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Besondere Maßnahmen

Geringe Vergütung, unsichere Zukunft: Die Heiterkeit kritisieren Streaming-Entwertung durch Spotify

News von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 07.03.2025

streaming musikbusiness

Geringe Vergütung, unsichere Zukunft: Die Heiterkeit kritisieren Streaming-Entwertung durch Spotify

Stella Sommer von Die Heiterkeit. © Miguel Martín Betancor

Musik ist mehr als nur digitaler Content - doch Streaming-Plattformen wie Spotify scheinen sie zunehmend so zu behandeln. Stella Sommer von der Hamburger Band Die Heiterkeit wehrt sich mit einer besonderen Maßnahme gegen geringe Streaming-Einnahmen.

Am 21. März erscheint mit "Schwarze Magie" das neueste Album der Hamburger Band Die Heiterkeit – mit einer Besonderheit: Auf den Streaming-Plattformen wird die Veröffentlichung vorerst nicht in ihrem gesamten Umfang veröffentlicht werden. 

"Leider bzw. glücklicherweise handelt es sich bei Musik nämlich nicht um "content" dessen Erschaffung "close to zero" kostet, daher können wir es uns nicht leisten, sie so zu behandeln", hatte die Gruppe im Dezember 2024 via Instagram bekannt gegeben und sich dabei auf einen Kommentar des Spotify-CEOs Daniel Ek bezogen.

Dieser hatte im Mai 2024 auf X über die Art und Weise sinniert, in der heutzutage Kunst "produziert" wird und sich dabei einen Shitstorm seitens Künstlerinnen und Künstler eingeheimst.

Fehlende Wertschätzung seitens Spotify und Co.

"Heutzutage, wo die Kosten für die Erstellung von Content gegen Null gehen, können die Leute eine unglaubliche Menge an Inhalten teilen", hatte es unter anderem in Eks Beitrag gehießen. Daraufhin hatte der CEO darüber nachgedacht, was langlebigen von kurzlebigen Inhalten unterscheide. 

Dass Spotify durchaus eine nicht unbedeutende Rolle darin spielt, dass Künstler*innen versuchen möglichst günstig, möglichst viel Musik zu schaffen, schien Ek dabei nicht in den Sinn gekommen zu sein. Große Streaming-Plattformen wie Spotify und Co. tragen immerhin aktiv dazu bei, dass Künstler*innen heute deutlich weniger Einnahmen durch "recorded music" generieren können als früher. 

Inzwischen hat Stella Sommer, Sängerin und Songwriterin von Die Heiterkeit einen weiteren Instagrampost veröffentlicht, in dem sie die fehlende Wertschätzung beschreibt, die man aktuell häufig als Musiker*in erfährt:

"Momentan fühlt es sich an, als würde man neue Songs beim Veröffentlichen in einen digitalen Abgrund hineinwerfen und das einzige, was man hört ist der dumpfe Aufprall, wenn das Lied auf den Boden aufschlägt. Das ist auf Dauer demoralisierend und hat sicher etwas damit zu tun, dass es auf der Welt gerade genug andere Probleme gibt, das Musik generell durch eine große Streamingplattform entwertet wurde (Hallo, Spotify), als Thema marginalisiert ist und dazu Meta noch die Reichweite einschränkt, sobald es um neue Musik geht."

Unsichere Zukunftsperspektiven

Wie Diffus berichtet, hat sich auch Malte Huck etwa zeitgleich zu Stella Sommer kritisch zu den aktuellen Streaming-Bedingungen geäußert. Huck, der als Bassist der Kölner Band AnnenMayKantereit bekannt geworden ist, ist inzwischen mit eigenem Solo-Projekt unter dem Namen BEACHPEOPLE unterwegs. Am 21. Februar 2025 veröffentlichte er sein erstes Album "has-been". Diesen Titel trägt das Album laut einer Instagram-Story des Musikers nicht ohne Grund. In dieser schrieb Huck:

"Mein Album heißt nicht ohne Grund "has-been", denn wenn es so weiter geht, werden mein Projekt und viele andere genau das bald sein."

Bald gehe Huck auf Europa-Tour. Gelinge es ihm diese auszuverkaufen, käme er am Ende "bei Null raus". Stand jetzt mache er jedoch noch einen größeren vierstelligen Verlust. Auf Spotify habe er gerade ca. 170.000 monatliche Hörer*innen. Im letzten Jahr hätte er auf diesem Wege ca. 4,5 Millionen Streams generiert. Weiter heißt es:

"Dadurch kommen (ganz grob) 6.000 Euro bei mir an, also 500 Euro im Monat (vor Steuern). Mein Album hat bis jetzt allein in der Produktion mehr als das 4-fache gekostet und es sind noch nicht alle Rechnungen bezahlt."

Mit diesem Statement verdeutlicht Huck eindrücklich, dass Eks Behauptung, die Kosten für die Erstellung von "content" gingen gegen Null unzutreffend ist und Künstler*innen sehr wohl Zeit und Geld investieren müssen, um ihre Projekte zu verwirklichen. Wenn sie damit keine Einnahmen erzielen, droht ihrer Karriere das Aus.

Spotify macht es schlimmer

Am 1. April 2025 sind zudem Änderungen an dem Auszahlungsmodell von Spotify in Kraft getreten, die bestimmen, dass Songs seitdem mindestens 1000 Streams von 50 unterschiedlichen Usern erhalten müssen, um überhaupt vergütet zu werden.

Diese Änderung sollen laut Spotify dem Streamingbetrug entgegenwirken, hatte aber für viel Kritik gesorgt – unter anderem seitens des Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) und dem Verband PRO MUSIK. Ihnen nach würden die Änderungen gerade kleinere Acts, musikalischer Nachwuchs und Nischengenres benachteiligen, so dass die musikalische Vielfalt auf der Plattform leiden könnte. 

In diesem Zusammenhang hatte sich auch ein ehemaliger Bandkollege von Huck zu Wort gemeldet. Christopher Annen, Gitarrist bei AnnenMayKantereit und Vorstandsvorsitzender bei PRO Musik gab nämlich zu bedenken, dass Artists häufig mehrere Songs veröffentlicht haben, die den Wert von 1000 Streams nicht erreichen. Summiere man die durch diese generierten Streams, fehle einigen Artists im Widerspruch zu Aussagen von Spotify doch ein nennenswerter Beitrag pro Jahr.

So können Fans helfen

Auch wenn geringe Streaming-Vergütungen und eingeschränkte Reichweiten durch Social Media strukturelle Probleme sind, hält Sommer abschließend eine Fünf-Punkte-Liste parat, an der sich Musikfans orientieren können, wenn sie ihre Lieblingskünstler*innen unterstützen möchten. 

Besonders hilfreich sei es, wenn Fans Konzerte besuchen, Platten oder/und Merch kaufen, den Newsletter ihrer Lieblingskünstler*innen abonnieren (via E-Mail können so mögliche negative Auswirkungen von algorithmusbasierten Plattformen umgangen werden), ihren Freund*innen von Konzertterminen und neuen Veröffentlichungen erzählen und auf Musik reagieren, wenn diese ihnen etwas bedeutet.

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