Die Grundlage von allem
Warum sind Amateur- und Hobbymusik in der Öffentlichkeit vollkommen unterbewertet?
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Wer Musik macht, möchte Freude haben, ob alleine mit dem Instrument und erst recht im Zusammenspiel oder in der Zusammenarbeit mit anderen. Das ist der Ursprung jeder musikalischen Betätigung. Bei zahlreichen Völkern ist die Musik bestimmender Teil der Traditionen und wird zu diversen Gelegenheiten zelebriert.
Auch in den zahlreichen Musikvereinen hierzulande vom Spielmannszug der Feuerwehrkapelle bis zur Guggenmusik, im Blockflötenorchester oder der Hausmusik erleben Amateurmusiker diesen einzigartigen Zusammenhalt, der über die Musik als verbindende Sprache transportiert wird. Und dafür gibt es in der Regel keinen Cent.
Abfälliges Naserümpfen ist eine Form von Ausgrenzung
Da mag auch mal was schräg klingen, obschon immer daran gebastelt wird, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Wer unbedingt digitale Perfektion hören will, kann sich gerne vom Smartphone oder über die Audio-Anlage beschallen lassen. Ist nicht das leicht Unperfekte das authentisch Menschliche?
Diejenigen, die auf ihrem Instrument noch nicht so versiert sind, sollten sich bei abschätzigen Blicken nicht schamhaft in irgendeiner Ecke verkriechen. Weshalb auch, darum geht es nicht. Es geht darum, dass Musik Freude vermittelt.
Eindrucksvolle Zahlen: Fast jeder Fünfte macht Hobbymusik
Nach einer Studie des Musikinformationszentrums (miz) aus dem Jahr 2020 machen rund 14,3 Millionen Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit Musik, ob auf einem Instrument oder in einem Chor singend.
Die Studie enthält weitere eindrucksvolle Zahlen: Sagenhafte 48 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis 15 Jahren Musik. Rund 80 Prozent der Amateurmusiker ab 16 Jahre spielen ein Instrument und 40 Prozent singen (Das ergibt mehr als 100 Prozent, aber es ist ja möglich, beides zu tun).
Wird aus dem Hobby ein Beruf, ist das ein knochenharter Job
Bei Bands ist die Gewichtung nicht minder bemerkenswert. Stellen wir uns vor, bei wie vielen die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes (noch) brotlos ist, zumal sie auf den Durchbruch mit eigenem Material hoffen, fleißig eigene Songs in die virtuelle Welt streamen oder frei von kommerziellen Interessen einfach nur ihren Spaß beim Zusammenspiel im Proberaum haben.
Die Lebensrealität von Cover- und Partybands sieht völlig anders aus. Diese erzielen mit ihren Auftritten bei öffentlichen Events oder privaten Feiern signifikante Einnahmen und nehmen damit den Status als Semiprofis oder auch Profis ein. Das ist eben kein Hobby mehr, sondern ein knochenharter Job. Daher sind sie im Verhältnis zu den Hobbybands weitaus rarer gesät.
Die zahlreichen Amateure sind das Fundament der Musik
Tatsache ist, dass es ohne die zahlreichen Amateurmusiker keine Szene von Bands und Solokünstlern geben könnte. Jeder Profi hat seine Karriere als Amateur gestartet. Fehlt das Terrain, auf dem man lernen, sich austauschen, ausprobieren und austoben kann, gibt es auch keinen Nährboden für Spitzenleistungen.
Natürlich träumen die meisten von mehr. Umso frustrierender erscheint es, dass nahezu ausschließlich die Top-Acts wahrgenommen werden. Gerade die Hobbymusiker, diejenigen, die neben der Schule oder dem ganz alltäglichen Berufsleben noch zum Instrument greifen, verdienen unsere wirkliche Hochachtung.
Sie sind es nämlich, die das gemeinsame Musizieren nicht wegen des Geldes machen und damit den verbindenden Charakter der Musik am Leben erhalten.
Amateurmusik ist mit Breitensport vergleichbar
Amateurmusik ist durchaus vergleichbar mit dem Breitensport, mit Sportarten wie beispielsweise dem Fußball. Medial vermarktet werden nur die Mannschaften aus den oberen Ligen.
Tatsächlich aber rennen an jedem Wochenende Zigtausende von ambitionierten Sportlern über die manchmal sogar grünen Plätze, kicken auf Hinterhöfen, Schulhöfen und wo auch immer.
Unter dem Dach des DFB spielen mehr als 2,3 Millionen Menschen aktiv Fußball in Amateurvereinen. Selbst das ist allenfalls ein Bruchteil derer, die gerne mal nach dem runden Leder treten.
Demgegenüber gibt es in Deutschland rund 2.500 Fußballprofis, von denen die meisten bei schmalen Gehältern und Arbeitsbedingungen sogar fünftklassig spielen. Bei Musikern ist die Situation genauso: Eine große Zahl von Amateuren steht einer vergleichsweise geringen Zahl von Profis gegenüber.
Wer für die eigentlichen Umsätze im Handel verantwortlich ist
Aber diese Amateure haben großes Gewicht. Man könnte beispielsweise glauben, die professionellen Musiker seien die Umsatzbringer im Musikalienhandel schlechthin. Aber weit gefehlt!
Der professionelle Gitarrist hat irgendwann seine zwei, drei bevorzugten Gitarren, der Bassist spielt seinen einmal erstandenen exklusiven Bass vermutlich bis ans Ende seines Musikerlebens und wenn das Saxophon anständig Patina angesetzt hat, wird es zum nostalgischen Vintage-Instrument, das mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit nicht gegen ein neues Instrument ausgetauscht wird.
Der Bedarf der Profis ist schnell und oftmals dauerhaft gesättigt. Wirklich umwerfende Innovationen bei Instrumenten so häufig wie Schnee in der Sahara. Weshalb also das bewährte Instrument austauschen? Sammelleidenschaft? Die muss man sich erstmal leisten können.
Die nachwachsenden Amateure sollten viel mehr hofiert werden
Auf der Kehrseite der Medaille stehen die nachwachsenden Musiker, die zahlreichen Amateure, die mit einem neuen Hobby ihren Spaß haben wollen, wohin auch immer der Weg sie führen wird. Bei der ersten Querflöte wird vermutlich noch nicht so tief in die finanzielle Tasche gegriffen. Aber dann folgt die zweite oder dritte…
Irgendwann sind die Fähigkeiten und das Gehör so entwickelt, dass auch die Flöte diesen neuen Anforderungen genügen soll. Die Anfänger und leicht Fortgeschrittenen sind diejenigen, denen der Handel den Mund wässrig machen muss, die Profis demgegenüber lediglich die Vorzeige-Ikonen.
Der Kommerz kam erst sehr, sehr viel später
Aus der richtigen Perspektive betrachtet müssen wir einfach anerkennen, dass schlichtweg niemand, andere Musiker geringschätzen sollte, nur weil sie aus welchen Gründen auch immer gar nicht die Ambitionen haben, sich jahrzehntelang zu quälen und auf vieles zu verzichten, nur um die professionellen Bühnen zu bevölkern.
In vielen Fällen geht es nicht darum, wie weit jemand kommen kann, stattdessen darum, wie weit er kommen will. Es sei doch einfach jedem unbenommen, das Leben darüber hinaus mit ganz anderen Interessen zu füllen.
Wenn der Amateurmusiker drei Lieder auf seiner Trompete, seiner Querflöte, Gitarre, worauf auch immer spielen kann, bin ich begeistert. Schön wäre es, wenn auch die Medien eine gute Portion mehr Begeisterung zeigen würden. Die Basis von Musik ist seit jeher Gemeinsamkeit. Der Kommerz kam erst sehr, sehr viel später.
Ein freundliches Lächeln und ihr habt alles richtig gemacht
Verbleibt die Suche nach einer Lösung. Wie bringt man etwas wieder in vernünftige Bahnen, was irgendwann mal aus dem Ruder gelaufen ist?
Ich denke, für uns alle ist eine Rückbesinnung angebracht. Wenn es irgendwann nur noch eine musikalische Elite mit Vocoder-Nimbus gäbe, wäre uns ein sehr spezielles Instrument genommen, nämlich die Musik als Instrument für den Ausdruck von Verbundenheit, für wunderbare Momente im Amateurbereich und etwas, dass uns niemand nehmen sollte.
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