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Streaming, Touren und die Wertschätzung von Musik

Im Streaming-Zeitalter: Die Heiterkeit formulieren Neujahrsvorsätze für Musikfans

News von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 08.01.2026

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Im Streaming-Zeitalter: Die Heiterkeit formulieren Neujahrsvorsätze für Musikfans

Stella Sommer von Die Heiterkeit. © Miguel Martín Betancor

Streaming-Einnahmen sind mau, Touren werden teurer. Die Gewerkschaft UMAW und die Hamburger Band Die Heiterkeit resümieren zum Jahreswechsel über die prekäre Lage vieler Musikschaffender. Letztere liefern direkt ein paar Neujahrsvorsätze, mit denen Fans ihre Lieblingsacts konkret unterstützen können.

"Vielleicht gibt es irgendwas, für das 2025 gut war. Es war auf jeden Fall kein gutes Jahr, um Musik zu veröffentlichen." Mit diesen Worten meldet sich die Hamburger Band Die Heiterkeit in einem Instagram-Post zu Wort.

Stella Sommer, Sängerin und Songwriterin der Band, beschreibt darin die derzeit schwierige Lage für unabhängige Musiker*innen. Streaming zahlt kaum noch nennenswerte Beträge, physische Verkäufe sind zurückgegangen und Touring, die aktuell wohl wichtigste Einnahmequelle für viele Bands, ist durch gestiegene Kosten kaum noch finanzierbar.

Im aktuellen Post machen Die Heiterkeit deutlich, dass diese wirtschaftlichen Probleme längst nicht mehr nur den musikalischen Nachwuchs betreffen. Gestiegene Kosten für Busmieten, Backline-Transport, Unterkünfte und Personal führen dazu, dass viele Bands ihre Tourneen kaum noch kostendeckend realisieren können. 

Gefühlte Entwertung von Musik

Hinzu komme ein Gefühl der Entwertung von Musik. "Es scheint, als würde Musik den Leuten einfach nicht mehr so viel bedeuten, solange es nicht um Großevents geht", heißt es in dem Beitrag.

Dieses Gefühl der Entwertung hatte bei Die Heiterkeit bereits 2024 zur bewussten Entscheidung geführt, das Album "Schwarze Magie" nicht vollständig auf Streaming-Plattformen zu veröffentlichen. 

"Leider bzw. glücklicherweise handelt es sich bei Musik nämlich nicht um 'Content', dessen Erschaffung 'close to zero' kostet", erklärte Sängerin Stella Sommer damals und verwies damit auf eine Aussage von Spotify-CEO Daniel Ek.

Auch die UMAW betont systemisches Problem

Auch die UMAW (Union of Musicians and Allied Workers) nutzt den Jahresumbruch, um ähnlich wie Die Heiterkeit auf die Entwicklungen hinzuweisen. In einer grafischen Gegenüberstellung zeigt die Organisation, wie sich das Leben von Musiker*innen verändert, je nachdem, ob Streaming "nichts zahlt" oder ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht.

In der ersten Grafik ("streaming pays nothing") wird sichtbar, was viele Bands und Soloacts derzeit erleben. Streaming-Einnahmen reichen nicht aus, also bleibt nur Touring, um Reichweite zu erzeugen und Merch zu verkaufen. Doch hohe Vorabkosten für Merch, niedrige oder nicht existierende Garantien, Abgaben an Booking-Agenturen und Manager*innen sowie zusätzliche Venue-Merch-Cuts lassen die Einnahmen weiter schrumpfen. 

Gleichzeitig steigen Kosten für Benzin, Unterkünfte und Personal und das oft so stark, dasss Bands Verluste machen oder ihre Crew nicht fair bezahlen können. Schlafplätze auf den Böden von Bekannten ersetzen Hotels, gesundheitliche Absicherung fehlt, psychischer Druck steigt.

Was möglich wäre, wenn Streaming fair bezahlen würde

Die zweite UMAW-Grafik entwirft dagegen ein alternatives Szenario ("streaming pays a living wage"). Wenn Musiker*innen durch Streaming ein existenzsicherndes Einkommen erzielen könnten, würde sich die gesamte Kette verändern.

Künstler*innen hätten mehr Freiheit, sich gegen ungünstige Labeldeals zu entscheiden, könnten Mitbeteiligte fair bezahlen und Touren planen, ohne permanent am finanziellen Abgrund zu stehen. Hotels statt Couchsurfing, gesunde Mahlzeiten statt Improvisation und bessere Bedingungen für mentale und körperliche Gesundheit wären keine Ausnahme, sondern Teil eines nachhaltigen Arbeitsalltags. 

Touring würde in diesem Szenario wieder das sein, was es ursprünglich sein sollte: Eine Möglichkeit Menschen zu erreichen und nicht der letzte Versuch, ein strukturelles Einnahmeloch zu stopfen. Vor allem aber würde Musikmachen nicht länger nur denen offenstehen, die bereits über finanzielle Rücklagen verfügen.

Zwischen Idealismus und Realität

Die Gegenüberstellung von Die Heiterkeit und UMAW macht deutlich, dass das Problem nicht im fehlenden Willen der Musiker*innen, sondern in den Rahmenbedingungen liegt.

Dass diese Schieflage real ist, zeigen auch andere Stimmen aus der Szene. Malte Huck (Beachpeople) und Mia Morgan etwa machten öffentlich, dass ihnen ihre auf den ersten Blick erfolgreich gestreamten Alben nur wenige Tausend Euro einbrachten und damit zu wenig um den Lebensunterhalt auch nur nahezu zu sichern.

Was Musik-Fans konkret tun können

Vor diesem Hintergrund formulieren Die Heiterkeit in ihrem aktuellen Post bewusst ein Appell, bzw. mögliche Neujahrsvorsätze für Musikfans. Sie rufen dazu auf, kleinere Konzerte zu besuchen, Platten und Merch zu kaufen und Musik weiterzuempfehlen, die einem etwas bedeutet. 

Zwar sind das scheinbar einfache Schritte, doch können sie direkte Wirkung entfalten. Denn solange Streaming für viele Künstler*innen kein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht, bleibt Unterstützung und Wertschätzung abseits der Plattformen ein entscheidender Faktor dafür, ob Musik weiter entstehen kann.

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