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Von Seifenblase bis Siegertreppchen

Aufgeben oder weitermachen? So gehst du mit Rückschlägen um!

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 24.04.2018

motivation gesundheit

Aufgeben oder weitermachen? So gehst du mit Rückschlägen um!

Halt! Bevor das die Lösung deiner Probleme wird, lies dir diese Tipps zum Umgang mit Rückschlägen durch. © deagreez / 123RF

Sie werden kommen: Rückschläge. Darunter vielleicht eine gefloppte Platte, leere Shows, unerwartete Besetzungswechsel und mehr. Folgende Argumente solltest du abwägen, wenn es dabei zu einer Sinneskrise kommt.

Das moderne Arbeitsleben ist ein ziemlich hartes Pflaster. Soweit keine großartige Neuigkeit. Kein Wunder, denn immer mehr unsicher werdende Arbeitsplätze, wirtschaftliche Rezessionen und der allzu oft pessimistische Blick in die Zukunft fordern ihren Tribut. Das Leben als Künstler oder Musiker ist jedoch ein eigenes Kapitel, wenn nicht gar Buch oder warum nicht gleich eine ganze Bibliothek.

Denn den Lebensunterhalt mit künstlerischen Tätigkeiten zu bestreiten – das ist in den meisten Fällen ein steiniger Weg, bei dem es nicht nur auf harte Arbeit und Disziplin, sondern auch auf ein kleines bisschen Glück ankommt. Ein Erfolg über Nacht passiert nur in den wenigsten Fällen und hinter so ziemlich jedem Erfolg stecken lange Jahre des Durchhaltens. Und wie viele Musiker leidvoll bestätigen können, kommen die Rückschläge auf jeden Fall!

Ist es das wirklich wert? An welchem Punkt sollte ein Musiker "aufgeben"?

Viele sehen es als vergeblichen Kampf, jahrelang dranzubleiben und doch nicht den verdienten Erfolg zu erlangen. Dabei vergessen sie, dass Kunst und Entbehrung oftmals Hand in Hand gehen – was absolut kein Grund ist, sich für seinen Traum selbst kaputtzumachen.

Akzeptiere es: Rückschläge tun weh, gehören aber dazu

Jeder Erfolg stellt sich erst nach einem Haufen Arbeit, Entbehrungen, Hürden und nach unzähligen überwundenen Herausforderungen ein. Längst nicht jedem ist ein märchenhafter Aufstieg vergönnt, von dem jeder schon einmal gehört hat. Wer weiß schon, ob solche Geschichten ganz der Wahrheit entsprechen und nicht ein wenig beschönigt wurden.

Rückschläge sind ein ganz kleiner Teil des Ganzen und kein Musiker kommt drum herum, welche zu erleben. Immer und immer wieder. Scheitern kann man aber nur, wenn man etwas versucht. Das schafft niemand vom Sofa aus.

Erst wenn das Scheitern nicht mehr als solches angesehen, sondern von dir akzeptiert und als Chance begriffen wird, – dann hast du den Dreh raus.

Woran lag es?

Gott und die Welt zu verfluchen, tut manchmal ganz schön gut, aber bringt dich langfristig nicht weiter. Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum du diesen einen Rückschlag erlitten hast:

Hat der Veranstalter keinen Finger gerührt, um Konzertpromo zu betreiben? Hat euer Booker euch bei der Tour gnadenlos unter Wert verkauft? Waren vielleicht zu viele spannende Konzerte am selben Abend? Wie schaut es mit einer verrissenen Platte aus? Kannst du die Kritik daran ansatzweise nachvollziehen?

Egal wie hart man sich ins Zeug legt: Manche Faktoren der Karriere kann man nicht beeinflussen. Als Band groß rauszukommen, liegt nicht nur an den eigenen Fähigkeiten, sondern u. a. auch am richtigen Timing und den richtigen Leuten am richtigen Ort.

Liegt es in deiner Macht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen?

Aber wie schaut es aus, wenn sich gewisse Versäumnisse deinerseits herauskristallisieren? Wenn nicht ausreichend geprobt wurde und die Songs somit nicht richtig sitzen, merkt es das Publikum. Gerade im Netz verbreiten sich negative Konzertreviews und bleiben im Gedächtnis von Lesern hängen. Warum sollten sie zum Konzert kommen, wenn ihr unter „nicht überzeugende Band“ abgeheftet wurdet?

Vielleicht sind die Songs an sich nicht stark genug und sollten im heimischen Proberaum etwas aufpoliert werden – lieber ein durchdachtes Ergebnis abliefern als unter Zeitdruck der Tour zusammengebastelte Tracks, die nicht überzeugen. Negative Reviews der eigenen Platte zu lesen, macht niemand gerne, aber auch hier sollte darüber nachgedacht werden, warum der allgemeine Tenor so lautet und wo es beim Songwriting oder den Aufnahmen Optimierungsbedarf gibt.

Arbeite an Faktoren, auf die du Einfluss hast. Mehr kann man nicht machen, weniger aber bitteschön auch nicht!

Keine Entscheidungen aus dem Bauch treffen

Okay, die Tour durch die Konzerthallen der Republik wurde voller Hoffnung gebucht und der Vorverkauf lief eigentlich auch ganz gut. Aber als es soweit ist, trifft der Worst Case ein: die Zuschauer bleiben am Abend weg. Nach ein paar solcher Shows ist die Stimmung am Ende und an Spritgeld oder Wagenmiete ist auch nicht zu denken, geschweige denn an diese ominöse Sache namens Gage.

Wozu also weitermachen?
Sollte man überhaupt die Tour zu Ende spielen?
Warum nicht alles gleich hinschmeißen?
Was soll das alles?

Dieses Szenario ist gerade für durchstartende Bands nicht unwahrscheinlich, wenn man nicht gerade eine absolut treue Fanbase hat. Ist man aber schon jahrelang dabei, kann das schon an die Substanz gehen, denn gerade da stellt sich die Frage, warum deine erfahrene und motivierte Band schlichtweg keine Leute zieht.

Was also tun? Das Wichtigste ist zunächst einmal, keine voreiligen Aktionen zu starten. Noch nie wurden sinnvolle Entscheidungen im Affekt getroffen!

Es gilt zuerst, alle Argumente abzuwägen, sich mit allen betroffenen Parteien zu besprechen und dann weiterzusehen. Bei dem obengenannten Beispiel einer Tour hängen ja neben der Band noch weitere Leute dran: die Venues, der Booker, das Label, Partner, Veranstalter usw. Einfach so hinschmeißen geht nicht und hat Konsequenzen für alle.

Das ist auch der Fall, wenn du aufgrund einer objektiv gesehenen Kleinigkeit überlegst, das Handtuch hinzuschmeißen. Was im Affekt als total weiser Entschluss gelten mag, könnte dir bald ziemlich albern erscheinen. Deswegen: Wäge alles ab, bespreche dich mit Vertrauenspersonen und treffe erst dann eine Entscheidung.

Was möchtest du?

Wenn Rückschläge dich soweit haben, dass du den Plan ins Auge fasst, das Kapitel Musik für immer schließen zu wollen, dann gönne dir zuerst einmal eine ruhige Minute und frage dich selbst, warum du diese Berufung in erster Linie verfolgen wolltest.

Das mag sich trivial anhören, aber in einer Zeit der Krise kann diese Selbstreflektion unschätzbaren Wert haben.

Warum wolltest du Musiker werden und den dazugehörigen Lebensstil mitsamt Vor- und Nachteilen akzeptieren? Was wolltest du damals erreichen? Hattest du einzig und alleine Ruhm, Ehre und Geld im Blick oder das Streben nach der kompromisslosen Umsetzung deiner Kunst?

Menschen ändern sich, die Lebensumstände auch. Dass ein 19-Jähriger ganz andere Prioritäten hat als jemand, der Ende 30 ist, dürfte klar sein. Wir alle entwickeln uns weiter, unsere Vorstellungen vom Leben auch. Hinzu kommt, dass vielleicht irgendwann eine Familiengründung ansteht und dazu gehört selbstverständlich auch ein Partner, mit dem man wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen muss.

Lange Rede, kurzer Sinn: Frage dich, ob du deinen Traum immer noch anstreben kannst, ohne dein restliches Leben komplett zu vernachlässigen. Finde heraus, ob die Kompromisse, die du wegen der Musik eingehen musst, einen zu hohen Preis haben könnten. Rede auch mit Freunden und Familie darüber, höre dir an, was sie zu sagen haben, aber entscheide letztendlich danach, woran du glaubst.

Wenn du dich fürs Weitermachen entscheidest, dann stürze dich rein und sorge dafür, dass diese Krise einen konstruktiven Sinn hatte. Und wenn es andersherum läuft: Nichts ist schlimmer als die eigenen Träume aufgeben zu müssen, aber vielleicht werden sie durch neue ersetzt.

Mach dich mal locker!

Okay, im Moment läuft es vielleicht nicht gerade rosig, aber deswegen alles gleich hinschmeißen?

Vielleicht gehst du auch zu verbissen an die Sache ran. Das mag paradox klingen, denn haben wir nicht weiter oben mehrmals erwähnt, dass nur harte und disziplinierte Arbeit zum Ziel führt? Das tut sie definitiv, aber die Übertreibung davon, pure Verbissenheit, kann auf Dauer sehr ungesund sein.

Wenn man sich selbst keine mentalen oder körperlichen Auszeiten gönnt, kann deine gerade aufblühende Karriere zum Burn-out führen. Nimm dir diese Auszeiten, höre auf deinen Körper und trete einen Schritt zurück. Eine erfolgreiche Musikkarriere nützt dir nichts, wenn du sie nach wenigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen beenden musst.

Such dir neuen Input wie ein spannendes Buch, einen interessanten Podcast, unterhalte dich mit anderen Musikern oder beweg dich in deiner Freizeit mal außerhalb deines musikalischen Kosmos.

Dann wirst du erkennen, dass Rückschläge zwar wehtun, aber nicht das Ende sind. Die Welt dreht sich weiter und du kannst dich im Nu wieder den spannenden Dingen widmen, die du noch in petto hast.

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