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Kontakten, Netzwerken, Freundschaften pflegen

Wieso Vitamin B noch mein liebstes Marketingtool ist

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 14.09.2018

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Wieso Vitamin B noch mein liebstes Marketingtool ist

In der Musik- und Kunstbranche ist Vitamin B unabdingbar. © Konstantin Pelikh (123RF)

Persönliche Kontakte sind in jeder Branche wichtig. Auch in der Musik- und Kunstbranche ist Vitamin B unabdingbar. Nick Josten erläutert, was man fürs erfolgreiche Vernetzen beherzigen sollte.

Ich bin in der PR-Branche tätig und mein enger persönlicher Kontakt mit Kunden, Journalisten und anderen Contentpartnern schafft mir immer noch die meisten Aufträge ran. Diesen Artikel möchte ich deshalb dem gleichsam bewährten wie verschrienen "Vitamin B" widmen.

Mit neuen Vernetzungsmöglichkeiten wie Facebook etc. ist dies in den Augen mancher noch relevanter, für andere wiederum völlig obsolet geworden. Ich persönlich finde, dass Kontakte und Freundschaften in der Branche immer noch zu den besten Türöffnern gehören.

"Ich war mit Labelboss XY auf der Schule"

Kommen euch solche Sätze bekannt vor? Habt ihr auch schon mal eine Band regelrecht geneidet, weil ihr das Gefühl habt, sie seien nur durch glückliche Zufälle so weit gekommen? Ich jedenfalls schon!

Musiker, die sich unfreiwilligerweise von Anfang an mit anderen, später erfolgreichen Musikern oder Managern vernetzt haben, haben es tendenziell leichter. Ich kenne in der Tat aus persönlicher Erfahrung heraus Leute, deren halbe Grundschulklasse später Bands und Labels gegründet hat, weshalb sich gegenseitig gepusht wird wo es nur geht.

Ich gehörte leider nie dazu. Aber ich wollte in solche Kreise hineinkommen. Zunächst gar nicht aus wirtschaftlichem Interesse, sondern weil ich Gleichgesinnte suchte, die genauso leidenschaftlich Musik hören und produzieren wie ich.

Und so fing ich an mich zu vernetzen, indem ich mit allen möglichen Leuten geredet habe, die mir auf Konzerten untergekommen sind.

Nur den Sprechenden kann geholfen werden

Dieses alte Sprichwort gilt auch für unsere Branche. Wer kommuniziert, kommt weiter.

Du musst heutzutage schon wirklich verdammt gut sein und eine regelrechte Faszination auf die Leute ausüben, wenn du der schweigsame Typ in der Ecke bleiben und trotzdem ein erfolgreicher Musiker sein willst. Oder du brauchst einen, der für dich die Laberei übernimmt.

In meiner Band bin ich das. Während alle zum Backstage hüpfen, tausche ich mich mit Promotern, Bands, Technikern und dem Publikum aus.

Mundpropaganda ist immer noch ein starker Multiplikator!

In Zeiten von Facebook und Instagram und in Zeiten, in denen euch viele Musikratgeber zu professionellen Presskits raten, verwerfen viele das Konzept der Mundpropaganda und des Empfehlungs-Marketing. Das Teilen und Liken auf sozialen Medien ist aber im Grunde nichts anderes: "Check out my buddies new song!" und so weiter.

Jedoch: Trotz der vielen "Buddies", die man auf Facebook so pflegt, musste ich feststellen, dass die nachhaltigsten Kontakte jene sind, mit denen du wirklich regelmäßig interagierst, die du also auch mal triffst und mit denen du nette Konversationen hast.

Wer etwas will, muss freundlich sein!

Ein Freund hatte diesen Ratschlag für mich: "Don't ever quit and be nice to everyone". Mach immer weiter und bleib nett zu jedem.

Promoter, denen du ohne große Allüren begegnest, zu denen du nett bist, für die du dich auch ein Stück weit als Mensch interessierst und nicht als Mittel zum Zweck, laden dich jederzeit gerne wieder ein. Labels, bei denen du dich regelmäßig meldest, wissen deine Mühe eher zu schätzen als das Stellen der einen hoch formellen Anfrage. Im Booking lernst du nach und nach viele nette Leute kennen. Bleib selbst nett und du wirst nett behandelt.

Ich habe derzeit meine "Buddies" auf der ganzen Welt und mein Booking läuft eigentlich eher wie eine lange Konversation mit alten Freunden. Doch dazu musst du auch etwas tun!

Wahllos bei Facebook anschreiben? Das funktioniert immer weniger! Fahr auf Konzerte von Bands, die du cool findest, und die du auch nach dem Gig erreichen kannst, um dich vorzustellen. Interessiert dich ein Label, scheu dich nicht, um einen persönlichen Termin zu bitten. Schüttle Hände auf Konzerten – knüpfe die Kontakte wie ein normaler Mensch!

Tu vielleicht auch mal was für die anderen: offeriere Gegengigs, Vergünstigungen bei deinen Designs oder was immer du anbieten kannst. Wenn du nichts anbieten kannst, zeige den Leuten, dass du nebst deiner natürlich total genialen Musik auch einfach ein Mensch bist mit dem man gerne Zeit verbringt.

Hast du was anzubieten, kommen sie alle

Bist du selber Promoter, obendrein ein guter noch dazu, dann möchte tendenziell jeder in der Szene dein neuer Kontakt sein. Hast du es als Band zu etwas gebracht, kommen nach deinen Konzerten die Newcomer-Kids an und möchten gern von dir mit auf Tour genommen werden. Das ist sozusagen der Kreislauf des Lebens und auch verdammt richtig so.

Denk also daran und gib was zurück! Man wird es dir hoch anrechnen, wenn du deine Wurzeln kennst und Supporter der ersten Stunde, die du womöglich irgendwann überholst, weiterhin wie deine Freunde behandelst!

Wie du dich immer dichter vernetzt

Die größte Schwäche der persönlichen Vernetzung ist der D.I.Y.-Charakter – und da ist ab einer bestimmten Stufe halt Feierabend. Wenn du irgendwann nicht mehr nur durch Europas schönste Kellerkneipen touren willst, wird es Zeit, sich weiter zu vernetzen.

Auf deinem Weg wirst du immer jemanden treffen, der jemanden kennt, der dir einen Kontakt zu einem großen Fisch besorgen kann. Dann lauten deine Regeln: Nett bleiben, Selbstbewusstsein haben und am Ball bleiben!

"Große Fische" in der Musikbranche, die zum Beispiel große Konzertagenturen oder Plattenlabel leiten, kennen das Spiel viel länger als du. Sie sind nicht auf dich angewiesen. Wer allerdings nicht ganz hinterm Mond lebt, weiß auch, dass sich die Zeit nur vorwärts bewegt und muss deshalb offen für junge Talente bleiben. Nun solltest du nach Möglichkeit nicht mit deiner Proberaumdemo beim großen Plattenboss aufwarten. Aber nimm dir den ruhig als Ziel und taste dich heran. Hast du dir gute Shows, eine solide Fanbase, gute Verkäufe und vor allem erste Industriekontakte in Form von Indielabels usw. erarbeitet, wird es Zeit, deinen Kumpel anzurufen, der einen kennt, der einen kennt.

In der Regel, wenn deine Musik interessant ist, zu dem Label (wir bleiben einfach beim Beispiel Label) passt und deine Außenwirkung Potenzial aufweist, wird man auf dich aufmerksam. Wer sich 20k Follower auf sozialen Medien, internationale Tourneen und solide Sales und Streams, also alles selbst erarbeitet hat, der würde doch regelrecht explodieren auf dem Markt, wenn sich da auch noch ein Profi einschaltet. Klingt ganz logisch, oder? Ist auch so. Doch so weit ist es noch nicht:

Du musst genau herausfinden, wie du deinen Ansprechpartner ausfindig machst. Vielleicht wird er ja bei einer Show sein, auf die dich der Freund deines Freundes einladen kann. Dort kannst du dann deinen Charme auspacken und einen ersten Berührungspunkt herausarbeiten. Sei da auch ruhig kreativ.

Sei kein Schleimer und zeig ruhig mal Kante!

Was die meisten Gamechanger, zumindest in der Rockmusik, nicht sonderlich leiden können, sind Schleimer. Klar, auch in der alternativen Szene kommt es vor, dass dir Leute in deine Musik reinreden wollen, denen vor allem Verkäufe wichtig sind und die dich auch womöglich nur als Mittel zum Zweck sehen.

Ein Fähnchen im Winde ist allerdings sehr unauthentisch und vor allem unsympathisch! Natürlich bist du nervös und unsicher, aber lass' dir das nicht anmerken! Wenn man dir anmerken kann, dass du zu nervös bist, um mit jemand aus der Musikindustrie zu sprechen, dann kommt man auf den Gedanken, dass du und deine Musik eigentlich noch gar nicht gut genug für die Industrie seid.

Respekt und Vertrauen währt am längsten

Ob bei den ganz Großen oder den ganz Kleinen: die ergiebigsten und nachhaltigsten Kontakte sind die organischen, die auf Respekt und Vertrauen in der Kommunikation basieren.

Die Freundschaft und "Verbrüderung" mit Bands und Branchenkollegen macht mit am meisten Spaß in dieser Branche. Es ist ein Ellbogengeschäft – keine Frage. Und ich sage auch nicht, dass es nicht schon so manch ein Egoproll und Ausnutzer an die Spitze geschafft hat. Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung allerdings nur positives vom sogenannten "Vitamin B" berichten.

Wie lauten deine Erfahrungen? Schreibe es doch mal in die Kommentare!

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