Entscheidender Moment
Jorja Smith Label FAMM fordert Tantiemen und klare KI-Regeln: Streit um viralen HAVEN.-Track "I Run" eskaliert
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Jorja Smith 2025. © Live Nation
Der Song "I Run" ging im Oktober auf TikTok viral und stand kurz davor, sowohl in Großbritannien als auch in den USA in die Charts einzusteigen, bevor er nach Beschwerden wegen Künstlerinnen-Imitation von den Streaming-Plattformen entfernt wurde.
Fragwürdiges Vorgehen
In einem ausführlichen Statement auf Instagram erklärt FAMM, Produzent Harrison Walker habe seine Vocals per KI so verfremdet, dass sie wie die von Jorja Smith klingen. Zudem sei Smith' Name ohne Genehmigung in Verbindung mit dem Track genutzt worden, was den Eindruck erweckt habe, die Sängerin sei an der Produktion beteiligt.
Laut FAMM wurde der Song zudem über vier verschiedene Distributoren veröffentlicht, offenbar um automatisierte Takedown-Verfahren zu umgehen.
Versuch der "Legitimierung" zurückgewiesen
Nachdem der Track große Reichweite erlangt hatte, sollen Vertreter von HAVEN. FAMM kontaktiert und angefragt haben, ob Smith an einem Remix teilnehmen wolle. Das Label lehnte ab: Man sei nicht bereit, den Song nachträglich "zu legitimieren", da die Öffentlichkeit bereits bewusst in die Irre geführt worden sei.
Walker und Co-Produzent Jacob Donaghue (Waypoint) räumen ein, das KI-Tool Suno genutzt zu haben. Sie betonen jedoch, bei der Erstellung lediglich nach "soulful vocal samples" gefragt zu haben – ohne direkten Bezug zu Smith.
Streamingdienste reagierten ebenfalls: Ein von FAMM zitierter Spotify-Sprecher verweist darauf, dass die Plattform künstlerische Imitation strikt untersagt. Die ursprüngliche Version von "I Run" wurde entfernt, ohne dass Auszahlungen erfolgt seien.
Neue Version veröffentlicht – Streit geht weiter
Mittlerweile ist "I Run" mit neu aufgenommenen Vocals der Sängerin Kaitlin Aragon erneut erschienen und kürzlich in die britischen Top 40 eingestiegen. FAMM sieht jedoch weiterhin eine Verletzung von Smiths Rechten – sowohl in der viralen Originalversion als auch im Re-Release.
Das Label kündigt an, rechtliche Schritte einzuleiten. Sollte sich bestätigen, dass KI auch bei der Erstellung von Text und Melodie genutzt wurde, wolle man mögliche Tantiemen anteilig an die Songwriter ausschütten, die zu Smiths Katalog beigetragen haben.
Debatte über KI im Musikgeschäft: FAMM fordert Regeln
In seinem Statement betont FAMM die grundsätzliche Bedeutung des Falls:
"Wir befinden uns in unerforschtem Terrain. KI ist überall und beeinflusst bereits, wie wir Musik konsumieren. Wir müssen darüber sprechen, was das für Kreative bedeutet."
Das Label fordert daher die Pflichtkennzeichnung von KI-generierter Musik, die Vergütung für Artists, deren Werke zum Training von KI-Modellen verwendet werden und gesetzliche Regeln, um die Ausnutzung kreativer Arbeit zu verhindern.
Der Fall "I Run" zeigt für FAMM exemplarisch, wie dringend die Musikbranche Regeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz benötigt:
"I Run scheint ein klarer Beleg dafür zu sein, dass wir alle aktiv werden müssen, bevor der Moment vollständig verloren ist."
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