf BackstagePRO aufmerksam geworden. Wie nutzt du die Plattform heute?

Maura: Ich schaue dort seitdem regelmäßig nach passenden Konzert-Ausschreibungen. Die Plattform finde ich super, sehr übersichtlich und im Gegensatz zu einer anderen Plattform, wo man sich bei Venues und Festivals bewerben kann, finde ich BackstagePRO viel transparenter, was die Gage angeht oder ob der Slot eher lokal ausgeschrieben ist.

BackstagePRO: Kannst du uns ein bisschen was über dich erzählen? Woher kommst du, welche Musik machst du und wie hat das bei dir angefangen?

Maura: Ich komme ursprünglich aus der Nähe von Bremen, lebe aber schon seit über zehn Jahren in Berlin. Ich habe polnische Wurzeln, meine Familie war allerdings nicht besonders musikalisch. Mit Rap und Hip-Hop bin ich früh in Kontakt gekommen und habe mich als Hörerin lange in diesen Bereichen bewegt. Später wurde ich dann neugierig, was Soul, Jazz, Funk, experimentelle und Beat-orientierte Musik angeht.

Lange Zeit habe ich mich eher als MC oder Rapperin bezeichnet. Als ich dann angefangen habe, mit anderen Musikerinnen und Musikern zu arbeiten, kam auch der Gesang wieder stärker dazu.

BackstagePRO: Du bist musikalisch sehr breit aufgestellt. Welche Bands oder Acts haben dich besonders beeinflusst?

Maura: In meiner Jugend waren es vor allem Produzenten wie J Dilla. Dass er Samples aus Psych-Rock, Jazz und experimenteller Musik verwendet hat, hat mich stark beeinflusst. Später kamen Bands wie Hiatus Kaiyote und Little Dragon dazu, die viele Genres verbinden und sich gleichzeitig im Pop bewegen. Vokalistisch hat mich Erykah Badu geprägt. Generell haben mich immer Acts interessiert, die sich nicht klar einem Genre zuordnen lassen, sondern etwas Hybrides haben.

BackstagePRO: Du hast dir Gesang und verschiedene musikalische Fähigkeiten im Grunde selbst beigebracht. Wie kam es dazu?

Maura: Das lag lange an einer gewissen Unwissenheit. Ich komme aus einer wenig musikalischen Familie und hatte keinerlei Vorstellung davon, was ein Leben als Musikerin ausmacht und wie man das wird.

Dieses Selbststudium kam zum Teil durch den Hip-Hop, weil es in dem Genre üblich ist, dass man Dinge selber macht. Ich habe mich erst einmal mit dem Texteschreiben beschäftigt. Was Songwriting oder Gesang angeht, hatte ich aber keine Idee, dass man das lernen kann. Ich hatte lange die naive Vorstellung, dass es Menschen mit tollen Stimmen gibt, die extrem gut singen können, und eben Leute, die nicht singen können.

Irgendwann habe ich Stimmübungen und Stimm-Coaches auf YouTube gefunden. Dadurch habe ich gelernt, wie man Support aufbaut, was man mit dem Kiefer machen kann und Ähnliches.

BackstagePRO: Wann hast du angefangen, dich intensiver mit Gesangstechnik auseinanderzusetzen?

Maura: Als ich angefangen habe, viel live zu performen, habe ich gemerkt, dass mir so viel technisches Wissen beim Gesang fehlt. Ich hatte den Wunsch, auf der Bühne zeigen zu können, was ich wirklich kann. Aus diesem Grund bin ich vor einigen Jahren nach Kopenhagen an das Complete Vocal Institute gegangen. Dort habe ich drei Monate lang nur Techniken gelernt. Vieles davon wusste ich zwar schon, aber der Aufenthalt hat mir den Raum gegeben, das Wissen wirklich zu verinnerlichen.

BackstagePRO: War das für dich ein Quantensprung?

Maura: Es war ein Quantensprung, aber eher ein psychischer. Viele technische Probleme entstanden bei mir eher aus Angst, denn ich habe mich selbst oft infrage gestellt. Das Feedback von den Lehrern zu bekommen und es zu verstehen, hat mir geholfen, auf der Bühne ganz anders performen zu können.

Maura 2026

Maura 2026, © Christian Martin

BackstagePRO: Auch die Business-Seite des Musikerlebens musstest du dir erst erschließen. Wie hast du das gelernt?

Maura: Ich hatte lange keine Vorstellung, dass es so etwas wie Netzwerke gibt und wie wichtig sie sind, zum Beispiel, dass man Bewerbungen schreiben und sich immer wieder bei Leuten ins Gedächtnis rufen muss. Hier in Berlin haben wir das Musicboard. Dort habe ich verschiedene Workshops besucht und mit der Zeit kam das Wissen.

BackstagePRO: Die Workshops haben dir also sehr geholfen?

Maura: Die Workshops klingen alle sehr plausibel und vermitteln Wahrheiten. Für mich hat es aber erst richtig geklickt, als ich die Erfahrungen selbst gemacht habe. Zum Beispiel, dass über Kontakte etwas Tolles entstehen kann oder dass, gerade weil man noch einmal nachgefragt hat, wirklich Bewegung in die Sache gekommen ist. Da kam für mich die Erkenntnis, dass in den Workshops nicht nur von Netzwerken gesprochen wird, weil das gut klingt, sondern weil es wirklich etwas bewirken kann.

BackstagePRO: Bist du hauptberuflich Musikerin oder machst du das im Nebenjob?

Maura: Ich bin Freelancerin und habe sozusagen drei Standbeine. Einmal sind da natürlich die Musik und die Konzertauftritte.Ich investiere viel in die Musik, zum Beispiel in Recording und Visuals und auch zeitlich nimmt mich das am meisten in Anspruch. Finanziell ist es aber nicht das lukrativste.

Zum anderen unterrichte ich Gesang und bin Moderatorin für Jugendveranstaltungen. Beispielsweise moderiere ich Dialoge an Schulen, bei denen es unter anderem um gesellschaftliche Themen, Demokratie und Zukunftsthemen geht.

BackstagePRO: Gesellschaftliche und politische Themen ziehen sich auch durch deine Musik. Gleichzeitig möchtest du sie nicht zu plakativ behandeln. Wie schaffst du diese Balance?

Maura: Die Texte, auf die ich stolz bin, sind häufig die, bei denen ich mich während des Schreibens löse und gar nicht erst versuche, irgendetwas zu vermitteln oder von mir zu erzählen. Stattdessen kommt viel Unterbewusstes hoch und es werden Fragen aufgeworfen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie in mir habe. In meiner Musik beobachte ich gerne erst einmal und bringe das dann in Textform. Ich versuche, mehr über das Menschsein nachzudenken und über die Ambivalenz, die wir alle in uns tragen.

Gleichzeitig habe ich auch gesellschaftliche Neugier. Auf der anderen Seite hat Politik einen ganz anderen Auftrag als Kunst. Sicherlich gibt es auch mal Überschneidungen, aber ich bin kein großer Fan davon, wenn Kunst zu plakativ wird oder als ganz klare politische Anweisung gelesen werden kann.

BackstagePRO: Deine aktuelle EP "Shameful Days" veröffentlichst du Song für Song. Was verbindet die Stücke?

Maura: Alle Songs handeln in irgendeiner Form von Scham. "Superior Lie" ist mit Abstand das älteste Lied auf der EP. Es entstand zu der Zeit, als viele Menschen aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland gekommen sind und deswegen sehr viel Hetze betrieben wurde. In dem Song geht es um Menschen, die einem vorgaukeln wollen, dass es essenzielle Unterschiede zwischen Nationen, Gruppen, Ethnien oder Religionen gibt.

Diese politische Scham wird auch in der gleichnamigen Single "Shameful Days" aufgegriffen. Genauer gesagt geht es um die Scham, die entsteht, wenn wir Populismus Raum geben. Egal, welches politische Spektrum man sich anschaut – wir alle sind davon betroffen. Feindbilder gibt es überall. Mir geht es dabei mehr um die Hintergründe: Warum sind wir so? Warum springen wir so gut darauf an? Und welche Genugtuung gibt uns ein klares Feindbild? Letztlich geht es um die Frage nach dem Individuum innerhalb der Politik.

Die andere Komponente bei den Tracks ist die persönliche Scham. Geschichten über Selbstzweifel oder Ängste.

BackstagePRO: "Kaimon-Dake" ist auf einer Japanreise entstanden. Wie hat dich diese Reise zu dem Song inspiriert?

Maura: Ich bin damals mit meinem Partner und Bassisten Or Rosenfeld auf die Reise gegangen. Eine Zeit lang waren wir im Süden Japans und durch unser Fenster hatten wir Aussicht auf den Vulkan Kaimondake.

Mich beschäftigte damals eine Freundschaft, die zerfallen war. Ich hatte das Gefühl, dass vieles ungesagt geblieben ist, und das hat mich nicht losgelassen. Beim Schreiben dachte ich mir dann: Ich spreche das, was ich der Person nicht direkt gesagt habe, einfach dem Vulkan gegenüber aus. So ist der Song entstanden.

BackstagePRO: Du hast polnische Wurzeln mütterlicherseits und auch ein polnischer Song soll bald erscheinen. Was bedeutet das für dich?

Maura: Sehr viel. Der Fakt, dass ich polnisch-deutsch bin, war etwas, das ich ganz lange versucht habe zu verschleiern. Heute kann man sich das wahrscheinlich nicht mehr vorstellen, weil Polen keine Einwanderungsgruppe mehr ist, über die sich Leute aufregen. In meiner Kindheit war das aber ganz anders. Polnisch zu sein und auch Polnisch zu sprechen, war mit extremer Scham behaftet. Ich wollte zum Beispiel nicht, dass meine Mutter mich in der Öffentlichkeit auf Polnisch anspricht, weil dann alle Leute gucken würden.

Polnisch ist für mich bis heute eine Familiensprache, die ich mit Kochen, Festen und Zeit mit meiner Familie assoziiere. Deswegen war es für mich auch eine Herausforderung, auf Polnisch zu schreiben.

Gleichzeitig war es spannend zu sehen, wie die Sprache, in der wir schreiben, auch diktieren kann, worum es geht und was für eine Art von Persönlichkeit nach vorne tritt. Polnisch verbinde ich mit meiner Kindheit und der Familie und es hat weniger mit der "Kunstfigur" Maura zu tun.

BackstagePRO: Was bedeutet das Live-Musizieren für dich?

Maura: Wir sehen uns in erster Linie als Live-Band und ich glaube, wir sind uns als Band einig, dass Live-Auftritte das höchste Geschenk sind, das man als Musiker bekommen kann. Es ist dieser Moment, wenn man mit anderen Menschen eine Atmosphäre schafft und bestenfalls auch ein Austausch durch die Musik stattfindet. Wir arrangieren sehr viel, verändern unsere Sets regelmäßig und proben, um eine bestimmte Energie auf der Bühne präsentieren zu können.

BackstagePRO: Viele Musiker berichten momentan von schwierigeren Bedingungen im Live-Bereich. Spürt ihr das ebenfalls?

Maura: Im Moment spüren wir es nicht so, weil es für uns persönlich das bisher erfolgreichste Jahr war. Es war das erste Jahr, in dem wir einen Gig gespielt und währenddessen noch zwei weitere Anfragen erhalten haben. Dadurch hatten wir einen wirklich guten Flow, was Bookings angeht.

Aber ich sehe und höre natürlich, dass es Auswirkungen gibt. Gerade bei etablierten Bands, die eigentlich ihre Fanbase haben und große Tourneen machen, sieht es ganz anders aus. Ich merke auch die Sorge, was die Kürzungen der Kulturetats in Berlin oder im Bund für die nächsten Jahre bedeuten werden. In den Kreisen, in denen ich mich bewege, ist es auf jeden Fall ein Thema, das häufig besprochen wird.

BackstagePRO: Hast du eine Erklärung dafür, warum es für euch gerade so gut läuft?

Maura: Ich habe das Gefühl, dieses Jahr haben wir uns als performende Band gefunden. Gerade ich als Frontfrau habe sehr viele Ängste abgeschüttelt und den Punkt erreicht, an dem ich die Auftritte einfach liebe. Mittlerweile ist es mehr Vorfreude als Angst, die ich vor den Konzerten fühle. Ich habe ein gewisses Selbstbewusstsein aufgebaut.

BackstagePRO: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Artists

Maura

Vintage Soul, Neo Soul, Trip Hop und Jazz-Rap aus Berlin

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