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An einem Strang ziehen

Ohne Zielsetzung kein Erfolg: Wie kommt ihr als Band auf einen Nenner?

Tipps für Musiker und Bands von David Timsit
veröffentlicht am 31.01.2018

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Ohne Zielsetzung kein Erfolg: Wie kommt ihr als Band auf einen Nenner?

Ohne Zielsetzung kein Erfolg: Wo wollt ihr als Band hin?. © freeflowshadow

In Bands finden häufig ganz unterschiedliche Persönlichkeiten zusammen. Umso wichtiger ist es, möglichst früh die eigenen Erwartungen zu kommunizieren, um aus den individuellen Zielen der Bandmitglieder ein gemeinsames Konzept zu stricken.

Habt ihr schon mal die befremdliche Situation erlebt, in einem Interview neben einem Mitmusiker zu sitzen und erst dort seine Vision des Bandkonzepts zu erfahren? Musikern unterstellt man in der Regel, dass sie den größtmöglichen Erfolg ihrer Band anstreben – solange sie nicht explizit etwas anderes behaupten.

Natürlich hat jede Band den Wunsch, ihre selbst gesteckten Ziele erfolgreich umzusetzen. Bei den individuellen Bandmitgliedern fallen solche Ziele jedoch oft sehr unterschiedlich aus. Und selbst wenn sie inhaltlich übereinstimmen, gibt es ganz erhebliche Unterschiede in der Bereitschaft Zeit, Geld und Mühen zu investieren. Ist man erst mal menschlich zusammengewachsen, fallen derlei Differenzen umso schwerwiegender ins Gewicht. Aus diesem Grund solltet ihr bereits ganz am Anfang einen gemeinsamen Fahrplan erarbeiten. Auch – bzw. gerade wenn – ihr keine großen Ambitionen hegt.

5 Archetypen und ihre persönlichen Ziele

Wichtig ist es dabei nicht vage zu bleiben (bspw.: „Viel live spielen“), sondern ganz spezifisch festzulegen, was euer übergeordnetes Ziel ist und wie ihr dieses im Detail erreichen möchtet. Beispielhaft stellen wir euch an dieser Stelle fünf häufig anzutreffende Archetypen mit ihrer jeweiligen Eigenmotivation vor, deren Bedürfnisse sich im Gesamtkonzept wiederfinden sollten, wenn ihr als Band funktionieren wollt:

1. Der kreative Kopf

In der Regel ist der kreative Motor einer Band auch derjenige, der die Zügel organisatorisch in der Hand hält. Musiker von diesem Schlag sind oft hoch ambitioniert und scheuen keine Extrameile, um sich Gehör zu verschaffen. Das Tempo, das diese Wirbelwinde an den Tag legen, kann manche Mitmusiker verunsichern. Vor allem wenn deren Rolle in dem Prozess nicht definiert ist und sie sich regelrecht mitgerissen fühlen. Der kreative Kopf muss deshalb besonders darauf achten, das Umfeld in wichtige Entscheidungen und Prozesse stets einzubinden.

2. Der Spezialist

Sich laufend zu verbessern, möglichst viel Erfahrung zu sammeln und Meister des eigenen Instruments zu werden, ist das Hauptziel eines Spezialisten. Er ist häufig in mehreren Bands gleichzeitig aktiv und fühlt sich in erster Linie seiner persönlichen Entwicklung verpflichtet. In einer guten Konstellation kann er hoch begeistert mit dem kreativen Kopf an einem Strang ziehen und das Niveau der Musik durch seinen engen Fokus auf Spieltechnik und Sound anheben.

Wenn ihm die Motivation abhanden kommt, ist er jedoch einer der ersten, der das sinkende Schiff verlässt und sich anderen Aufgaben zuwendet. Der Spezialist liebt neue Herausforderungen und Wachstum, bringt den Bandkopf aber auch gerne mal auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn dessen Ambitionen die Möglichkeiten zu übersteigen beginnen.

3. Der Kumpeltyp

Im Herzen ist der Kumpeltyp immer ein Fan geblieben. Er liebt die wöchentlichen Proben, die kleinen Gigs in muffigen Clubs, den Kontakt mit der Szene und gibt mindestens so viel Geld für Vinyl wie für sein eigenes Equipment aus. Menschlich tritt er oft als Vermittler in Erscheinung und macht jede Schandtat mit, so lange es mit dem Privatleben irgendwie noch vereinbar ist.

Skeptisch wird er allerdings, wenn andere Bandmitglieder anfangen mit zu viel Marketing-Sprech und verkopften Konzepten anzurücken. Authentizität ist ihm wichtig, und allzu unternehmerisch darf das Unterfangen auf ihn nicht wirken, sonst verliert er die Freude an der Sache und nimmt eine passiv-bremsende Haltung im Gesamtgefüge ein.

4. Der Profi-Musiker

Musik ist eine Dienstleistung – sowohl in seiner Funktion als Instrumentalist im Bandgefüge, als auch im Hinblick auf das zu unterhaltende Publikum, versteht sich der gewerblich orientierte Musiker als Hired Gun. Er besteht auf ordentliche Verträge, beherrscht verschiedene Stile und ist in der Regel sehr gut ausgebildet. Man findet ihn häufig in Top 40 Bands, als Tour-Musiker für renommierte Künstler und in Musikschulen als Dozent.

Für Newcomer-Projekte, die erst riskant aufgebaut werden müssen, ist er in der Regel nicht zu haben. Und sollte er sich doch mal auf ein unbezahltes Herzensprojekt einlassen, dann erwartet er von der Probesituation bis hin zur Terminplanung einen technisch und organisatorisch reibungslosen Ablauf, für den in der Regel der Kopf des Projektes zu sorgen hat. Es kann eine unheimliche Bereicherung sein, eine so erfahrene Person im Bandgefüge zu haben. Wer jedoch auf Risikobereitschaft und Abenteuer setzt, wird mit so einer Persönlichkeit zwangsläufig Konfliktsituationen erleben.

5. Der Entertainer

Entertainer sind oftmals sehr charismatische Erscheinungen, die mehr von ihrem natürlichen Talent zehren als von Disziplin und Expertise. Spontane, kommunikationsfreudige Naturen, die auf Anhieb eine Verbindung zu anderen Menschen herstellen können und mit großen Gesten oder ironischen Übertreibungen die Blicke auf sich ziehen. Unterhaltungskünstler sind süchtig nach Applaus und empfänden wenig Sinn darin zu performen, würde niemand dabei zusehen.

Im internen Kontext mögen sie ihre Schwierigkeiten damit haben, zuverlässig und berechenbar zu sein, dies gleichen sie dafür mit Enthusiasmus und Einsatzfreudigkeit wieder aus. Entertainer streben zwischenmenschlich Harmonie an und wollen vor allem auf die Bühne. Wer als organisatorischer Kopf einer Band mit den Unwägbarkeiten solcher Persönlichkeiten zurechtkommt, hat in der Regel einen treuen Gefährten an seiner Seite, der für sämtliche Spinnereien und Risiken zu haben ist.

Masterplan und individuelle Motive unter einen Hut bekommen

Wie ihr seht taugt die obligatorische gemeinsame „Welteroberung“ keineswegs als unausgesprochene Grundannahme bei der Bandgründung. Geht deshalb offen und ehrlich mit euren Motiven um. Oft sind es gerade die weniger ambitionierten Musiker, die sich aus Scham zurückhalten und erst später offenbaren, dass ihnen die Ansprüche anderer Bandmitglieder über den Kopf wachsen. Manchmal sind es jedoch auch die Bandleader, die insgeheim hoffen, eine weniger engagierte Person mitziehen zu können. Durch mangelnde Offenheit zu Beginn entstehen auf Dauer Konfliktherde, die am Ende das ganze Unterfangen gefährden.

Bei der Zielsetzung hat sich ein 3-Stufen-Vorgehen bewährt:

  1. Kurzfristige Zielsetzung: Hier geht es um die interne Organisation, Festlegung von Stil und Auftreten, Aufgabenverteilung, Onlinepräsenz und erste Gigs / Aufnahmen.
  2. 24-Monats-Plan: Das ist eure Band-Realität. Wie viele Gigs wollt ihr wo zu welchen Konditionen spielen? Mit welchen Künstlern euch assoziieren? Wie viel investieren? Was auf welche Weise veröffentlicht haben? Dieser Plan sollte sehr konkret und realistisch gehalten sein.
  3. Masterplan: An diesem Punkt dürft ihr den Gedanken freien Lauf lassen. Hier definiert ihr euer gemeinsames Wunschziel. Ob dieses nun lautet, eine lokale Größe in eurem Genre zu sein, die Band als lukrativen Nebenerwerb aufzubauen oder tatsächlich die großen Bühnen dieser Welt beackern zu wollen. Aber vergesst auch hier nicht Meilensteine festzulegen. Aus einem Wunsch kann nur ein Ziel werden, wenn ein Plan dahintersteckt.

In welcher dieser Rollen siehst du dich selbst? Was erwartest du von deinen Mitstreiter/innen?

Das Backstage PRO Team wünscht euch viel Erfolg auf dem Weg zu euren persönlichen Zielen!

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