Rekordzahlungen, KI und neue Tools
Spotify-Musikchef Charlie Hellman über die Lage der Streaming-Industrie
© Pew Nguyen
Laut Hellman hat Spotify im Jahr 2025 mehr als 11 Milliarden US-Dollar an Tantiemen an die Musikindustrie ausgezahlt – einen Zuwachs von über 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf und sei laut Hellman "der größte jährliche Betrag, den jemals ein Händler an Musikschaffende gezahlt hat".
Sonderlich überraschend ist dieser Umstand jedoch nicht, wenn man berücksichtigt, dass Spotify – wie Hellman ebenfalls in seinem Schreiben betont – mittlerweile etwa 30 Prozent der weltweiten Einnahmen der Musikindustrie im Bereich Recorded Music ausmacht.
Parallel zu der wachsenden Menge an Personen, die inzwischen monatlich Geld für Streaming ausgeben, hat Spotify auch seine Preise erhöht. Inzwischen zahle das Unternehmen fast 70 Prozent seiner Einnahmen an die Branche aus. Das restliche Drittel beschreibt Hellman als "Treibstoff" für die Plattform, der direkt in die Plattform reinvestiert werde.
Ergreift Spotify endlich Maßnahmen gegen KI-Musik?
In den letzten Monaten fällt Spoitfy durch algorithmisch empfohlene vollständig KI-generierte Tracks negativ auf. Dieses Problem spricht Hellman nicht an, aber er kündigt Maßnahmen gegen gewisse Arten von KI-Inhalten an:
"KI wird von böswilligen Akteuren ausgenutzt, um Streaming-Dienste mit minderwertigen Inhalten zu überschwemmen, das System zu manipulieren und zu versuchen, Lizenzgebühren von authentischen Künstlern abzuzweigen. Deshalb werden wir Änderungen an den Systemen zur Künstlerverifizierung, zur Angabe von Song-Credits und zum Schutz der Identität von Künstlern vornehmen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Hörer und Rechteinhaber darauf vertrauen können, wer die Musik, die sie hören, geschaffen hat."
Reaktion auf Debatten über Streaming-Einnahmen
Hellman geht in seinem Blogeintrag auch auf die anhaltende Kritik an Auszahlungsmodelle von Streamingdiensten ein. Seiner Meinung nach würden die abstrakt anmutenden Zahlen in der Debatte oft missverstanden, obwohl sie reale Veränderungen widerspiegeln.
"Große, branchenweite Zahlen können abstrakt wirken, aber dieses Wachstum zeigt sich auf greifbare Weise. Beispielsweise gibt es heute mehr Artists, die allein mit Spotify über 100.000 Dollar pro Jahr verdienen, als zum Höhepunkt der CD in den Regalen der Plattenläden zu finden waren.
Das ist die echte Veränderung und der außergewöhnliche Fortschritt, den diese Zahlen darstellen. Trotz der grassierenden Fehlinformationen darüber, wie Streaming heute funktioniert, ist die Realität, dass dies eine Ära ist, die voller Erfolgsgeschichten und Versprechen ist wie keine andere zuvor in der Geschichte."
Erfolgsgeschichten und Schattenseiten
Völlig entkräftet wird die Debatte durch dieses Argument jedoch nicht, schließlich zahlt Spotify Tantiemen an Rechteinhaber aus, die von diesen an die Künstler entsprechend ihrer individuellen Verträge weiterverteilt werden. Die für Indie-Künstler und Labels besonders nachteilige 1.000 Stream-Grenze erfährt zudem keine Erwähnung.
Auch das Grundproblem des Pro-Rata-Systems, nach dem Künstlerinnen und Künstler Tantiemen abhängig von ihrem Anteil am Gesamt-Streaming-Aufkommen erhalten, was zu Verzerrungen führt, wird durch das allgemeine Streaming-Wachstum nicht berührt.
Pläne für 2026: Mehr Sichtbarkeit, Tools und Fan-Bindung
Hellman schreibt außerdem von neuen Funktionen, die Spotify 2026 einführen wird. Unter anderem sollen Künstler*innen und Künstlern mehr Möglichkeiten erhalten, mit ihren Fans in Kontakt zu treten und ihre Musik sichtbarer zu machen. Das soll etwa durch zusätzliche Inhalte wie Videos und Hintergrundgeschichten und erweiterte Songcredits geschehen.
Hellman betont, dass Spotify sich darauf konzentriere, die Plattform nicht nur als Streaming-App, sondern als Werkzeug für Karriereaufbau, Fanbindung und nachhaltige Monetarisierung zu gestalten. Die Rekordauszahlungen und das Engagement für neue Tools seien Ausdruck dieser Verantwortung gegenüber Musikschaffenden weltweit.
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