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So klappt's mit dem Sound

Was man beim Einsatz von Audio-Effekten beachten sollte

Tipps für Musiker und Bands von Michael Hennig
veröffentlicht am 06.05.2015

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Was man beim Einsatz von Audio-Effekten beachten sollte

Mike mit seiner Gitarren-Anlage. © Michael Hennig

Jeder Musiker steht irgendwann vor der Entscheidung, ob und welche Audio-Effekte er einsetzen möchte, um sein Instrument „besser“ oder anders klingen zu lassen. Während bei Live-Shows Puristen oft auf jeglichen Effekteinsatz verzichten, kommt man spätestens bei Studio-Aufnahmen nicht mehr ohne diese elektronischen Hilfen aus. Was man beim Einsatz von „Effekten“ allgemein beachten sollte, haben wir für euch in diesem Artikel zusammengefasst.

In den letzten Jahren hat sich die technische Qualität von Effektgeräten erheblich verbessert. Bereits die kleinsten Bodeneffektpedale bieten heute „Studioqualität“ bis weit über die Hörgrenzen hinaus. Dennoch führt ein allzu sorgloser Umgang mit diesen Geräten oft zu einer Verschlechterung des Klangs und zu unerwünschten Nebeneffekten wie Dynamikverlust, Rauschen und Brummen. Deshalb gilt live und im Studio die alte Grundregel:

So viel Effekt wie nötig, aber so wenig Effekt wie möglich!

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Gruppen von Audio-Effekten:

  1. Die seriellen Effekte, welche direkt in die Signalkette eingefügt werden und
  2. die additiven Effekte, auch „Send“-Effekte genannt, die zum Originalsignal dazu gemischt werden.

Typische Vertreter der „seriellen“ Effekte sind z.B. Kompressor, Equalizer, Limiter, Wahwah, usw. – kurz, alle Effekte, die sich direkt auf das Originalsignal auswirken und dieses verändern.

„Additive“ oder „Send“-Effekte hingegen entstehen durch das zusätzliche „Senden“ des Originalsignals an das Effektgerät, wobei das daraus resultierende Effektsignal zum „direkten“ Originalsignal hinzugemischt wird. Typische Send-Effekte sind z.B. Zeitverzögerungen (Delay, Echo, Doubling, Hall, usw.) und Modulationen (Flanger, Phaser, Chorus, Pitch Shifter, usw.).

Manchmal sind die Grenzen aber auch fließend, d.h., bestimmte Effekte können sowohl seriell als auch additiv eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei die logisch richtige Reihenfolge der Effekte.

Effekteinsatz für den Live-Einsatz gründlich planen!

Gleich, ob ihr euch für ein Pedalboard mit „Bodentretern“, oder für die aufwändigere 19-Zoll Rackversion zur Organisation eurer Effektgeräte entscheidet – überlegt euch vorher gründlich, welche Effektgeräte ihr einsetzen wollt, wie diese gesteuert werden sollen und wie dabei der Signalverlauf sein sollte. Das Thema „Sound“ ist ein sehr individuelles Thema und ebenso vielfältig sind die Lösungsmöglichkeiten.

Als Beispiel findet ihr in diesem PDF ein relativ komplexes Gitarren-Setup mit einem „Dry-Amp“ und einem „Wet-Amp“, der nur das Effektsignal liefert, mit MIDI-Steuerung des Gesamtsystems. Auch einen etwas umfangreicheren Workshop zu diesem Thema bieten wir zum Download an.

Bei der Planung der Effekte und der Signalkette solltet ihr auch darauf achten, welche Effekte

  1. zwischen Instrument und Verstärker,
  2. welche in den Effektweg des Verstärkers (seriell und/oder parallel zum Originalsignal) und
  3. welche zwischen Verstärkerausgang und Box geschaltet werden müssen.

Vor dem Verstärkereingang sollte man mit dem Einsatz von Effekten besonders vorsichtig sein. Jedes Gerät, welches vor den empfindlichen Verstärkereingang geschaltet wird, hat einen eigenen Eingangsverstärker, der sich auf die Klangfärbung und Dynamik des Signals auswirkt und gleichzeitig das Grundrauschen anhebt. Läuft der Verstärker z.B. in „High Gain“-Einstellung, kann das Grundrauschen u.U. erheblich ansteigen. Daher sollte die Qualität der Effektgeräte an dieser Position möglichst hoch sein!

Auch im Effektweg des Verstärkers, bei dem das Signal ca. 10 Mal so stark ist, wie wenn es z.B. aus der E-Gitarre kommt, sollte man sich überlegen, durch wie viele serielle Effektgeräte man das Signal schickt. Auch wenn es sich um hochwertige, digitale Effektgeräte handelt, wird am Eingang jedes Gerätes das Signal von analog in digital gewandelt und am Ausgang meist wieder von digital in analog zurückgewandelt. Da viele Geräte zum Schutz vor Übersteuerung das Signal am Eingangsverstärker komprimieren, kommt nach ein paar „Umwandlungen“ meist nur noch ein kleiner Teil der ursprünglichen Dynamik des Signals an. Das Signal klingt dann meist flach und matt. Aus o.g. Gründen ist auch z.B. ein „Multi-Effekt-Gerät“, welches mehrere Effekte parallel produzieren kann, oft der Einzelgeräte-Lösung (je Effekt ein Gerät) vorzuziehen – mal ganz abgesehen vom Verkabelungsaufwand und eventuellen Impedanzanpassungen.

Profis gehen den Klangeinbußen durch Effektgeräte aus dem Weg, in dem sie einen direkten Weg, z.B. von der Gitarre direkt in den „Dry“-Hauptverstärker und direkt in die „Dry“-Lautsprecherbox(en), und einen separaten Effektweg miteinander kombinieren. Hierbei wird das Signal vom Effekt-Send des „Dry“-Hauptverstärkers abgezweigt, durch die Effekte geleitet und dann über den „Effekt-Return“ eines zusätzlichen „Wet“-Verstärkers in die „Wet“-Lautsprecherbox(en) geschickt.

Wer es ganz perfekt machen will, spendiert dem Stereo-Effektsignal (z.B. für den Stereo-Chorus oder das Ping-Pong-Delay) eine Stereo-Endstufe als „Wet“-Verstärker mit einer „Wet“-Lautsprecherbox je Kanal (L/R). Vorteil dieses Live-Setups: Ein besserer, voller und klarer Klang und der FOH-Mischer bekommt das „Dry“- und das „Wet“- (= nur Effekt) Signal separat und kann so den Effekt-Anteil je nach Raumakustik selbst bestimmen. Ein prominenter Vertreter dieser Sound-Architektur ist z.B. Steve Morse, Gitarrist von Deep Purple. Fotos und eine Beschreibung seines Setup findet ihr in der Fotogalerie am Ende dieses Artikels.

Zwischen Verstärker-Endstufe und dem Eingang der Lautsprecherbox wird nur sehr selten ein „Effektgerät“ geschaltet, da das Signal wiederum um bis zu 10 Mal stärker ist, als das Signal im Effektweg und somit die meisten Geräte hoffnungslos übersteuern würde. Dennoch gibt es spezielle Geräte wie z.B. DI-Boxen oder sogenannte „Load Boxen“ oder „Speaker Simulators“, die je nach Ausführung eine Anpassung/Dämpfung des Audio-Signals erlauben, bis hin zum Betrieb eines Röhren-Verstärkers ohne Lautsprecherbox.

Oft übersehener Vorteil einer Load-Box: Der Röhrenverstärker kann voll aufgedreht werden, was neben der Vorstufenverzerrung dann auch eine Endstufenverzerrung hinzufügt, was den Amp oft dann erst richtig zum Klingen bringt, ohne dass „Zimmerlautstärke“ überschritten werden muss! In Spielpausen wird das störende, hohe Grundrauschen bei „High-Gain“-Betrieb durch die Load-Box wesentlich gedämpft. Dies ist besonders bei Studio-Aufnahmen ein angenehmer Nebeneffekt und einem Noise-Gate vorzuziehen, bei dem leise Signale trotzdem ein hohes Grundrauschen aufweisen oder das Signal sehr früh durch das Gate unterdrückt werden muss, was wiederum unnatürlich klingt.

Einsatz von Effekten bei Studio-Aufnahmen

Wie so oft im Leben gibt es da verschiedene Philosophien. Persönlich nehme ich eine Spur des trockenen Signals, wie es aus dem Instrument kommt, über eine DI-Box oder – bei akustischen Instrumenten – über ein Mikrofon auf. Diese Spur kann dann später, wenn nötig, für ein Re-Amping herangezogen werden.

Hat der Musiker bestimmte Geräte, die maßgeblich „seinen individuellen Sound“ prägen, so werden diese auf einer zusätzlichen Spur mit aufgenommen, wobei gänzlich auf Send-Effekte, wie z.B. Delay, Reverb, Chorus, usw. bei der Aufnahme verzichtet wird. Diese Effekte werden erst beim Mix hinzugefügt und müssen sich dem Gesamtbild der Aufnahme anpassen.

Probleme beim Einsatz von Effektgeräten

Die häufigsten Fehler sind eine falsche oder fehlende Planung der Signalführung, Einstreuung und Brummen durch Masseschleifen und falsche Kabelwahl und/oder -führung, Verwendung von Billig-Patch-Kabeln, Kontaktprobleme durch die Verwendung von billigen, oxidierten Steckern usw. Die Ursachen sind vielseitig.

Der häufigste Fehler ist Masseschleifen bei unsymmetrischer Signalführung. Wer sich auskennt, kann dies beim Löten der Kabelverbindungen vermeiden. Wer sich nicht so gut auskennt, kann z.B. durch das Zwischenschalten eines Trennübertragers (z.B. Palmer PLI-01) lästiges Brummen vermeiden.

Generell schadet es auch nicht, ab und zu mal den Klang mit und ohne Effektweg zu vergleichen. Effekte sollen ja eine Verbesserung des Klangs herbeiführen!

Euer Feedback

Was meint ihr zu dem Thema – wie lauten eure Erfahrungen beim Einsatz von Effektgeräten? Schreibt uns einen kurzen Kommentar! Wenn euch das Thema interessiert, können wir gerne noch tiefer in die Materie einsteigen oder auf allgemeine Probleme näher eingehen.

Ingesamt 7 Bilder, klicken um Fotostrecke zu starten

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