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Wirtschaftliche Realität einer aufstrebenden Künstlerin

Viele Streams, wenig Geld: Mia Morgan legt Streaming-Einkommenssituation offen

News von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 09.12.2025

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Viele Streams, wenig Geld: Mia Morgan legt Streaming-Einkommenssituation offen

© Can Wagener

Wenn Streaming-Jahresrückblicke wieder Social Media fluten, wirkt alles nach Wachstum, Erfolg und Reichweite. Doch was bleibt davon finanziell übrig? Indie-Künstlerin Morgan nutzt den Moment der bunt aufbereiteten Zahlen, um einen Blick hinter die Kulissen zu offenbaren.

Pünktlich zur Veröffentlichung der Jahresrückblicke der Streamingdienste, meldet sich Mia Morgan in einem Instagrampost zu Wort. Nachdem die Künstlerin 2025 ihr neuestes Album "silber" veröffentlicht hat, freut sie sich darin über steigende Streaming-Zahlen und vermehrte Platzierungen unter den Top-Artists ihrer Hörer*innen. "Es ist wunderschön, zu wissen, dass meine Musik euch durch dieses Jahr begleitet hat", schreibt sie auf Instagram. 

Doch direkt im Anschluss lenkt sie den Fokus auf eine wirtschaftliche Realität, die auch bei scheinbar erfolgreichen Acts oft ernüchternd ausfällt. Statt einer Abhandlung über die mit Streaming verbundenen Ungerechtigkeiten in der Branche, richtet sie sich mit einem Appell an ihre Follower: Unterstützt Künstler*innen auf so vielfältige Art und Weise wie möglich, auch über die gängigen Plattformen hinaus. 

Unterstützung oft lebensnotwendig

Beispiele dafür, wie eine solche Unterstützung aussehen kann, liefert Morgan direkt mit. Der Besuch von Konzerten, das Sichern von Tickets im Vorverkauf, das Kaufen von Tonträgern und Merchandise, das Teilen und kommentieren von Beiträgen und das Weiterempfehlen von Künstler*innen an befreundete Personen.

Morgan betont, dass nicht nur kleine oder mittlere Acts auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sind:

"Auch große Stars, die ihr aufgrund hoher Präsenz für wohlhabend haltet", seien von Ticketverkäufen, Merch und Community-Aktivität abhängig.

Ihr Fazit fällt drastisch aus:

"Vertraut: Wer nicht für gestaffelte Ticketpreise Arenas ausverkauft, macht weder mit Streaming, noch durch Touring allein großartig Geld. Das coole, hedonistische Musikerdasein ist die romantisierte Verklärung einer bitteren Wahrheit: viele von uns leben am Existenzminimum."

4000 Euro für 13 Songs in 13 Monaten

Um die Dimensionen greifbar zu machen, teilt Morgan konkrete Zahlen zu ihrem Album "silber". 

"Die Streamingeinnahmen für alle 13 auf silber befindlichen Songs belaufen sich im Zeitraum Oktober 2024 bis November 2025 auf knapp 4000 Euro. [...] Über 13 Monate verteilt hingegen sind das jedoch jeweils nur an die 307 Euro. Unmöglich, davon zu leben."

Damit zeigt Mia Morgan deutlich, wie stark Musiker*innen von Einnahmen aus Merch-Verkäufen, GEMA und Live-Aktivitäten abhängig bleiben.

Zugleich macht sie auf ein zentrales strukturelles Problem aufmerksam: Unregelmäßige Einnahmen, die in guten Monaten zwar ein komfortables Leben erlauben, aber in schlechten schnell steuerliche und versicherungsbezogene Risiken erzeugen – und wenig Spielraum für Reinvestitionen lassen.

Förderung und Vorschüsse als Chance und Risiko

Morgan betont, dass an dieser Stelle zwar Förderprogramme helfen können, die meisten der Förderungen für unabhängige Künstler*innen jedoch Eigenanteile voraussetzen würden. Für Major-Artists würden noch einmal andere, aber auch nicht durchweg bessere Bedingungen gelten.

"Vorschüsse sind kein Geldgeschenk. Bis vorgestreckte Summen eingespielt sind, werfen so finanzierte Produkte kein Geld ab. Wenn durch Streaming kaum etwas hinzukommt, bleibt also nur das überteuerte Shirt als Erwerbssicherung."

Community als Geschäftsgrundlage

Trotz der kritischen Analyse zeigt sich Morgan jedoch auch dankbar. Für ihr Team, aber auch ihre Fans. In diesem Zusammenhang kehrt sie noch einmal auf ihr anfängliches Appell zurück:

"Ich kann weitermachen, WEIL so viele von EUCH besagtes Mantra verinnerlicht haben und mich kontinuierlich auf allen Wegen unterstützen [..] Ohne Morgang keine Mia – ohne euch kein Ich."

Ihr Beitrag reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Musiker*innen, die öffentlich über die Herausforderungen der Streaminglandschaft sprechen – wie etwa Stella Sommer von Die Heiterkeit oder Malte Huck.

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