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Besser positionieren, mehr auffallen

PR- und Marketing Strategien, die auch für deine Band gut sind

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 22.01.2019

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PR- und Marketing Strategien, die auch für deine Band gut sind

Einige Kniffe aus der Marketing-Trickkiste können auch deiner Band helfen, sich besser zu positionieren. © iStock

Einige Kniffe aus der Werbe- und Marketing-Trickkiste können auch deiner Band helfen, sich besser zu positionieren.

Als PR-Berater und Zuständiger im Content-Marketing habe ich viele Kniffe aufschnappen können, die mir später für meine eigene Band und die Bands, deren PR und Tourmanagement ich unterstütze, nützlich waren.

1. Umgebt euch mit einer Geschichte – oder mehreren

In der PR-Branche ist das Storytelling ein Schlüsselbegriff. Stories können für ein Unternehmen sehr vieles sein: die Geschichte des Unternehmens, dessen Vision oder Mission, oder sie erzählen die Geschichte eines bestimmten Produktes. Oder die Story hat gar nicht viel mit dem Unternehmen zu tun, holt aber ein Publikum ab, das sich später an die Marke erinnert.

Gute Beispiele sind die aktuelle Beck’s Kampagne mit der geheimnisvollen Tür oder der "World Record Free Fall" als Story für Red Bull. Deine Band kann diese Taktik auch für sich nutzen. Geschichten bleiben deinem Publikum im Gedächtnis, sie erzeugen Viralität und Interaktion, lösen Emotionen aus.

Überlege dir also zunächst, was deine Band besonders macht:

  • eine besondere politische Message?
  • eine sehr ungewöhnliche Bandhistorie?
  • eine tiefe Verwurzelung im Genre?

Nutzt diese Geschichten, die eure Musik und Texte oder die Mitglieder eurer Band erzählen können und stützt darauf eure Band als Marke.

Viele Bands haben es geschafft, eine beliebte Marke zu werden, bevor ihre Musik wirklich einen Stellenwert hatte. Ich denke zum Beispiel an Feine Sahne Fischfilet: ein starker Protagonist, eine eindeutige, teils polarisierende Aussage und das Visuelle stimmt auch. Ich habe zuerst von FSF gelesen, sie gesehen, ihre Logos und Stories auf sozialen Medien wahrgenommen, bevor ich überhaupt einen Song gehört habe. Trotzdem war ich neugierig auf diese Band.

2. Macht Pressearbeit

Als kleinere DIY-Band könnt ihr es euch wahrscheinlich nicht leisten, eine PR Agentur für eure Releases zu engagieren. Es gibt günstigere Varianten, beispielsweise Freelancer wie mich (*zwinker*), jedoch könnt ihr mit ein bisschen Fleißarbeit schon eure eigene Agentur sein, was euch zumindest am Anfang das ein oder andere Clipping (ein Eintrag in der Presse) einbringen kann:

  • Schreibt eine gute Presseinformation zu eurem Release, eurer Tour oder großen Neuigkeit. Die Pressemitteilung sollte fehlerfrei geschrieben sein und mit Logos und allen wichtigen Infos (Beantwortung der W-Fragen) versehen sein.
  • Presseinformationen sind kurz und mit der wichtigsten Info zuerst zu schreiben. Eine lange Bio interessiert Journalisten erst einmal weniger, sondern vielmehr, was eure Band und das zu rezensierende Stück Musik einzigartig macht.
  • Nutzt eine Email-Adresse, die bei einem Musikjournalisten nicht im Spam-Ordner landet. Am besten, ihr holt euch eine kostenlose Domain eines der größeren Anbieter und kreiert eure eigene Band-Mail.
  • Werdet euch über eure Zielgruppe klar. Eine Presse-Showcase-Konzert in eurer Heimatstadt ist für die Lokalpresse der Stadt und im Umland interessanter, als für allgemeine Musikmagazine. Ein Albumrelease sollte an so viele Musikmagazine, Blogs usw gehen, die Album-Reviews anbieten. Schaut dabei auch auf die jeweiligen Genres, die die Magazine bedienen.
  • Erstellt eine Liste aller für euch relevanten Medien. Journalisten und PR-Leute nutzen dafür gern Tools, die aber nicht umsonst sind. Wer zeit investieren, aber Geld sparen möchte, der muss sich eben die Finger wund googeln.
  • Schickt euer Album in CD-Form per Post und als Download per Mail. Die CD muss soundtechnisch das Endprodukt eures Albums sein, jedoch darf die Hülle schlichter ausfallen. Habt ihr zum Beispiel euer Album als Digipack rausgebracht, reicht eine schlichte Papierhülle mit dem Cover als Rezensionsexemplar. Fotos sollten dann deutlich machen, wie die Verkaufsversion aussieht.
  • Pflegt den Kontakt mit den Journalisten, die etwas Positives über euch geschrieben haben!

3. Habt gute Designs in allen relevanten Formaten

Seit immer auf dem neuesten Stand mit euren Logos und Fotos. Seid jederzeit bereit, diese in JPG, PNG und anderen Formaten loszuschicken. Generell sollte die Optik stimmen: der Mensch mag Dinge fürs Auge, selbst wenn es um Musik geht.

4. Lasst euch hochziehen

Kleine Unternehmen, die ihre Bekanntheit steigern wollen, betreiben häufig Affiliate-Marketing. Das heißt, das Unternehmen wirbt für sich selbst auf einer anderen Plattform und hat natürlich dafür bezahlt. Andere wiederum steigern ihre Bekanntheit durch Gastbeiträge in den Blogs anderer, größerer Unternehmen. Oder sie lassen Prominente für sich werben. Ihr als Band solltet auch möglichst davon profitieren, Kontakte zu Menschen mit höherer Reichweite zu haben.

Eine beliebte Strategie in der Wirtschaft ist aktuell ja das sogenannte Influencer Marketing. Es geht darum, Menschen mit hoher Reichweite auf sozialen Kanälen zu finden, die euch empfehlen. Dazu müssen sie auf euch aufmerksam werden und einen Anreiz haben, eure Band zu teilen oder zu erwähnen. Viele machen das mit eurem Merchandise oder eurer Platte, viele verlangen Geld. Wichtig ist, dass die Influencer eurer Zielgruppe entsprechen.

5. Keine Angst vor Ads

Dank der DSGVO ist das Marketingtool Facebook-Ads eine oft diskutierte Angelegenheit geworden. Trotzdem kann euch eine gut geschaltete Werbeanzeige viel bringen und das Betreiben einer Facebookseite und -Werbung ist auch noch DSGVO-konform, wenn man das Wesentliche dazu beachtet.

Ihr müsst dabei auch nicht hunderte von Euro in eure Promo pumpen. Wichtiger ist, dass ihr eure Zielgruppe eingrenzt. Wenn ihr eine Rockband seid und als Zielgruppeninteresse "Rock" eingebt, wird eine so gewaltige Masse angezeigt, dass eure Ads am Ende dann doch prozentual gesehen zu wenige von ihnen erreichen. Besser ist es, Interessengruppen und auch Standort zu ändern. Schaut als Metalband zum Beispiel, ob eure Ads bei Menschen zwischen 30 und 40, denen Metal und Wacken Open Air gefällt und die in Deutschland wohnen, besser ankommen als Menschen zwischen 20 und 30.

Facebook Business bietet euch allerhand Diagramme, um recht zügig festzustellen, wer eure Zielgruppe ist. Ich selbst war bei meinen Bands immer wieder überrascht, konnte so aber Inhalte liefern, die auch die Leute angesprochen haben, die tatsächlich meine Musik hören und kaufen möchten und nicht nur wahllos auf "Gefällt mir" klicken.

Es gibt auch Hürden. Einige der in diesem älteren Artikel angesprochenen sind bis heute relevant. Es ist gut, diese Problemstellungen im Hinterkopf zu haben.

6. Macht euch beliebt

Soziale Aktionen wie Spendenaufrufe sind ein guter Weg, um schnell geteilt zu werden. Messages, die viele Leute in eurer Zielgruppe bewegen, werden tendenziell häufiger geteilt. Auch hier sind vor allem Bands, die sich politisch positionieren, mit starken Statements und einem guten Video, das man gerne teilt, immer auf der A-Liste der Newsfeeds.

Das geht natürlich auch mit weniger schwergewichtigen Themen.

7. Seid auffindbar: SEO

Bespielt alle für eure Zielgruppe relevanten Kanäle.  Beispiel: Sind eure Hörer tendenziell älter, lohnen sich Website, Youtube und Facebook, Instagram aber weniger. Bei jüngeren Zielgruppen sind Instagram und sogar Snapchat derzeit die beste Wahl und Facebook sollte nebenherlaufen. Eure Videocontent wird dort dann häufiger angeschaut als auf Youtube. YT solltet ihr aber weiterhin nutzen, denn hier schauen Konzertveranstalter gerne rein.

Macht euch auch Gedanken über Suchmaschinenoptimierung. Auf eure Homepage (ein Medium, das die Grundlage eures Online-Marketings bilden kann) sollten externe Links verweisen und sie sollte genug Schlagworte enthalten, die eure Zielgruppe eingeben würde, um nach euch zu suchen.

Knifflig wird es, wenn ihr eure Band nach etwas benannt habt, das es schon gibt: eine Textzeile, ein Film, ein Buch. Dann solltet ihr erst recht über SEO (Search Engine Optimization) nachdenken! Dann sollten in den Landing Pages eurer Seite häufig genug Schlagworte vorkommen, die Menschen neben eurem Bandnamen googeln würden: Band, Rock, Musik oder sonstwas. Wenn ihr möchtet, dass eure Bandname gefunden wird, wenn Leute eigentlich nach dem beispielsweise Film, nachdem ihr benannt seid, suchen, so müsst ihr deren Schlagworte herausfinden.

8. Setzt auch auf Videocontent

Auf vielen Sozialen Medien werden Videos gepusht – die Plattformbetreiber wollen mit Youtube konkurrieren. Ein gutes Kurz(!)video schauen sich die Leute beim Scrollen durch den Feed tendenziell auch gerne an. Eventuell kommt auch ein Live-Stream für euch in Frage.

9. Erstellt sinnvolle Inhalte

Um präsent zu sein, solltet ihr generell interessante Inhalte mit Mehrwert für eure Fans und potenzielle neue Fans bereitstellen. Postet regelmäßig. Animiert eure Follower dazu, mit euren Beiträgen zu interagieren. Nichtssagende Posts (noch schlimmer ohne visuelle Stütze!) weder geliked noch kommentiert. Ein Algorithmus wie bei Facebook hält eure Seite dann ganz schnell für irrelevant. Damit dies nicht passiert, sollten eure Fans immer Bock auf eure Beiträge haben. Habt ihr eine Message an eure Fans, macht lieber ein kurzes Video. Habt ihr eine wichtigere Message, die ihr in Textform veröffentlichen wollt, dann macht eure Fans darauf aufmerksam, sorgfältig zu lesen. Regt sie zum Kommentieren und Teilen an.

Verzichtet jedoch auf "Markiere einen Freund" und dergleichen, da Facebook solche Click-Bait-Inhalte mittlerweile abstraft. Ebenso funktionieren externe Shares nicht mehr so gut, deshalb solltet ihr beispielsweise auch für eure Konzerte nochmal eigene Facebook-Events erstellen. Weitere Tipps, wie ihr Social Media nutzen könnt, um bekannter zu werden und den Kontakt zu euren Fans zu pflegen, findet ihr hier.

Mit welchen Maßnahmen habt ihr bisher gute Erfahrung gemacht? Teilt eure Tipps in den Kommentaren!

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