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"Am besten übt man im Schlaf"

Sieben Tipps zum effektiven Üben eines Instrumentes

Tipps für Musiker und Bands von Lukas Böhnlein
veröffentlicht am 09.11.2015

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Sieben Tipps zum effektiven Üben eines Instrumentes

Felix Wenz gibt Tipps. © Maria Siebenhaar

"Talent ist gut und hilfreich", sagt Felix Wenz. Doch der Musiklehrer weiß auch: "Wer weiter kommen will kommt am Üben nie vorbei". Wir besprachen mit dem ausgebildeten Chor- und Ensembleleiter, der in Regensburg E-Bass, Kontrabass, Gitarre, Klavier und Ukulele unterrichtet, wie Musiker möglichst effektiv üben und welche Fehler es dabei zu vermeiden gilt.

1. Finde deine ganz persönlichen Rahmenbedingungen heraus

Wie viel du üben solltest hängt ganz von dir ab:

  • Wie lange kannst du dich konzentrieren?
  • Wie viel Zeit hast du übrig?
  • Und vor allem: Welche Ziele verfolgst du mit deinem Instrument?

Mit viel Übung machst du Fortschritte, ganz nach dem Motto "Viel hilft viel". Damit du deine Zeit möglichst effektiv nutzen kannst, solltest du dir Gedanken darüber machen, was du erreichen möchtest. Daraus kann sich dann ergeben, was du z:B. an einem bestimmten Tag üben willst.

2. Übe regelmäßig

Unregelmäßig zu üben ist ein häufiger Fehler, der den Lernfortschritt bremst. Für ein effektives und zügiges Vorankommen ist es wichtig, regelmäßig zu üben.

"Das heißt, wenn ich nicht so viel Zeit habe, dann versuche ich mir jeden Tag wenigstens 10 Minuten Zeit zu nehmen, um meine Übungen zu machen", schlägt Wenz vor. Das sei viel effektiver, als einmal in der Woche 70 Minuten am Stück zu üben, was insgesamt der gleichen Menge an Übezeit pro Woche entspräche.

"Am besten übt man im Schlaf" meint Wenz. Er meint damit nicht, dass sich ein Instrument von alleine übt, sondern, dass sich Gelerntes durch regelmäßiges Üben über Nacht besser einprägt. Wer schnellere Fortschritte machen möchte und genügend Zeit hat kann natürlich auch täglich eine Stunde oder mehr üben. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn du trotzdem regelmäßig zum üben kommst.

3. Setze Schwerpunkte

Musik besteht aus verschiedenen Elementen und für die Beherrschung eines Instrumentes sind verschiedene Fähigkeiten erforderlich. Daher ist es wichtig diese Fähigkeiten, wie Rhythmus, Intonation oder musikalischer Ausdruck einzeln zu üben. Falls du in einem Bereich besondere Defizite hast, setze darauf deinen Schwerpunkt.

"Wenn jemand in allen Bereichen etwa auf einem Level ist, dann macht es schon Sinn, vielleicht ein paar Minuten eine Rhythmusübung zu machen, auf der Gitarre vielleicht ein Schlagmuster mit der rechten Hand. Dann vielleicht ein paar Minuten Noten lesen und dann Gehörbildung üben."

4. Plane kleinere Einheiten

Für das praktische Spielen am Instrument schlägt Wenz vor: "Da kann ich mir natürlich auch kleine Häppchen machen, also z.B. Tonleiterübungen oder Akkorde üben." Frage dich ruhig ab und zu, ob du gerade daran arbeitest, den Klang deines Instrumentes zu verbessern oder ob es dir gerade eher darum geht, die Harmonielehre besser zu verstehen.

"Es ergibt Sinn, nach einem kurzen Übungsabschnitt andere Areale im Gehirn anzusprechen. So dass man sich sagt: jetzt lasse ich das mal über Nacht setzen und widme mich dem nächsten Thema." Idealerweise werden also jeden Tag alle Aspekte der Musik in kurzen Zeitabschnitten geübt.

"Aber das ist jetzt ein sehr konstruierter Übeplan. Ähnlich wie im Fitnessstudio, da hat man auch so eine Einheit von einer Stunde und trainiert Muskel und Gegenmuskel etc." Diese Art zu üben muss aber nicht für jeden die beste sein. Wenn der Plan den Spaß am Üben verdirbt, ist er womöglich eher hinderlich für ein effektives Vorankommen auf dem Instrument.

5. Versuche nicht auf alles gleichzeitig zu achten

Wenn du ein neues Stück übst, dann teile dir das Stück auf. "Beispielsweise im Klavierunterricht fängt man in den ersten Jahren an, rechte und linke Hand einzeln ganz langsam zu üben. Erstmal soll man sich über die Tonhöhen und den Rhythmus klar werden. Und Step by Step wird das Spielen automatisiert," so Wenz.

"Dann muss ich irgendwann nicht mehr nachdenken, wie beim Autofahren." Trenne anfangs ruhig den Rhythmus von der Melodie und übe beides erst einmal für sich. Je besser du auf deinem Instrument wirst, je mehr Prozesse schon automatisch ablaufen, um so mehr kannst du schließlich auf einmal beachten.

6. Beginne langsam

Langsam üben ist sehr wichtig. "Ich habe dann mehr Zeit in dem Moment, mich auf musikalische Parameter zu konzentrieren." Und hast du dir erst einmal eine falsche Spielweise angeeignet und hat sich diese automatisiert, dann ist es um so schwieriger wieder umzulernen. "Tempo muss man sowieso nicht üben, das passiert von ganz alleine," meint Wenz.

Einer der größten Fehler ist seiner Meinung nach also folgerichtig zu schnell zu üben. Viele Schüler würden zu schnell zu viel erreichen und zu viel Information auf einmal verarbeiten wollen.

7. Bleibe motiviert

Übe auf ein Ziel hin. Wenn du ein Konzert oder ein Vorspiel in der Musikschule vor dir hast kann dich das zusätzlich motivieren, da du weißt, wofür du übst. "Deshalb gibt es an vielen Musikschulen solche Vortragsabende und das ist tatsächlich etwas, was ich empfehlen würde, dass man sich ein Ziel setzt." Auch ein Vorspiel vor der eigenen Familie kann schon motivierend sein.

Wenn du mit deinem Instrument unzufrieden bist, keine Motivation hast zu üben, lohnt es sich auch mal darüber nachzudenken, das Instrument zu wechseln. Gerade wenn die Entscheidung für dein Instrument nicht von dir kam, sondern von Eltern oder Musiklehrern beeinflusst wurde, kann es sein, dass ein anderes Instrument viel besser zu dir passt.

Durch neue Motivation machst du dann vielleicht viel schnellere Fortschritte. Laut Wenz ist es wichtig, sich mit seinem Instrument identifizieren zu können. "Viele Schüler lernen ein Instrument, mit dem sie nicht viel zu tun haben, um damit auf ein Anderes Instrument hinzuarbeiten. Und da sind wir dann beim Thema Motivation, denn der Schüler will ja eigentlich aus seinem Interesse heraus etwas ganz anderes lernen.

Deshalb ist es entscheidend ein Instrument zu wählen, was einem auch Spaß macht, auch im Moment." Nur bei sehr jungen Schülern sei es manchmal besser zunächst ein einfacheres Instrument zu lernen, welches schnellere Erfolgserlebnisse ermöglicht. "Für einen Fünfjährigen ist Gitarre zu lernen schon eine ziemlich große Herausforderung, auch mit einer kleinen Gitarre."

Euer Feedback

Übst du regelmäßig? Und wie übst du? Hast du noch andere Tipps zum effektiven Üben?

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Personen

Felix Wenz

Musiker und Musikschullehrer aus Regensburg

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