Warum guter Musikunterricht auch von dir abhängt
9 Tipps: So holst du das Beste aus deinem Musikunterricht heraus
© Vitaly Gariev
1. Mach dir deine Ziele bewusst
Warum besuchst du regelmäßig deine Musikstunden? Wahrscheinlich sagst du jetzt: "Dumme Frage, um mein Instrument zu lernen!" Verständlich. Bei den meisten Lernenden ist das aber nur die halbe Miete. Im Musikunterricht geht es nämlich nicht nur darum, was du lernst, sondern auch darum, warum und wie du lernst.
Definiere deshalb im ersten Schritt, warum du Musikunterricht nimmst. Oder anders gesagt: Was ist der Traum, der dich immer wieder ans Instrument zurückbringt? Etwa: Ich möchte mich in einem Jahr so sicher fühlen, dass ich endlich in einer Partyband oder im Schulorchester mitspielen kann. Oder: Ich will einfach ein tolles Hobby für mich haben, mit dem ich vom stressigen Alltag herunterfahren kann.
Vielleicht suchst du auch einfach Anschluss an eine kreative Gemeinschaft. Egal, warum du Zeit und Geld in professionelle Musikstunden investierst: Wenn du dir deine Gründe immer wieder bewusst machst, gehst du mit einer anderen Haltung in deinen Musikunterricht.
2. Halte deine Unterrichtsmaterialien bereit
Dein Instrument fällt halb auseinander, wenn du es nur ansiehst? Deine Notenmappe ist wie ein überquellender Obstkorb, dessen Inhalt du gerade noch erahnen kannst? Oder vielleicht bist du auch dafür bekannt, dein Buch standardmäßig nicht zur Hand zu haben? Dass so kein optimaler Musikunterricht möglich ist, steht außer Frage.
Investiere daher nicht nur Zeit ins Üben, sondern auch ins Drumherum: Achte auf deine Hilfsmittel, pflege eine gewisse Grundordnung und hab alles beisammen, was du für deinen Unterricht brauchst. Denn Chaos kostet nicht nur Nerven, sondern auch wertvolle Minuten. Und diese verlorenen Minuten summieren sich mit der Zeit zu Stunden, die besser ins Lernen geflossen wären.
3. Stell Fragen, wenn du etwas nicht verstehst
Wenn du eine Übung oder Aufgabe nicht verstehst, wirst du auch beim Üben zu Hause unsicher sein. Du kannst natürlich raten, wie etwas funktionieren könnte. Aber warum nicht gleich auf Nummer sicher gehen, wenn du schon an der musikalischen Quelle sitzt?
Stelle deine Fragen also bitte immer direkt im Unterricht. Egal, worum es geht. So schaffst du eine entspanntere Grundlage fürs Weiterüben zu Hause. Du weißt immer noch nicht, wie dieser Takt klingen soll? Nochmal fragen. Dir erschließt sich nicht, weshalb dir diese Übung weiterhelfen soll und die andere nicht? Ansprechen! Du hast keinen Plan, was du machen sollst? Unbedingt sagen! Und bitte merken: Dumme Fragen gibt es nicht.
4. Bereite dich auf den Unterricht vor
Was genau macht eine gewissenhafte Vorbereitung für deinen Musikunterricht eigentlich aus? Beantworte das doch gleich einmal für dich: Was müsstest du machen, um in der nächsten Stunde wirklich top vorbereitet zu sein und dich vor allem auch so zu fühlen? Schreibe deine Antworten auf und besprich sie mit deiner Lehrkraft. Du wirst überrascht sein, wie oft die Vorstellungen darüber auseinandergehen, was eine gute Vorbereitung ausmacht.
Höre beispielsweise Musik, die zu deinen aktuellen Übungen passt. Triolen stehen gerade auf dem Programm? Dann suche dir Songs, in denen sie vorkommen. Als Bonus spielst du deine Übungen im Idealfall auch gleich zur passenden Musik dazu. Mit geeigneten Apps kannst du Songs außerdem langsamer abspielen oder einzelne Instrumentenspuren ausblenden, um selbst mitzuspielen.
5. Experimentiere mit deinen Übungen
Die meisten Übungen und Noten bieten viel mehr Lernpotenzial, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Ein Beispiel dafür sind Klatsch- oder Rhythmusübungen: Du kannst sie nicht nur klatschen, sondern direkt auf dein Musikinstrument übertragen und natürlich auch singen. Werde daher selbst aktiv und überlege dir, wie sich deine Übungen kreativ verändern lassen.
Das kannst du zu Beginn gerne zusammen mit deiner Lehrkraft machen. Experimentiere dann mit zunehmender Sicherheit auch selbstständig weiter. Denn selbst in einer scheinbar trockenen Tonleiter- oder Technikübung steckt mehr Musik drin, als die Noten auf einen Blick zeigen.
6. Übe gezielter statt länger
Du hast dir fest vorgenommen, jeden Tag 30 Minuten konzentriert zu üben. Minimum. Doch wie der Alltag manchmal so läuft, kommt dir immer irgendetwas dazwischen. Die Lösung? Klasse statt Masse. Wenn du nicht alles machen kannst, dann zumindest eine Sache, die dich weiterbringt.
Konzentriere dich auf diese eine Sache und arbeite in kleinen Schritten daran, bis du dich zunehmend sicherer fühlst. Probiere die Übung im Idealfall auch in verschiedenen Lautstärken und Geschwindigkeiten aus und spiele sie gerne auswendig. Frage dich – und deine Lehrkraft: Was ist die eine Übung, die dich weiterbringt, selbst wenn du nichts anderes mehr machen kannst? Und dann: machen, lernen, wiederholen.
7. Sprich offen über deine Wünsche und Ziele
Wir Musiklehrkräfte bereiten deine Stunden nach bestem Wissen und Gewissen vor. Wenn wir von etwas überzeugt sind, werden wir es dir beibringen. Das kannst du großartig finden – oder auch nicht. Denn selbst die engagierteste Lehrkraft kann keine Gedanken lesen.
Um wirklich das Beste aus deinem Musikunterricht herauszuholen, braucht es Offenheit von beiden Seiten. Sprich also ehrlich über deine Wünsche, setze gemeinsam mit deiner Lehrkraft motivierende Ziele und lasse deine Ängste nicht außen vor. Auch wir Profis waren einmal Anfänger und sind nach wie vor nur Menschen.
Du möchtest eigentlich Rock spielen, übst aber seit Monaten klassische Etüden? In diesem Fall solltest du offen mit deiner Lehrkraft über deine Bauchschmerzen sprechen. So könnt ihr gemeinsam einen Weg finden, beide Themen miteinander zu verbinden. Rock-Opern oder orchestrale Songs könnten hier etwa ein Kompromiss sein.
8. Halte das Gelernte sofort fest
Deine Musikstunde ist fantastisch gelaufen und du kannst es gar nicht erwarten, daheim weiterzumachen. Dann kommst du nach einem langen Tag im Musikzimmer an und stellst plötzlich fest: Hä, wie genau ging das jetzt nochmal?! Je mehr Zeit vergeht, desto schwerer fällt es dir, dich an die Einzelheiten aus dem Unterricht zu erinnern.
Schreibe also noch während der Unterrichtsstunde auf, was und wie du zu Hause üben wirst. Zum Beispiel: Übung X in Tempo Y in leiser Lautstärke. Mit solchen konkreten Notizen geht nichts Wichtiges mehr unter.
Alternativ dazu kannst du dir auch selbst eine Sprachnachricht senden, ein Übetagebuch führen oder ein Video aufnehmen. Wichtig ist nur, dass du alles Wesentliche später nachvollziehen und entsprechend üben kannst. Das ist übrigens auch ein guter Tipp für Proben und die Arbeit mit deiner Band.
9. Trau dich, Neues auszuprobieren
Musikunterricht soll dich herausfordern. Gleichzeitig soll er dir Freude bereiten. Um diesen Spagat zu meistern, braucht es eine gewisse Entspanntheit. Sprich: Wenn du wirklich das Beste aus deinen Stunden herausholen möchtest, musst du auch einmal in den sauren Apfel beißen und aus deiner Komfortzone ausbrechen.
Doch egal, wie du es nennst: Es gilt, einfach mal Dinge auszuprobieren, die du eigentlich lieber auf morgen verschieben würdest. Beispiele dafür sind die Teilnahme an einem Konzert trotz Lampenfieber oder das Üben zum Metronom. Und nein: Niemand muss sich zu irgendetwas zwingen. Aber manchmal dürfen wir uns daran erinnern, dass wir viel mehr können, als wir uns zutrauen. Wir müssen es nur einfach mal machen.
Guter Musikunterricht lebt nicht nur davon, was deine Lehrkraft dir vermittelt, sondern auch davon, was du selbst daraus machst. Du musst dafür nicht gleich alle neun Tipps umsetzen. Such dir einen aus und probiere ihn in deiner nächsten Musikstunde aus. Welcher wird es sein – und warum?
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