Zwischen Einnahmequelle und Entwertung
Was Spotifys KI-Remix-Strategie für Musikschaffende bedeuten könnte
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© Ivan Samkov via Pexels
Wie unter anderem Music Business Worldwide berichtet, sprach Spotifys Co-CEO Gustav Söderström Im Rahmen des Q4 2025 Earning Calls mit Investoren über den neuen Ansatz und erklärt, dass die technische Infrastruktur für diese neue Funktion bereits vorhanden und grundsätzlich einsatzbereit wäre.
Fehlendes Lizenzierungsmodell
Eine Einführung sei jedoch derzeit noch nicht geplant, da es noch an einem industrieübergreifend akzeptierten Lizenzierungsmodell fehle, das die Nutzung bestehender Werke in KI-gestützte Transformationsprozessen rechtlich eindeutig regelt.
Damit erhält die Debatte über KI in der Musikindustrie einen neuen Aspekt. Diesmal steht die Weiterverarbeitung bereits existierender, von Menschen geschaffener Werke im Mittelpunkt. Aus Sicht von Spotify liegt genau hierin eine bislang unerschlossene Monetarisierungsebene für Musikschaffende.
Weitere Einnahmequelle für Künstler und Künstlerinnen
Spotifys Argumentation zielt darauf ab, dass musikalische Werke nicht länger als statische Veröffentlichungen verstanden werden sollten, sondern als kreative Ausgangspunkte für eine fortlaufende Interaktion mit dem Publikum.
Fans, so die Vorstellung, möchten Musik nicht mehr ausschließlich hören, sondern mit ihr arbeiten, sie transformieren oder personalisieren. KI-gestützte Tools könnten diese kreative Beteiligung in einen lizenzierbaren und damit vergütbaren Rahmen überführen.
Einkommen durch Fan-Remixe?
Für Musiker*innen würde sich damit ein potenziell neues Einnahmemodell eröffnen. Während klassische Streaming-Vergütungen an die Nutzung eines unveränderten Werkes gekoppelt sind, könnten KI-Remixe oder KI-Cover zusätzliche Erlöse generieren, sofern entsprechende Lizenzstrukturen etabliert werden.
In einem solchen Szenario würden Künstler*innen nicht nur an der Nutzung ihres Originals verdienen, sondern auch an sämtlichen, daraus abgeleiteten Versionen, die durch Fans entstehen.
Komplexe rechtliche Situation
Der Grund, weshalb ein solches Modell bislang noch nicht umgesetzt wurde, liegt in der komplexen Rechtearchitektur der Musikindustrie. Sobald ein Song durch KI verändert wird, stellt sich die Frage nach der rechtlichen Einordnung des daraus entstehenden Werkes.
Unklar ist derzeit, ob es beim Remix um eine Nutzung bzw. Wiedergabe des Originals handelt oder um eine neue schöpferische Leistung mit eigenständigen Ansprüchen. Ebenso offen bleibt, wie Einnahmen zwischen ursprünglichen Urhebern, Interpreten und den Nutzern aufgeteilt werden sollen, die eine neue Version eines Liedes erstellt haben.
Neue Vergütungsformen?
Spotify bringt gegenüber Rechteinhabern das Argument vor, dass ein plattformintegriertes Lizenzsystem erstmals ermöglichen würde, bislang informelle kreative Praktiken wie Fan-Remixe oder inoffizielle Covers zu monetarisieren, anstatt sie außerhalb bestehender Rechteketten stattfinden zu lassen.
Was heute häufig auf Drittplattformen ohne direkte Beteiligung der Rechteinhaber*innen geschieht, könnte in ein kontrolliertes Ökosystem überführt werden, in dem jede Nutzung vergütet wird und somit zusätzliche Einnahmen generiert.
Folgen für künstlerische Autonomie
Aus künstlerischer Perspektive wirft diese Entwicklung grundsätzliche Fragen zur Wertschätzung von Originalmusik auf. Viele Musiker*innen investieren erhebliche Zeit in die Ausarbeitung von Arrangements, Klangästhetik und Produktionsdetails.
Wenn Songs zunehmend als modifizierbare Rohmaterialien verstanden werden, könnte sich die Wahrnehmung musikalischer Werke von einem abgeschlossenen kreativen Ausdruck hin zu einem offenen Baukastensystem verschieben.
Die Folgen für die kreative Arbeit von Musikschaffenden wäre signifikant. Darüber hinaus könnten Fan-Remixe zu einem weiteren Anstieg der schon jetzt extrem großen Zahl täglich auf der Streaming-Plattform hochgeladenen Musik führen. Und schließlich würde auch der KI-Content weiter wachsen, der schon jetzt eine viel zu große Rolle spielt.
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