Milliardenausgaben für musikalisches Engagement
Neue Studie zeigt Wirtschaftskraft der Amateurmusik
© Charles Parker via pexels.com
Rund 16,3 Millionen Menschen musizieren in Deutschland in ihrer Freizeit. Dazu zählen nach Angaben des Stifterverbandes etwa 12,4 Millionen Erwachsene sowie 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren.
Die Studie "Die wirtschaftliche Bedeutung von Amateurmusik in Deutschland – Eine empirische Untersuchung" beziffert die jährlichen Ausgaben für das Amateurmusizieren im Jahr 2025 auf mindestens 22,4 Milliarden Euro. Je nach Berechnungsmethode liegt der geschätzte Betrag bei bis zu 24,6 Milliarden Euro.
Den größten Anteil daran haben die Ausgaben der Amateurmusiker selbst. Sie summieren sich auf rund 21,1 bis 23,1 Milliarden Euro.
Erwachsene geben jährlich rund 1.500 Euro aus
Erwachsene Amateurmusiker wenden laut Studie durchschnittlich 1.516 Euro pro Jahr für ihr musikalisches Engagement auf. Werden besonders hohe Einzelangaben bei der Berechnung nicht begrenzt, steigt der Durchschnitt auf 1.609 Euro.
Wie viel Geld für das Musizieren ausgegeben wird, hängt unter anderem von der Art der musikalischen Betätigung ab. Menschen, die in Ensembles aktiv sind, geben durchschnittlich 1.529 Euro im Jahr aus. Bei Personen, die ausschließlich zu Hause musizieren, sind es 859 Euro.
Auch zwischen Instrumentalisten und Sängern bestehen deutliche Unterschiede. Wer ausschließlich ein Instrument spielt, gibt im Durchschnitt 1.724 Euro jährlich aus. Bei Personen, die ausschließlich singen, sind es 709 Euro.
Musikunterricht prägt die Ausgaben für Kinder
Bei Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 15 Jahren liegen die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben bei 1.288 Euro.
Einen wesentlichen Anteil daran haben die musikalische Ausbildung und die Anschaffung von Instrumenten. Rund 30 Prozent der Ausgaben entfallen auf Musikunterricht, weitere 26 Prozent auf Instrumentenkäufe. Gebühren für Musikschulen machen nach der Aufschlüsselung der Studie 13 Prozent aus.
Die Zahlen zeigen, welche finanziellen Aufwendungen Familien für das Musizieren ihrer Kinder übernehmen.
Ensembles geben jährlich bis zu 1,4 Milliarden Euro aus
Neben den individuellen Ausgaben untersucht die Studie auch die finanziellen Aufwendungen von Musikensembles. Für die rund 92.277 erfassten Ensembles in Deutschland ergeben sich jährliche Gesamtausgaben von etwa 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro.
Im Durchschnitt gibt ein Ensemble 14.163 Euro pro Jahr aus. Ohne Begrenzung besonders hoher Einzelwerte steigt dieser Betrag auf 15.435 Euro.
Den größten Kostenblock bilden mit rund 45 Prozent die Personalausgaben. Dazu zählen insbesondere Honorare für musikalische Leitungen und andere vergütete Tätigkeiten.
Auf der Einnahmenseite haben selbst erwirtschaftete Mittel mit 37 Prozent den größten Anteil. Mitgliedsbeiträge machen 25 Prozent aus, öffentliche Fördermittel elf Prozent.
Vergleich mit professioneller Musikwirtschaft nur eingeschränkt möglich
Die Größenordnung der Ausgaben verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung des Amateurmusizierens. Zum Vergleich: Für die professionelle Musikwirtschaft in Deutschland wurde für 2023 ein Umsatz von 17,4 Milliarden Euro ausgewiesen.
Allerdings sind die Werte nicht unmittelbar vergleichbar. Während die Studie zur Amateurmusik Ausgaben von Privatpersonen und Ensembles erfasst, beschreibt die Umsatzkennzahl der professionellen Musikwirtschaft die Erlöse von Unternehmen und Selbstständigen. Zudem beziehen sich die Angaben auf unterschiedliche Jahre.
Die Autoren weisen auch auf mögliche Doppelzählungen innerhalb der Amateurmusik hin. Beispielsweise können Mitgliedsbeiträge sowohl in den Ausgaben einzelner Musiker als auch in den Ausgaben ihrer Ensembles enthalten sein. Das Volumen solcher Überschneidungen wird auf 330 bis 810 Millionen Euro geschätzt.
Erste Bestandsaufnahme mit methodischen Einschränkungen
Die Autoren verstehen ihre Untersuchung als erste empirische Bestandsaufnahme. Dabei weisen sie auf mögliche Verzerrungen durch die freiwillige Teilnahme an der Befragung hin. So könnten besonders engagierte Amateurmusiker überdurchschnittlich häufig vertreten sein, während informelle Formen des Musizierens möglicherweise weniger gut erfasst wurden.
Auch die Ausgaben von Musikverbänden konnten aufgrund fehlender Daten nicht in die Gesamtsumme einbezogen werden.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die finanziellen Aufwendungen für Amateurmusik. Gesellschaftliche und kulturelle Wirkungen, etwa auf Bildung, Gemeinschaft und kulturelle Teilhabe, sind nicht Gegenstand der Berechnungen.
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