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Schlechte Stimmung?

Mit diesen einfachen Mitteln verbesserst du euer angeschlagenes Bandklima

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 08.05.2018

social skills motivation

Mit diesen einfachen Mitteln verbesserst du euer angeschlagenes Bandklima

Miese Laune in der Band? Dann unternehmt etwas dagegen!. © differentnata / 123RF

Wird eure Band von einer schlechten Atmosphäre untereinander beherrscht? Was sollte man tun, wenn es so mal richtig hakt? Gleich die Flinte ins Korn werfen? Wir haben bessere Ideen für euch.

Eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist eine ziemlich komplexe Sache. Schließlich hat jeder Mensch seine besonderen Eigenschaften, Vorlieben und Abneigungen. Wenn man viel Zeit miteinander verbringt, lernt man nicht nur die besten, sondern auch die schlimmsten Seiten eines Menschen kennen. Es gibt Tage, die unvergesslich sind, und es gibt welche, die man am liebsten für immer aus dem Gedächtnis verbannen möchte.

In einer Band "führt" man eine solche Beziehung nicht mit einer Person, sondern mit zwei, drei oder gar vier weiteren Persönlichkeiten – alle mit ihrem ganz eigenen Charakter und vielleicht sogar unterschiedlichen Vorstellungen, wie das Projekt angegangen werden soll. Somit steigt auch das Risiko für potentielle Konflikte.

Diese werden im schlimmsten Fall nicht nur im Proberaum, sondern auch auf der Bühne oder in der Anwesenheit von bspw. Bookern, Veranstaltern oder Labelpartnern ausgetragen. Dabei ist es vollkommen egal, wie virtuos ihr seid. Wenn es nicht eine gewisse Chemie gibt, wird es das Publikum spüren. Niemand will zankende Bandmitglieder im Backstagebereich erleben oder welche, die sich auf der Bühne gegenseitig die Schau stehlen wollen. Auch nicht solche, die sich schlichtweg weigern, aus Egogründen das Projekt oder den Song nicht an die oberste Stelle zu stellen.

Diese angesprochene Chemie ist unberechenbar. Vielleicht ist sie sofort da und verlässt euch nie, aber in den meisten Fällen muss ein gewisses Bandgefüge erarbeitet und entwickelt werden. Und genau wie bei einer Beziehung muss man, falls es mal zu mieser Stimmung kommt, zumindest einen ernsten Versuch unternehmen, das Schiff noch in die richtige Richtung zu steuern, um dieses gewisse Etwas, das mal war, wiederzubeleben und das Beste aus sich gegenseitig herauszuholen.

Tauscht euch über Musik aus – es könnte eure Augen öffnen!

Manchmal entwickeln sich musikalische Geschmäcker im Laufe der Zeit auseinander. Wo gestern noch eine Band einzig und alleine aus Stoner-Rock-Fans bestand, interessieren sich einzelne oder mehrere Mitglieder auf einmal für elektronischen Pop oder gar Cloud Rap. Vorweg: Das klingt sehr schnell nach musikalisch unüberbrückbaren Differenzen, muss aber eurer Bandtätigkeit überhaupt nicht im Wege stehen. Denn die Musik, die man hört und die, die man letztendlich macht, müssen nicht unbedingt zu 100 % miteinander übereinstimmen.

Vielmehr sollte man seine Scheuklappen ablegen und ab und an mal nachhorchen, was die Bandkollegen in letzter Zeit so alles an Musik entdeckt haben. Tauscht euch aus! Man muss natürlich nicht alles toll finden. Findet  stattdessen heraus, wovon die anderen inspiriert werden. Und wer weiß, vielleicht entdeckt man ein paar Bands oder gar Genres für sich, die man ansonsten niemals angehört hätte.

Um nochmals die Analogie zu einer Beziehung zu bringen: Jeder entwickelt sich weiter. Niemand kann die Zeit anhalten oder sie gar zurückdrehen. Zu hoffen, dass der Partner oder die Bandkollegen sich nie weiterentwickeln werden, ist ein Trugschluss. Anstatt vor Veränderungen Angst zu haben und bloß alles gleich lassen zu wollen, sollte man Veränderungen und neue Einflüsse vielmehr als Chance begreifen sowie als Gelegenheit, den anderen zu verstehen. Wer sich verstanden fühlt, der wird automatisch offener, kompromissbereiter und ist auch freier in der Entfaltung der eigenen Ideen.

Gemeinsame Gruppenausflüge zu Konzerten

Musik auszutauschen ist natürlich nicht verkehrt, aber geht einen Schritt weiter. Gibt es bestimmte Bands, die euch geschmacklich verbinden und bald in der Stadt sind? Vielleicht spielt ja eine befreundete Band demnächst ein Konzert? Die perfekte Gelegenheit, um einen musikalisch angehauchten Abend miteinander zu verbringen.

Dabei geht es ausnahmsweise nicht um eure Band und die vielleicht momentan vorherrschenden menschlichen oder musikalischen Konflikte, sondern um die perfekte Gelegenheit, das zu zelebrieren, worum es eigentlich geht: Musik. Dabei werdet ihr Bands sehen, die euch inspirieren und eure Gemeinsamkeiten stärken oder womöglich auch Konzerte, die euch zeigen: So nicht! In jedem Fall gibt das neuen Input, Gesprächsstoff und das ist ja zumindest erst einmal ein Anfang!

Regelmäßige Unternehmungen, die nichts mit Musik zu tun haben

Wenn man "nur" zusammen Musik macht, führt jedes Bandmitglied in der Regel sein eigenes Leben und hat einen eigenen Freundeskreis. Das ist nicht total verkehrt, aber wenn man sich nur im Proberaum sieht, kennt man wirklich nur die eine Facette des anderen. Außerhalb der Musik gibt es keine verbindenden Elemente, keine gemeinsamen Interessen und somit auch keine Themen, die euch vielleicht gemeinsam inspirieren und die Band womöglich in eine etwas homogenere Richtung führen.

Deswegen ist es keine schlechte Idee, sich mal außerhalb des musikalischen Kosmos zu verabreden und Zeit miteinander zu verbringen. Dies gilt übrigens auch für Bandmitglieder, die schon vor der Musik miteinander befreundet waren. Denn manchmal lebt man sich auseinander und vergisst, was euch ursprünglich mal zusammengeführt hat.

Geht mal zusammen essen oder schaut euch einen Film im Kino an. Dabei ist es fast egal, wofür man sich entscheidet. Hauptsache, man kommt außerhalb der Musik zusammen und trägt dazu bei, sich auf einer nichtmusikalischen Ebene besser zu verstehen. Die daraus resultierende Chemie wird nicht nur euch, sondern eurer Musik zweifellos guttun!

Auch hierbei gibt es Gefahren. Manchmal zerbrechen Bands schließlich nicht aus musikalischen, sondern aus persönlichen und freundschaftlichen Gründen. Nichtsdestotrotz ist es das Risiko wert, denn sonst würde man ja nur stagnieren und niemals vorwärts kommen!

Unterschätzt die Beiträge einzelner Mitglieder nicht und zeigt das offen  

Das mag nach einem absolut banalen Punkt klingen, aber Menschen sind nun einmal Menschen und sehen manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Auch wenn es in der Band einen oder mehrere Hauptakteure bzw. Songwriter gibt und die anderen "nur" Musiker sind, heißt das noch lange nicht, dass deren Meinungen unwichtig oder sie gar ersetzbar sind. Jede Band ist fast schon ein Ökosystem für sich. Manchmal begreift man nicht, welche kleinen Beiträge die einen oder anderen dazusteuern, damit alles funktioniert. Vielleicht ist einer von euch kein Hauptsongwriter oder spielt nur das, was ihm gesagt wird. Dafür hat er womöglich ein besseres Gespür dafür, was in der Praxis funktioniert, kann die bestehenden Teile des Songs besser arrangieren oder hat eine wunderbar ergänzende Idee zwischendurch.

Als kreativer Mensch hat man allzu oft den Kopf in den Wolken und begreift nicht, dass ganz kleine oder scheinbar banale Dinge in der Summe einen enormen Unterschied machen können. Das sollte man ab und zu realisieren, entsprechend schätzen und dies auch den anderen gegenüber kommunizieren.

Einigt euch auf gemeinsame Ziele

Wohin wollt ihr eigentlich mit dem Ganzen?

Als Extrembeispiel: Die einen wollen einfach nur einmal in der Woche mit Kumpels jammen und so nach einer stressigen Woche ordentlich abschalten. Die anderen wiederum stecken alle Kräfte und Geldmittel in das Projekt hinein und sehen die Musik als ihren zukünftigen Lebensweg – ein Stelldichein bei Rock am Ring inklusive. Beides ist nur in Ausnahmefällen miteinander vereinbar.

Deswegen sollte man sich so früh wie möglich unterhalten und sich auf die möglichen Ziele einigen. Es ist überhaupt nicht schlimm, nicht auf einer Linie zu sein. Nur sollten das alle auch tatsächlich wissen und nicht irgendwann feststellen, dass bspw. eine bereits gebuchte Tour nicht stattfinden kann, weil der Gitarrist feststellt, dass er doch nicht so richtig Lust darauf hat und der Proberaum als dauerhafter Spielort eigentlich ganz gemütlich ist.

Seid ehrlich zu euch selbst und anderen, sprecht unbequeme Wahrheiten aus und handelt entsprechend!

Damit wären wir beim bisher schwierigsten Punkt. Denn trotz guter Absichten und Bemühungen auf allen Seiten kann es trotzdem passieren, dass ein oder mehrere Mitglieder bspw. in eine musikalisch etwas andere Richtung gehen wollen, eine gewisse zeitliche Verpflichtung aus diversen Gründen nicht eingehen können oder sich einfach nicht ins Bandgefüge integrieren.

Der einfache Weg wäre, einfach so weiterzumachen und auf das Beste zu hoffen. Aber darum geht es ja hier nicht. Deswegen sollte man so ehrlich sein und unbequeme Wahrheiten aussprechen, anstatt darauf zu warten, dass jemand anderes damit beginnt. Des Weiteren sollte es keinen unendlichen "Freundschaftsbonus" in der Band geben. Wenn einer bspw. die zigste Probe kurzfristig absagt, dann frustet das natürlich auch die anderen. Warum sollen sie sich Mühe geben und aufkreuzen, wenn es sowieso keine Konsequenzen für Unzuverlässigkeit gibt? Lieber direkt ansprechen und eine klare Ansage bekommen.

Alles andere ist allen gegenüber nicht fair und man läuft ganz schnell Gefahr, Freundschaften oder Bekanntschaften unwiederbringlich zu zerstören. Das muss nicht sein.

Ok, vielleicht macht man nicht mehr zusammen Musik, aber das schließt ja nicht aus, dass man trotzdem miteinander befreundet ist. Vielleicht nimmt euch das sogar eine Last von den Schultern und verbessert euer Verhältnis, da es diesen Druck an musikalischer Stelle nicht mehr gibt.

Habt keine Angst und sprecht Wahrheiten aus. Handelt aber auch danach. An dieser Stelle geht es vielleicht nicht um Unsummen oder riesige Touren, die bereits gebucht sind, sondern um Freundschaften. Und die sind wichtiger als so einiges andere.

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