Künstlerische Provokation
The Velvet Sundown: Die KI-Band reagiert auf die Kontroverse – und trollt Kritiker
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© The Velvet Sundown
In der letzten Zeit hat ein Name in der Musikbranche für besonders viel Gesprächsstoff gesorgt: The Velvet Sundown. Der Psychedelic-Rock-Band war es gelungen in nicht einmal einem Monat zwei Alben zu veröffentlichen und mehrere tausend Streams auf den Streamingdiensten zu generieren – und das ohne tatsächlich real zu existieren.
Bereits Anfang Juni haben wir über The Velvet Sundown berichtet. Damals gab es zwar einige sehr deutliche Hinweise auf einen KI-Hintergrund der Gruppe, die Band selbst machte dazu jedoch keine eigene Angaben.
KI-Verdacht bestätigt sich
Inzwischen hat sich der starke Verdacht jedoch bestätigt. Nicht nur sind verschiedene KI-Erkennungstools auf die Musik und den Internetauftritt der Gruppe angeschlagen, The Velvet Sundown haben sich auch selbst zu Wort gemeldet.
Unter dem Pseudonym Andrew Freelon meldete sich eine Spokesperson der Gruppe, die das Musikprojekt gegenüber dem Rolling Stone als "Art Hoax" beschrieb und zugab, dass KI tatsächlich an der Entstehung "einiger Songs" beteiligt gewesen sei.
Die Menschen-Maschinen
Auf Spotify findet sich inzwischen eine neue Band-Biografie. Der Text liest sich dabei stark wie ein Statement:
"The Velvet Sundown ist ein Projekt für synthetische Musik, das von menschlicher Kreativität geleitet und mit Hilfe künstlicher Intellienz komponiert, vertont und visualisiert wird.
Dies ist kein Trick – es ist ein Spiegel. Eine fortlaufende künstlerische Provokation, die die Grenzen von Autorschaft, Identität und die Zukunft der Musik im Zeitalter von KI in Frage stellt.
Alle Charaktere, Geschichten, Musik, Stimmen und Texte sind Originalkreationen, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, die die Rolle kreativer Instrumente einnimmt, erzeugt wurde.
Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Orten, Ereignissen oder Personen – lebenden oder verstorbenen – ist rein zufällig und unbeabsichtigt. Nicht ganz menschlich. Nicht ganz Maschine. The Velvet Sundown lebt irgendwo dazwischen."
Alles nur ein Akt künstlerischer Rebellion? Diesen Eindruck scheinen The Velvet Sundown vermitteln zu wollen. Neben ihrer eigenen Musik befindet sich inzwischen auch eine durch das Künstlerprofil kreierte Playlist auf ihrer Seite. Diese umfasst einige Rockklassiker der 60er und 70er Jahre und ist als "Classic Rock Music 60s & 70s - Greatest Psychedelic Rock Songs, Folk Rock, Protest Anthems" benannt.
Die Flut an neuen Inhalten hält an
Inzwischen haben The Velvet Sundown bei Spotify über 1,1 Millionen monatliche Hörer*innen erreicht. Zu der unter anderem von Stereogum aufgestellten Theorie, dass die zahlreichen Hörer zumindest zu Beginn durch das Wirken von Bots erzielt worden seien, haben sich The Velvet Sundown nicht geäußert.
Wer vorbeugen möchte, dass die Musik des Projekts auf Spotify nicht versehentlich in algorithmusgenerierten Playlists rutscht, kann auf dem The Velvet Sundown Profil durch einen Klick auf das Drei-Punkte-Symbol einstellen, dass die Streaming-Plattform "diese*n Künstler*in nicht spielen" soll. Denn obwohl der Countdown bis zum eigentlich am 14. Juli angekündigten dritten Album von The Velvet Sundown aktuell nicht mehr angezeigt wird, produziert das Projekt fleißig weiter.
Die KI arbeitet fleißig
Am 9. Juli 2025 erschien etwa mit "Reflections in the Glass Hour" eine neue Single. Auch das Instagramprofil wird ständig bespielt. Die offensichtlich KI-generierten Bilder zeigt die Gruppe beim Burgeressen, im Kino, beim Nachahmen bekannter Albumcovers der Beatles oder von Queen, beim Paddelausflug, beim Bowlen oder unterwegs auf einem Roadtrip.
Inzwischen scheinen die Verantwortlichen hinter The Velvet Sundown ihre "Fans" regelrecht zu trollen: Eines ihrer aktuellsten Bilder zeigt alle vier Bandmitglieder auf der Vorderbank eines Fahrzeugs mit ungewöhnlich mittig angebrachtem Lenkrad. Das Auto fährt nicht die Straße entlang sondern quer darüber, während die Band entspannt in die Selfiekamera lächelt.
Unter dem Post häufen sich inzwischen belustigte Kommentare wie "This has to be satire at this point" oder "Steering wheel in the middle of the are so they can all drive" oder "Can't wait to see you guys live".

© The Velvet Sundown
Universal Music gibt sich gelassen
Doch einige Kommentare weisen auch weiterhin auf die Problematik hin, die KI-Musik mit sich bringt. So postet ein Instagramnutzer eine Liste "tatsächlich echter Psychedelic Artists" und wird daraufhin zum Top-Kommentar.
Universal Music, das weltgrößte Label, gibt sich derweil gelassen. Auf dem laufenden AI for Good-Gipfel der UN soll Universals EVP und Chief Digital Officer Michael laut Digital Music News Nash während einer Podiumsdiskussion auf The Velvet Sundown zu sprechen gekommen sein. Er selbst bezeichnete die monatliche Hörer*innenzahl des KI-Projekts als einen Nebeneffekt "der ganzen Publicity".
Weiter soll er sich auf die Ergebnisse der Universal-Verbraucherforschung berufen haben, denen zufolge die Mehrheit der KI-empfänglichen Musikfans immer noch menschliche Kunstfertigkeit bevorzuge. Besorgniserregend wirkt aber, dass viele Menschen offensichtlich Schwierigkeiten haben, KI-Musik zu erkennen.
Alarm hinter den Kulissen?
Digital Music News führt jedoch auch die Möglichkeit auf, dass die UMG möglicherweise hinter den Kulissen "Alarm schlage" und erinnert daran, dass das Unternehmen einer der ausschlaggebenen Akteure bei der Einführung der 1000-Streams-Grenze bei Spotify gewesen sei – der Streamingfraud erschweren und "tatsächliche Künstler*innen" zugute kommen soll – in Wirklichkeit aber vor allem kleinen Indie-Künstler*innen und Labels schadet.
In einem weiteren Artikel merkt Digital Music News an, dass die Alben von The Velvet Sundown am 9. Juli 2025 vorübergehend nicht auf YouTube Music und Apple Music verfügbar gewesen seien. Dass der Countdown zum neuesten The Velvet Sundown Album nicht mehr angezeigt wird, könnte ebenfalls ein Zeichen dafür sein, dass die Streamingplattformen auf die Bedenken reagieren. Allerdings ist ebenfalls klar, dass The Velvet Sundown nur die Spitze des Eisbergs sind.
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