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Ehrliche Analyse

Sechs Gründe, warum deine Band immer noch kein Publikum zieht

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 15.11.2019

erfolgsfaktoren motivation

Sechs Gründe, warum deine Band immer noch kein Publikum zieht

Volle Bude oder nicht – einige Faktoren könnt ihr selbst bestimmen. © MKB

Ihr macht als Band alles richtig, lest alles zum Thema Organisation, Promo und Erfolg, überlasst nichts dem Zufall – und habt doch das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen? Wir zeigen euch, wo es klemmen könnte.

Selbst jungen Bands mit wenig Marketing-Budget stehen heute zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung, um die eigene Reichweite zu vergrößern, die Effizienz der Eigenwerbung zu messen und schlussendlich zu vergrößern – und trotzdem stellt sich oft genug kein spürbarer Erfolg ein. Als Band könnt ihr noch so viele Klicks, Views oder Follower generieren; wenn ihr keine Zuschauer in die Hütte bekommt, werden sich die Veranstalter und Booker nach ein paar enttäuschenden Konzerten oder mauem Medienfeedback fragen, ob sie aufs falsche Pferd gesetzt haben.

Wenn diese Situation bei deiner Band eintrifft, ist es verführerisch, alles auf die anderen zu schieben: der Booker, der seinen Job nicht ordentlich gemacht hat, der Veranstalter, der die Werbetrommel nicht genug gerührt hat oder die Kumpels, die doch nicht zum Konzert gekommen sind… Doch ist es irgendwann auch an der Zeit, euch zu fragen, ob ihr nicht vielleicht eine Mitschuld an eurer Situation tragt. 

1. Euer Live-Auftritt ist verbesserungswürdig

Der erste Punkt mag schmerzen, kann aber eine Erklärung sein, die man nicht sofort beiseite schieben sollte: Vielleicht seid ihr schlichtweg nicht auf einem gewissen Live-Niveau angekommen. Um Publikum zu ziehen, muss deine Band nicht nur außerordentlich gut sein, sondern auch über ihre aktuelle Leistung zu jeder Zeit sachlich reflektieren können. Vielleicht hakt es hier und da noch, vielleicht gibt es ein paar Stellen, bei denen ein paar Änderungen am Setup oder am Song Wunder wirken könnten.

Doch wie könnt ihr beurteilen, wie Zuschauer euch empfinden und was ihnen an eurer Performance fehlt? Ein guter Anfang ist das Filmen von "Generalproben" oder Konzerten – vielleicht sogar von beidem! Kannst du beim späteren Zuschauen hinter dem stehen, was ihr macht? Falls nicht, warum sollten das dann andere Leute tun?

Analysiert euren Auftritt und versucht, euren Sound und eure Bühnenpräsenz mit den Ohren und den Augen eures Publikums wahrzunehmen: Wie ist der Instrumentensound – einzeln und im Bandkontext? Funktionieren die Songs auch aus der Außenperspektive so, wie ihr sie euch vorgestellt habt, oder klingen einzelne Übergänge z.B. holprig? Schaut auch auf eure Bühnenpräsenz: Bietet ihr dem Publikum auch visuell eine gute Show? Wenn ihr euer Publikum nicht packt, wird dies nach dem ersten Konzert garantiert nicht nochmal vorbeikommen – egal, wie eingespielt ihr bis dahin seid! 

2. Ihr verlasst euch bei der Promotion auf andere

Keine Frage, ab einer gewissen Größe ist die Promotion nicht mehr allein eure Aufgabe. Bis zu dieser Schwelle müsst ihr aber selbst ranklotzen – gerade das ist für viele aufstrebende Bands nicht selbstverständlich. Diese erwarten, dass das Rühren der Werbetrommel in der Verantwortung des Veranstalters liegt.

Die Realität sieht jedoch oft anders aus: es ist schlichtweg unmöglich für einen Veranstalter, der unzählige Shows bucht, sich ausgerechnet für euch abzumühen. Hier liegt eine weitere Chance: Nehmt die Promo selbst in die Hand und beweist somit allen Parteien, dass es sich absolut lohnt, in euch zu investieren.

3. Ihr seid zu inaktiv

Wenn ihr wollt, dass das Publikum und die Blogs, Radiosender und andere Meinungsmacher wissen, dass es euch gibt, euch wohlgesonnen sind und so eure Reichweite vergrößern, schadet es nicht, wenn sie in der Social-Media-Flut ab und zu von euch hören.

Wie oft kommt es vor, dass Bands bloß ein kleines PR-Paket mit Bildern, Pressetext und Tracks zum Anhören schnüren, nur um festzustellen, dass niemand über sie redet? Wenn man genauer hinsieht, stellt man dann fest, dass sie nur ein paar Social Media-Beiträge verfasst haben, hier und da Bilder posten und sich ansonsten rar machen.

Das heißt, dass ihr als Band eine größere Rolle im gesamten Promo-Prozess spielen müsst, indem ihr aktiv und anderen auch außerhalb von Releases und Konzerten im Kopf bleibt. Schreibt Social-Media-Pläne, habt To-Do-Listen und verteilt die Aufgaben, damit solche Dinge nicht nur an den gleichen Personen hängenbleiben. Kurzum: Bleibt am Ball!

4. Ihr vernachlässigt das Netzwerken

Nicht jeder ist der geborene "Socialiser", der auf Konzerten oder Partys unterwegs ist und sich mit anderen Musikern, Bookern oder Veranstaltern bei ein paar Drinks austauscht. Nicht umsonst sagt man allerdings, dass so einige legendäre professionelle Freundschaften oder Geschäftsbeziehungen nur in einem solchen Ambiente entstehen konnten.

Auch an dieser Stelle ist eine Aufgabenverteilung sinnvoll: wenn eine Person in eurer Truppe sowieso immer auf Achse ist, dann kann sie diese Aufgabe gleich übernehmen. Gerade vor einer wichtigen Show kann der Besuch anderer Konzerte oder Szenebars eine gute Gelegenheit sein, Präsenz zu zeigen und unaufdringlich und subtil auf die bevorstehende Show aufmerksam zu machen. So gut Email und Telefon sind, ein persönliches Gespräch oder Kennenlernen ist durch nichts zu ersetzen.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass du es übertreiben und anderen mit deinem Anliegen auf die Nerven gehen sollst. Sei nicht "diese eine Person". Es geht nicht darum, Leute als Mittel zum Zweck zu sehen, sondern Kontakte aufzubauen, aus denen fruchtbare Geschäftsbeziehungen und Freundschaften werden können.

5. Konsequente Beratungsresistenz

Musikmachen ist erfüllend und schön, daran gibt es gar keinen Zweifel. Allerdings wird man nicht als Profi geboren und muss erst einmal einen ziemlichen Berg erklimmen, bis man es abseits von kommerziellem Erfolg auch sonst "geschafft hat".

Bis dahin gibt es Zeiten, in denen ihr Sachen hören werdet, die niemand gerne hören möchte – Ratschläge, Kritik, Verbesserungsvorschläge oder die Aussage, dass ihr absolut talentlos seid. Wenn die Kritik euch trifft, scheint es naheliegend, sie einfach in den Wind zu schlagen. Vielleicht geht diese gegen eure künstlerische Vision, vielleicht ist es einfach die harte Arbeit, die nicht umsonst gewesen sein soll. Vielleicht sind euch aber Kritik oder Ratschläge auch so unangenehm, dass ihr gewillt seid, lieber alles den Bach runtergehen zu lassen, statt darauf zu hören. 

Eine solche, destruktive Beratungsresistenz kann sich auch innerhalb einer Band einstellen. Wenn konstruktive Kritik der KollegInnen einfach ignoriert wird und potentielle Verbesserungen so im Keim ersticket werden, dürfte die Gesamtmotivation erheblich darunter leiden. Das dürfte dann der Anfang vom Ende eurer aktuellen Konstellation einläuten. Unzählige Bands zerbrechen in der ersten Zeit, weil niemand Kompromisse eingehen will – etwas, das für das gemeinsame Musizieren unabdingbar ist.

Es ist natürlich nicht schön, kritisiert zu werden. Aber seht konstruktive Kritik als Chance an, anstatt darüber zu sinnieren, warum alle euch fertigmachen wollen. Erfolgreiche Bands sind nicht ganz alleine so geworden. Sie wussten es, sich in einigen Belangen beraten zu lassen und hier und da Optimierungen vorzunehmen.

6. Ihr spielt einfach zu oft an den gleichen Orten

Stellt euch mal vor, eure Lieblingsband spielt jede Woche in der Heimatstadt. Ein paar Mal würdet ihr schon hingehen; spätestens nach ein oder zwei Abenden denkt ihr euch dann aber, alles schon gesehen zu haben. Das Besondere schwindet. Ihr als Besucher wollt unterhalten werden und neue Musik oder unbekannte Aspekte an bereits bekannten Songs kennenlernen. Wenn ein Konzerterlebnis aber nicht mehr ansatzweise einzigartig ist und damit irgendwie auch egal wird, dürfte die Band in der Gunst ihrer Fans erheblich sinken.

Genau diese Situation gilt auch für eure Band: Jede Truppe hat sicherlich ihre Crowd aus Fans, Freunden, Verwandten usw., doch werden sie jedes Mal vorbeikommen, wenn ihr zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit in der Stadt spielt? Wohl nicht.

Dass man ein Konzert in der Heimatstadt theoretisch jederzeit spielen kann, bedeutet nicht, dass man es auch muss – manchmal kann weniger mehr sein. Daher ist es ratsam, sich um Konzerte an etwas entfernter gelegenen Gefilden zu bemühen. Eine Welttournee muss es nicht gleich sein, aber vielleicht eine nahegelegene mit interessanten Venues, die zu euch passen könnten.

Fazit

Das angerissene Thema ist natürlich um einiges vielfältiger und auch komplexer, als hier dargestellt. Die vorangegangenen Gründe können nur einen Teil davon ansprechen. Warum eine subjektiv gesehen uninteressante Band nach ein paar Konzerten oder veröffentlichten Songs erheblichen Erfolg einfahren kann oder gar viral geht, ist häufig total unklar.

Bands, die viel Mühe, Zeit und Liebe in ein Projekt reinstecken und keinerlei Fortschritte sehen, laufen schnell Gefahr, frustriert das Handtuch zu werfen. Eine Professionalisierung kann euch helfen, aber letztlich auch nur das Fundament stützen – eine gute, aufeinander eingespielte Truppe, die gute Songs spielen und auch ohne Studiotricks oder aufwendige Postproduktion live vollends überzeugen können. Das Publikum kommt dann schon von alleine – oder fast.

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