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Neues Pendant zur Popakademie

Proberaum statt Vorlesungssaal: Mannheim hat jetzt eine Punkakademie

News von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 16.03.2026

liveszene geschlechtergerechtigkeit

Proberaum statt Vorlesungssaal: Mannheim hat jetzt eine Punkakademie

© Natalie Grebe

Seit November kann man in Mannheim nicht nur Popmusik studieren, sondern auch Teil der sogenannten Punkakademie werden. Auf Aufnahmeprüfungen, Noten und Leistungsdruck wird hier verzichtet. Stattdessen soll ein Raum zum Ausprobieren und gemeinsamen Lautwerden geschaffen werden.

Die Punkakademie wird in Zusammenarbeit mit dem von Beata Anna Schmutz geleiteten Stadtensemble des Mannheimer Nationaltheaters realisiert. Hinter Konzept und künstlerischer Leitung steht dabei die Berliner Musik-Theatergruppe glanz&krawall.

Dem Kollektiv um Regisseurin Marielle Sterra, Dramaturg Dennis Depta und Bühnen- und Kostümbildnerin Raissa Kankelfitz ist es ein Anliegen Theater aus dem institutionellen Raum heraus in den Stadtraum zu tragen und Projekte gemeinsam mit Profis und Laien, generationenübergreifend und kollektiv zu entwickeln. Mit der Punkakademie bringen sie diesen Ansatz nun auch nach Mannheim.

Niedrigschwelliger Zugang

Dabei soll ein Ort entstehen, der es FLINTA*-Personen ermöglicht, sich musikalisch zusammenzuschließen, Bühnenerfahrung zu sammeln und eigene Projekte zu entwickeln. Musikalische Vorkenntnisse spielen dabei keine Rolle, stattdessen gilt "learning by doing".

Das Stadtensemble stellt dafür Proberäume, Instrumente und technische Unterstützung durch Tontechnikerin Luise Peschko bereit, die Proben und Auftritte begleitet und ihr Know-How mit den Teilnehmenden teilt. Ergänzt wird das Ganze durch organisatorische Betreuung von Nike-Marie Steinbach.

Hinter dem Konzept steht die Idee einer bewussten Umverteilung kultureller Ressourcen von Hochkultur hin zu Gegenkultur. Auf diese Weise soll eine Infrastruktur mit niedrigschwelligem Zugang entstehen, in der sich die Teilnehmenden frei ausprobieren können.

Gemeinsam laut werden

Auf den ersten Blick wirkt die Kombination etwas paradox. Punk, die Subkultur, die sich gegen Institutionen und Leistungsdruck richtet, trifft auf eine Akademie, die normalerweise genau das verkörpert. Der Alltag der Punkakademie orientiert sich mit Ersti-Woche, Blockseminaren, Probephasen und Springbreak jedoch nur lose am Universitätsbetrieb, stattdessen hat sie ihren Namen in Anlehnung und Abgrenzung an die Mannheimer Popakademie erhalten.

Studieren darf hier jede. Aufnahmeprüfungen und Studiengebühren fallen nicht an. FLINTA*-Personen können sich für den Studiengang Punk einschreiben, alle anderen als solidarische Kommilitonen für den Studiengang K+ (Kabeln, Kochen, Care Arbeit).

Ziel ist es, Gruppen, die auf Bühnen noch immer unterrepräsentiert sind, den Zugang zu erleichtern und darin zu bestärken, eigene musikalische Räume einzunehmen. Gerade in Zeiten zunehmender rechter und konservativer Tendenzen knüpft die Punkakademie damit bewusst an die politische Tradition des Punk an.

Uni mal anders

Das Lernen funktioniert dabei vor allem gemeinschaftlich. Die Teilnehmenden teilen ihr Vorwissen miteinander und helfen sich gegenseitig dabei, sich an Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard zurechtzufinden. Einige greifen zum ersten Mal zu einem Instrument oder Mikrofon, andere haben bereits eine klassische Ausbildung oder Banderfahrung.

Eigenständige Proben werden dabei durch Workshops von glanz&krawall und “Gastdozierenden” direkt aus der Liveszene ergänzt. Zu diesen gehören Sängerin Luise “Lulu” Fuckface von der Berliner Band The toten Crackhuren im Kofferraum und Lulu & die Einhornfarm sowie die Drummerin Alexandra Eckert, die unter anderem mit der Band Das Lumpenpack auf der Bühne steht.

Sie geben den Studierenden unter anderem einen Schlagzeug-Crashkurs und viele praktische Tipps an die Hand. Was gehört auf einen Techrider? Wie bereitet man die eigene Stimme auf einen Auftritt vor? Wie geht man das Thema Lampenfieber, Awareness oder die Interaktion mit dem Publikum an?

Erste Feldversuche

Inzwischen können die Studierenden der Punkakademie bereits auf erste Auftritte im Mannheimer Blau, QZM sowie im neu eröffneten Contra'N zurückblicken. Insgesamt wurden dabei 16 eigene Songs in jeweils unterschiedlichen Konstellationen präsentiert, die sich zwischen Gesellschaftskritik, Alltagsbeobachtungen und Gefühlsverarbeitung bewegen. Mannheim selbst kommt dabei ebenfalls der ein oder andere Gastauftritt zu.

Auch wenn das offizielle Programm der Punkakademie im Juli mit einem Konzert am Mannheimer ALTER endet, soll sie ein wachsendes Projekt bleiben. Weitere Auftritte und die Gründung eines eigenen, unabhängigen Kollektivs durch die Teilnehmenden, das über die Spielzeit hinaus bestehen soll, befinden sich bereits in Planung.

Wer sich selbst ein Bild von der Punkakdemie machen möchte, hat dazu am 15. April beim 3 Tage Frei Festival in Stuttgart die nächste Gelegenheit.

© Anja Kroll

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