Festival-Gedanken weiterführen
Melt-Ableger und Mini-Maifeld Derby: Veranstalter bemühen sich um Festival-Alternativen
Das Gelände des Maifeld Derbys lehrt sich nach dem letzten Konzert nur zögerlich. © Markus Biedermann
Als das Mannheimer Maifeld Derby im Frühjahr 2025 sein Aus verkündete, war der Schock unter Indie-Fans groß. Das gemeinnützige Festival, galt vielen Musikfans als Leuchtturmprojekt für kurartierte Vielfalt. 2023 wurde es sogar in der Kategorie "Best Small Festival" bei den European Festival Awards ausgezeichnet.
Die Gründe für das Aus
In einem ausführlichen Statement auf seiner Website legte Gründer und Organisator Timo Kumpf die Hintergründe zum Ende des Festivals offen: Der städtische Zuschuss von 100.000 Euro sei Kumpf zufolge zu wenig, um "steigende Personalkosten, gesunkene Kaufkraft / Inflation, gestiegene Künstlergagen, veränderte Konsumgewohnheiten" auszugleichen.
Ab 2026 hätte das Maifeld Derby mindestens eine Fördersumme von 300.000 Euro benötigt, um nicht auf zusätzliche Förderung von Land und Bund angewiesen zu sein. Hinzu käme, dass die durch fehlende Planungssicherheit ungewisse Zukunft eine ständige emotionale Belastung darstelle.
Während es offiziell heißt, dass das Maifeld Derby nicht mehr stattfinden wird, bestätigen sowohl Kumpf als auch der Mannheimer Kulturbürgermeister Thorsten Riehle, dass sich der Organisator im Gespräch mit der Stadt befindet. Der Ausgang ist offen.
Ein kleiner Neuanfang
Doch auch ohne dessen Abschluss möchte Kumpf sein Herzensprojekt noch nicht ganz hinter sich lassen. In einem persönlichen Statement kündigt er ein neues, kleineres Format für 2026 an:
"Im Mai 2026 wird es ein kleines Indoor Maifeld Derby (mit Aussenbereich!) in Heidelberg in der halle02 geben. Ich möchte nicht verantworten diese einzigartige Community aufzulösen. Aber alles im überschaubaren Rahmen. Mit viel Herz, aber halt auch von Anfang an mit Hirn."
Melt Festival: Aus in Ferropolis, Neustart in Berlin
Bereits 2024 ist ein anderer Name mit Strahlkraft vom Festivalhimmel verschwunden: das Melt Festival. Festivaldirektor Florian Czok erklärte das Melt-Aus damals wie folgt:
"Trotz unseres Engagements und unserer Bemühungen in den letzten Jahren merken wir, dass das ursprüngliche MELT nicht mehr zeitgemäß ist und den Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht länger standhalten kann, ohne das Festivalkonzept radikal abzuwandeln."
Seit 1997 ist das Melt-Festival eine feste Größe auf dem Gelände von Ferropolis in Sachsen-Anhalt gewesen. Im letzten Jahr fand dort die letzte Ausgabe statt. Doch auch hier bemühen sich die Festival-Macher um strategische Alternativen.
Mit Magma und Lava tragen diese inzwischen nicht nur bereits Namen, sondern sollen schon am 30. und 31. August 2025 auf dem Gelände des RSO-Clubs in Schöneweide stattfinden. Auch Florian Czok ist wieder mit im Team, wenn auch nicht mehr als Festivaldirektor.
Während Magma am Samstag auf experimentelle Clubmusik jenseits des Mainstreams setzt, bietet Lava am Sonntag hypermodernen Pop und elektronische Sounds. Auch sprachlich sind die Parallelen zur Vergangenheit erkennbar: Magma unter der Oberfläche (Underground), Lava darüber – ein metaphorisches Fortleben des "Melt"-Gedankens.
In einem Interview mit der Berliner Zeitung deutet der neue Festivaldirektor Magnus von Welck an, dass es jedoch nicht bei der sprachlichen Fortführung des "Melt"-Gedanken bleibt:
"Wir haben immer gesagt, dass das Melt ein Entdecker*innen-Festival ist. Das werden wir auch mit Magma/Lava an den Tag legen. Natürlich sind da viele Lieblingsacts dabei, Koryphäen und Legenden. Aber in einer spannenden Kombination mit Acts, die man in Berlin noch nicht gehen hat."
Die Notwendigkeit neuer Formate
Ob Maifeld oder Melt – beiden Fällen ist gemeinsam, dass langjährig gewachsene, identitätsstiftende Festivals in ihrer alten Form wirtschaftlich ohne Förderung nicht überlebensfähig sind. Doch statt sich geschlagen zu geben, entstehen kleinere Ableger, neue Formen der Communitybindung – bewusst reduziert, aber mit klarem Konzept.
Was auf dem Spiel steht, ist mehr als ein Event. Es geht um kulturelle Vielfalt jenseits der kommerziellen Hit-Maschinerie, um Bühnen für aufstrebene Acts, um Orte der Begegnung für Musikliebhaber*innen. Gerade deshalb verdienen diese neuen, kleineren Formate Aufmerksamkeit.
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