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Nach verlorenem Warwick-Prozess

Statt Klagen: Gibson setzt in Zukunft stärker auf Zusammenarbeit innerhalb der Industrie

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 05.07.2019

gibson urheberrecht

Statt Klagen: Gibson setzt in Zukunft stärker auf Zusammenarbeit innerhalb der Industrie

Der neue Gibson-CEO James JC Curleigh. © PRNewsfoto/Gibson Brands, Inc.

In einem inzwischen gelöschten YouTube-Video drohte Gitarrenhersteller Gibson, in Zukunft vermehrt gegen Verletzungen des geistigen Eigentums des Herstellers vorzugehen. Doch seitdem scheint sich die Herangehensweise des Unternehmens geändert zu haben.

In dem YouTube-Vide "Play Fair" wendet Markenchef Mark Agnesi sich direkt gegen Konkurrenzunternehmen, die laut Einschätzung Gibsons Trademarks wie etwa die Les Paul- oder Flying V-Form unerlaubt übernommen haben. In Zukunft wolle man sich stärker gegen solche Imitationen wehren. 

Trotz der Häme, mit der das Netz auf das Video reagierte, machte Gibson seine Drohungen wahr: Die erste Klage richtete sich gegen die Gitarrenhersteller Dean und Luna, die u.a. Gibson-Trademarks wie die Korpusformen der Flying V, Explorer, ES und SG  unerlaubt verwendet haben sollen. 

Erklärung aus dem Hause Gibson

Mit einer neuen Erklärung rückt Gibson nun ab vom Konfrontationskurs. In dem Statement resümiert das Unternehmen, nach der Rückkehr aus der Insolvenz den Fokus auf Qualität, ein neues Sortiment und bessere Zusammenarbeit mit Händlern, Musikerinnen und Musikern gelegt zu haben.

Weiterhin konnte der Hersteller in den vergangenen acht Monaten zahlreiche Erfolge gegen Fälscher aus Übersee verbuchen können. Gibson konnte sich gegen über 4500 gefälschte Gitarren und dutzende Websites, die sich als offizielles Gibson-Outlet ausgeben, wehren. Laut Gibson gefährden solche Praktiken die Integrität des gesamten Gitarrenmarktes.

Der Gitarrenhersteller geht außerdem direkt auf die Kritik an der aggressiven Vorgehensweise gegen Dean und Luna ein. Gibson gibt zu, sich im Ton der "Play Authentic"-Kampagne vergriffen zu haben und kündigt an, in Zukunft statt auf den Rechtsweg stärker auf Kollaboration innerhalb der Industrie zu setzen. Zu Dean etwa suche man den Kontakt, um einem langwierigen Gerichtsprozess zu entgehen.

Außerdem stellt das Unternehmen klar, dass die Prozesse keinesfalls – wie oft gemutmaßt – auf den neuen CEO James JC Curleigh zurückzuführen seien, sondern der stärkere Einbezug des Rechtsweges schon unter Ex-Chef Henry Juszkiewicz begonnen habe.

Der eigentliche Grund?

Fraglich ist, ob einzig das negative Feedback der Community für den plötzlichen Kurswechsel Gibsons verantwortlich ist. So könnte auch die kurz nach dem Bekanntwerden der Klage gegen Dean bekannt gewordene Niederlage Gibsons im Prozess gegen Warwick eine Rolle gespielt haben. 

Gibson hatte gegen Warwick geklagt, da diese angeblich die geschützte "Flying V"-Form Gibsons unerlaubt kopiert hätten. Gibson hat nach eigener Aussage die Flying V-Form 1958 erfunden. 

Die zweite Kammer des Europäischen Gerichtshofes urteilte jedoch, dass die Gitarrenform heutzutage derart verbreitet ist, dass die Originalität nicht mehr alleine Gibson zugeschrieben werden könne. Die "maßgebliche Öffentlichkeit" sei derzeit mit zahlreichen Unternehmen konfrontiert, die Gitarren mit V-Form produzieren. Diese wiege stärker als die Originalität, die die Form vor 50 Jahren einmal gehabt haben könnte. 

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