Kreativität und kulturelle Vielfalt in Europa
"Music in the EU"-Report 2025: EU-Musikmarkt wächst stark, aber regional sehr unterschiedlich
© Miguelangel Perez
Laut dem Report stiegen die Einnahmen aus Streaming, CD- und Vinyl-Verkäufen 2024 in der EU auf insgesamt 5,7 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Das Wachstum des EU-Musikmarkts in absoluten Zahlen liegt mit 470 Millionen Euro doppelt so hoch wie in den USA und übertrifft das kumulierte Umsatzwachstum der USA, China und Brasilien (insgesamt 458 Millionen Euro).
Viel Wachstumspotential
Kostenpflichtige Streaming-Angebote tragen dabei 77,4 Prozent zum Gesamtumsatzwachstum bei. Preiserhöhungen der Streamingdienste und ein starker Anstieg von Streaming-Abonnements treiben dies an.
Dennoch gibt es Luft nach oben: Die Verbreitung kostenpflichtiger Streaming-Abos ist in Europa geringer als in anderen führenden Märkten. Die sog. Streaming Subscriber Penetration Rate (der Begriff wird leider nicht definiert) beträgt in der EU 25 Prozent, während sie in den USA bei 52 Prozent liegt.
Unterschiedliche Wachstumsraten
Der Musikmarkt in der EU wuchs 2024 aber nicht gleichmäßig. Auffällig ist ein klares Ost-West-Gefälle. Das Wachstum in den traditionell starken Märkten in West- und Mitteleuropa ist grundsätzlich geringer als in Ost- oder Südosteuropa.
Deutschland ist mit einem Wachstum von 4,1 Prozent Schlusslicht in der EU. Das Wachstum erreichte 7,5 Prozent in Frankreich, 8,5 Prozent in Italien und 9,6 Prozent in Spanien. In verschiedenen osteuropäischen Ländern ist das Wachstum deutlich größer – natürlich bei entsprechend geringeren Ausgangswerten.
Die Musikmärkte in Tschechien, Ungarn, Polen und Rumänien wuchsen 2024 um mehr als 20 Prozent, in Griechenland um mehr als 15 Prozent und in Slowenien und Kroatien um mehr als 10 Prozent. Ein Ausreißer ist Schweden, dessen Musikmarkt um nicht weniger als 30 Prozent expandierte – und damit weit mehr als seine nordischen Nachbarn.
Die hohen Wachstumsraten in Ost- und Südosteuropa zeigen das Potential für Streaming-Services in weniger wohlhabenden Teilen der Welt, in denen sich der legale Erwerb von Tonträgern nie durchgesetzt hatte, die aber jetzt am Streaming-Boom partizipieren.
Erfolg für europäische Künstler:innen
Einheimische Künstlerinnen und Künstler profitieren von dieser Entwicklung. Sie sind in den nationalen Top-10-Charts häufiger vertreten als im weltweiten Durchschnitt.
Musiklabels investieren massiv in Nachwuchsförderung und Marketing. 2024 flossen weltweit 7,5 Milliarden Euro in A&R und Marketing, was 30 Prozent des Jahresumsatzes der Musikindustrie entspricht.
Politische Maßnahmen gefordert
Um die Dynamik zu sichern, fordert die Musikindustrie entschlossene Maßnahmen der EU. Fünf politische Prioritäten stehen auf der Agenda:
Die IFPI fordert, dass Musik in der EU als bedeutendes Kulturgut und Wirtschaftsfaktor anerkannt wird und ihre Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Innovation und Gesellschaft regelmäßig bewertet werden. Ein fairer und wettbewerbsfähiger Musikmarkt soll erhalten bleiben, in dem Künstler:innen und Rechteinhaber:innen flexibel und sicher mit Lizenznehmern agieren können.
Gleichzeitig muss die Nutzung von künstlicher Intelligenz so gestaltet werden, dass die Einzigartigkeit menschlicher Kreativität respektiert und geschützt wird. Die Rechte von Künstler:innen sollen konsequent durchgesetzt und Piraterie wirksam bekämpft werden, um die Existenzgrundlage von Künstler:innen zu sichern. Schließlich soll in Europa und international ein starkes Urheberrecht fördern, das kulturelle Vielfalt schützt und gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum unterstützt.
Dr. Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des BVMI, hebt die Rolle der KI-Regulierung hervor:
"Wie wichtig eine robuste Gesetzgebung im Umgang mit generativer KI ist, zeigt nicht zuletzt die schiere Flut vollständig KI generierter Tracks auf den Plattformen, die sich den jüngst von Deezer veröffentlichten Zahlen zufolge seit Januar verdreifacht hat und dort inzwischen bei 30 Prozent der täglich hochgeladenen Songs liegt. Eine verantwortungsvolle KI-Regulierung, die dafür sorgt, dass KI-Modelle nur mit lizenzierten Daten trainiert werden und dadurch die Kreativen und ihre Partner an der Wertschöpfung beteiligt, ist unverzichtbar für den Erhalt der europäischen Musikindustrie wie weiten Teilen der Kreativwirtschaft."
Details zum Bericht
Die Daten stammen aus der zweiten Ausgabe des IFPI-Reports, der auf den im März veröffentlichten Zahlen des Global Music Reports 2025 basiert.
Der Bericht liefert einen umfassenden Überblick über die Musikmärkte innerhalb der EU und kombiniert statistische Daten mit Einschätzungen europäischer Musikmanager:innen. Die IFPI (International Federation of the Music Industrie) ist der internationale Dachverband des Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Den vollständigen Bericht gibt es hier.
Ähnliche Themen
Der Musikmarkt wird vielfältiger
Optimistische Prognose: Musikmarkt soll bis 2033 auf 120 Milliarden US-Dollar wachsen
veröffentlicht am 26.08.2026
Über alle Maßen populär
Deutschland bleibt weltweit größter Markt für elektronische Musik
veröffentlicht am 07.05.2026
Umsatz wächst zum elften Jahr in Folge
IFPI Global Music Report 2026: Musikindustrie erwirtschaftet weltweit über 31 Mrd. US-Dollar
veröffentlicht am 19.03.2026 1
Einblicke aus Südosteuropa
Studie: Spotify-1.000-Stream-Regel belastet Künstler und Labels deutlich
veröffentlicht am 18.12.2025 1
Verhaltenes Wachstum
BVMI-Halbjahresbilanz: Musikindustrie legt dank Streaming weiter zu – bei deutlich geringerem Wachstum
veröffentlicht am 24.07.2025