Einblicke aus Südosteuropa
Studie: Spotify-1.000-Stream-Regel belastet Künstler und Labels deutlich
© Cottonbro Studio
Die im Zeitraum vom 10. Oktober bis 5. November erhobene Studie "Impact Analysis of Spotify’s 1,000-Stream Policy on Artist Revenue in South East Europe" wertet 71 Antworten von Künstlern und Labels aus Südosteuropa aus und wurde von ANMIP, der Vereinigung unabhängiger bulgarischer Musikverlage und Produzenten vorgestellt.
Zentrales Ergebnis der Studie: Die im vergangenen Jahr eingeführte 1.000-Stream-Schwelle für Auszahlungen hat spürbare negative Auswirkungen auf die Einnahmen eines Großteils der befragten Labels und Künstler.
Rückläufige Streaming-Erlöse
65 Prozent der Teilnehmenden berichten von einem signifikanten Rückgang ihrer Streaming-Erlöse. Besonders betroffen sind Künstler mit Katalogen von mehr als 100 veröffentlichten Tracks. Sie verweisen auf den kumulativen Effekt, den die fehlende Vergütung für niedrig gestreamte Titel auf ihr Gesamtgeschäft hat. Ein Vertreter eines Labels aus Serbien äußert sich wie folgt über die Regelung:
"Die 1000-Streams-Politik ist besonders hart für Künstler verschiedener Genres, die vielleicht nicht so schnell 1.000 Streams erreichen, aber dennoch wertvolle Musik beitragen. Spotify sollte einen inklusiveren Ansatz einführen, ähnlich wie das Modell von YouTube."
Weitere 20 Prozent der befragten Künstler sprechen von einem moderaten negativen Effekt, vor allem bei mittelgroßen Katalogen von 50-100 Tracks. Nur 15 Prozent geben an, keine oder keine klar zuordenbare Auswirkung zu spüren – laut Studie meist Akteure, die insgesamt nur geringe Einnahmen aus Spotify generieren.
Ungerecht und nachteilig für Indies
Auch in der Bewertung der Maßnahme fällt das Urteil deutlich aus: 92 Prozent der Befragten, bezeichnen sie als ungerecht und strukturell nachteilig für unabhängige und regionale Künstler:innen. Ein Label-Manager kritisiert, dass der Aufwand und die Qualität einer Veröffentlichung keine Rolle mehr für ihre Vergütung spielen.
Nur eine Minderheit von acht Prozent äußert sich neutral oder vorsichtig zustimmend und verweist auf mögliche Effekte einer stärkeren Qualitätsfilterung.
Nischen-Musik besonders betroffen
Die Studie nennt zudem konkrete Handlungsvorschläge an Spotify. 40 Prozent der Befragten plädieren für eine deutliche Absenkung oder vollständige Abschaffung der 1000-Streams-Schwelle. Andere fordern bessere Unterstützung von kleineren Acts durch den Spotify-Algorithmus, kuratierte Nischen-Playlists (35 Prozent) sowie den Einsatz lokaler Kurator:innen in unterrepräsentierten Märkten wie dem Balkan (25 Prozent).
Besonders problematisch ist die Situation laut Studie für Nischen-Genres wie Folk oder regionale Spielarten von Pop und Rock, deren Zielgruppen naturgemäß kleiner sind.
Präzendenzfall für weitere Einschnitte?
Labels mit langjähriger Branchenerfahrung und mehreren tausend Titeln im Katalog äußern dabei die größte Sorge, dass Spotifys Regelung einen Präzedenzfall für weitere Einschränkungen der Vergütungspraxis schaffen könnte.
Insgesamt unterstreicht die Untersuchung die wachsende Unzufriedenheit unabhängiger Akteure mit bestehenden Streaming-Modellen. Die Autoren sehen die Ergebnisse als relevanten Beitrag für die laufenden Debatten um faire Vergütung, kulturelle Vielfalt und digitale Regulierung auf europäischer Ebene.
Spotify reagiert
Spotify verweist in einer Reaktion gegenüber Musically hingegen auf das besonders starke Wachstum des Streaming-Markts in Südosteuropa. Weiterhin verweist Spotify darauf, dass die Studie nur eine kleine Zahl von Unternehmen umfasse und dass Spotify gerne erfahren würde, welche Einnahmen diesen Unternehmen entgangen sind.
Laut Spotify erzielten Songs, die mehr als 1.000 Streams erreichten, höhere Einnahmen, was die Studie aber nicht berücksichtige.
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