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Die Welt im Musikstrom

Soviel kann man (nicht) mit Spotify weltweit verdienen

News von Stefan Berndt
veröffentlicht am 18.04.2014

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Soviel kann man (nicht) mit Spotify weltweit verdienen

Weltweit streamen sie, doch was kommt dabei am Ende heraus? Spotify. © Spotify

Streamingdienste wie Spotify werden eine immer wichtigere Bezugsquelle für Musik. Ob zu Hause am Desktop oder unterwegs übers Smartphone - mittlerweile kann jeder auf nahezu alle veröffentlichten Songs zugreifen. Selbstverständlich weltweit. Aus Konsumentensicht ist das Streaming-Konzept klar kommuniziert: entweder man zahlt einen monatlichen Flat-Betrag oder nutzt den Service kostenlos mit Werbeunterbrechungen. Doch wie verhält es sich für die, die zum Inhalt der Dienste beitragen, nämlich die Künstler? Wir haben für euch die Streaming-Abrechnungen unserer Partner und Kunden einmal genauer betrachtet und festgestellt, dass im internationalen Vergleich ein Stream nicht immer gleich ein Stream ist.

Wieviel ein Künstler pro Wiedergabe seiner Musik bei einem Streaming-Anbieter bekommt, hängt von vielen Faktoren ab (die Wichtigsten hatten wir bereits 2012 in unserem Beitrag "Warum Streaming eine Chance und nicht das Hartz IV der Vergütungsmodelle ist" geschildert).

In Zeiten, in denen Spotify bereits in 56 Ländern weltweit vertreten ist, kommt aber noch ein weiterer Faktor hinzu: Wieviel verdient der Musiker eigentlich in der globalisierten Streamingwelt? Denn wer glaubt überall auf der Welt dieselben Beträge für seine gestreamte Musik zu bekommen, irrt sich gewaltig.

Einmal um die ganze Welt...

Der Digitalvertrieb, den wir hier auf Backstage PRO anbieten, liefert eure Songs nicht nur weltweit in alle wichtigen Downloadshops (wie iTunes, Amazon und Co.), sondern auch zu allen Streaming-Anbietern. Mit dabei auch Streamingriese Spotify.

Unser Angebot richtet sich vorwiegend an DIY-Künstler, also Musiker und Bands ohne Label, die den Vertrieb ihrer Musik selbst in die Hand nehmen. Von Metal über Rock bis hin zu Indie-Pop und Schlager ist bei uns fast jedes Genre vertreten. Durch diesen umfangreichen Katalog sind wir auch bei Spotify vergleichsweise gut vertreten und erhalten regelmäßig längere Abrechnungen.

Hier werden uns die Anzahl der Streams, die damit eingenommene Summe und einige weitere Infos mitgeteilt. So eine Abrechnung bekamen wir auch für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. September 2013. Damals war Spotify in 33 Ländern aktiv, unsere Abrechnung zählt Streamings aus 30 Ländern auf. Ein guter Schnitt, wie wir finden. In dieser Zeit wurden ca. 95.000 Streams mit folgender Verteilung wiedergegeben:

Soweit, so typisch. "Unsere" Künstler haben ihren Heimatmarkt in Deutschland und verkaufen daher hier auch mit Abstand die meisten Titel: Fast 78% der Einnahmen stammen aus der Bundesrepublik. Doch wo verdienten sie am meisten?

In Deutschland verdienten unsere Künstler also pro Wiedergabe eines Titels im Durchschnitt 0,0031 Euro. In Frankreich dagegen 0,0037 Euro und in Dänemark sogar 0,0069 Euro. Die Einnahmen in anderen Ländern sahen dagegen weniger gut aus: In Polen gab es beispielsweise im Durchschnitt nur 0,0015 Euro pro Wiedergabe, in Mexiko sogar nur magere 0,0013 Euro.

.. und in den Taschen ziemlich wenig Geld

Und was verdient man im Rest der Welt? Unsere Zahlen ergeben ein eindeutiges Bild, in welchen Streamingmärkten die Einnahmen besonders gering sind.

Das Schlusslicht hält hier Taiwan in der Hand, wo unseren Künstlern im Durchschnitt ganze 0,0007 Euro pro Wiedergabe gezahlt wurden. Dicht gefolgt von Argentinien, wo es 0,0008 Euro waren. Einschränkend muss man sagen, dass der Dienst dort in unserem Berechnungszeitraum (Juli bis September 2013) erst gestartet wurde und bei der nächsten Abrechnung etwas höhere Beträge anfallen werden.

Im Vergleich zu den höchsten Einnahmen sind diese Zahlen dennoch eher enttäuschend, wie die nächste Grafik zeigt:

Hier zeigt sich Luxemburg als "leuchtendes Vorbild" mit im Durchschnitt fast 0,008 Cent pro Wiedergabe eines Titels. Im Vergleich zu den Schlusslichtern wird der Unterschied noch deutlicher:

Kleine Unterschiede ganz groß

Auf den ersten Blick handelt es sich bei all dem um marginale Differenzen, da es lediglich um Bruchteile von Centbeträgen geht. In Deutschland verdient man pro Wiedergabe eines Titel bei Spotify im Durchschnitt ein Drittel eines Cents als Künstler. In anderen Ländern das Doppelte oder die Hälfte. Wo ist da der Unterschied?

Rechnet man dagegen aus, wie oft ein Song ungefähr in einem Land gespielt werden muss, um eine gewisse Summe zu erreichen, ergibt sich ein klareres Bild. So berechnete im letzten Jahr ein Blogger die heutigen Tonstudiokosten für die Aufnahmen von Nirvanas Erstling "Bleach" und kam auf magere 3.000 Dollar. Umgerechnet sind das derzeit knapp 2.200 Euro. Ziemlich wenig für ein gutes Tonstudio, aber die Jungs hatten damals auch einen sehr guten Deal gemacht.

Wie oft müssten Nirvana ihre frisch eingespielte Platte mit 13 Titeln heute bei Spotify laufen lassen, um allein auf ihre Tonstudio-Kosten zu kommen?

Während in Dänemark knapp 25.000 Wiedergaben eines Albums bei Spotify ausreichend sind, um im Durchschnitt die Kosten hereinzuholen, müssen sich die Fans in Mexiko etwas mehr anstrengen: Über 131.000 Wiedergaben sind notwendig, um auf die gleiche Summe von 2.200 Euro zu kommen.

Kannst du deine Musik noch bezahlen oder streamst du schon?

Durch die Zahlen schon schwindlig geworden? Es wird noch besser! Rechnen wir die mexikanischen 131.000 Alben-Streams auf Einzeltracks um, müssen Fans in Mexiko 1.703.000 mal Songs von Nirvanas "Bleach" hören, um das Album durch Streamingeinnahmen refinanzieren zu können.

Die "best performing artists" aus dem Digitalvertrieb von Backstage PRO, also die Künstler mit den meisten Streams pro Monat, kamen zwischen Juli und September 2013 auf ungefähr 1.000 Streams pro Monat. Das heißt, dass Fans ihre Songs weltweit etwa 1.000 mal wiedergegeben haben.

Rechnen wir diese Zahlen ganz unverschämt auf einzelne Länder um, ergibt sich ein gruseliges Bild. Denn theoretisch müssten unsere bekanntesten DIY-Künstler fast 142 Jahre warten, bis Streams aus Mexiko ihr Album refinanziert hätten. In Dänemark sind es bei gleicher Rate dagegen "nur" etwas mehr als 27 Jahre.

Aber auch, wenn wir realistischer rechnen, wird es nicht besser. Im Mittel liegen die Einnahmen pro Stream aller Länder in unserem Abrechnungszeitraum bei einem Betrag von ungefähr 0,004 Euro. Hochgerechnet auf unseren lieben DIY-Künstler mit 1.000 Streams im Monat vergehen auch hier fast 46 Jahre, bis die Kosten allein für das Tonstudio wieder reingekommen sind.

Seine Rente wäre damit also beinahe gesichert.

Streaming wird auf lange Sicht die Nummer 1 werden

Wie damit umgehen? Wie der Branchen-Dienstleister Nielsen meldete, sinkt seit einiger Zeit langsam aber sicher der Anteil "klassischer" Download-Käufe, während der Anteil der Streams am Gesamt-Musikmarkt rapide ansteigt.

Auch der Bundesverband Musikindustrie vermeldet in seinem Jahresbericht 2013 ein erhöhtes Interesse am Streaming: "Etwa jeder zehnte Deutsche hat schon einmal einen der 17 in Deutschland verfügbaren Audio-Streaming-Dienste genutzt".

Und in Deutschland befindet sich der Markt noch am Anfang. In Schweden beispielsweise nutzen bereits fast 50% der Internetnutzer Streaming, hingegen nur noch 7% den klassischen Download-Kauf. Ähnliche Zahlen kann man in den nächsten Jahren für den Rest der Welt erwarten: Streaming wird auf lange Sicht wohl die Nummer 1 im digitalen Musikkonsum werden. Als Musiker kommt man daran kaum noch vorbei.

Wo soll das fehlende Geld herkommen?

Dass Streaming natürlich nur ein Teil der Finanzierung von Musikern ausmacht, ist selbstverständlich. Durch die Entwicklung des Internets und digitalen Musikkonsums wird dieser Teil aber wachsen, da die Downloads in den nächsten Jahren wegbrechen werden.

Nur: Woher sollen die Gelder kommen, die die wegbrechenden Einnahmen ersetzen? Streaming kann, gerade weltweit, diese Summen ja scheinbar nicht aufbringen – jedenfalls nicht unter den aktuellen Bedingungen. Wie können Musiker also ihre Musik noch sinnvoll wenigstens refinanzieren (denn von Gewinnen schweigen wir lieber)?

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