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Perspektive für Veranstaltungssektor

Aerosolstudie: Konzerthäuser sind keine Infektionsorte

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 15.01.2021

coronakrise

Aerosolstudie: Konzerthäuser sind keine Infektionsorte

Saal des Konzerthauses Dortmund. © JosefLehmkuhl, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3606747

Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts will in einer Studie zur Ansteckungsgefahr in Konzertsälen bewiesen haben, dass Besucher/innen sich bei Einhaltung einfacher Maßnahmen keinem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen. Für die Veranstaltungsbranche könnten dies dringend benötigte gute Nachrichten sein.

Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Goslar hat die erste Studie zur räumlichen Ausbreitung von Aerosolen und CO2 in einem Konzertsaal in Zusammenarbeit mit der Messtechnik-Firma ParteQ im Konzerthaus Dortmund durchgeführt.

Erste veröffentlichte Studie dieser Art 

Das Konzerthaus war auch Auftraggeber der Studie, die von dem Umweltbundesamt sowie von Hygieneexperten unterstützt wurde. Die Ergebnisse der Studie sollen laut dem Konzerthaus Dortmund belegen, dass Konzerthäuser und Theater keine Infektionsorte sind und deren Wiedereröffnung unter bestimmten Auflagen somit unbedenklich ist.

Auswertungen von Messungen, die am 2., 3. und 20. November 2020 im Zuschauerraum und den Foyers vorgenommen wurden, zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich Konzertbesucher/innen insbesondere im Saal durch Aerosolübertragung infizieren, mehr als gering ist.

Lüftungskonzepte sind unabdingbar

Das Risiko könne vor allem durch zentrale Lüftungsanlagen sowie durch das Tragen von Masken weiter verringert werden. Theoretisch soll es somit sogar möglich sein, die gesamten Sitzkapazitäten des Saals auszuschöpfen. Unter Berücksichtigung der Foyers und Zuwege sei es jedoch die vorerst beste Strategie, nur die Hälfte des Saals im Schachbrettmuster zu belegen.

Die Studie gilt nicht nur für das Konzerthaus in Dortmund, sondern soll sich laut den Verantwortlichen auch auf andere Konzerthäuser und Theater in ähnlicher Größenordnung übertragen lassen.

Empfehlungen für vergleichbare Konzerthallen

Auf Basis dieser wissenschaftlichen Ergebnisse werden folgende Maßnahmen für vergleichbar große Veranstaltungsorte nahegelegt:

  • Mindestens 50 Prozent der Sitzkapazitäten können ausgeschöpft werden, indem sich die Zuschauer/innen schachbrettartig über den Saal verteilen: D.h. je ein Sitzplatz soll zwischen den Sitzgruppen freigelassen werden. Eine geringere Auslastung habe keinerlei Mehrwert für den Infektionsschutz.
  • Wenn keine Maske getragen wird, sollte auf jeden Fall auch der direkte Vorderplatz freigehalten werden.
  • Sicherheitsabstände in den Foyers und auf den Wegen in und aus dem Saal müssen garantiert werden. 
  • Veranstalter/innen sollten sich um Frischluftzufuhr über eine raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage) kümmern. Bei vorhandenem Lüftungskonzept (kompletter Luftaustausch mit Außenluft alle 20 Minuten) kann die Konzerthalle kein Superspreading-Event auslösen.
  • Auf Gängen, im Pausenbereich und in den Foyers ist das Tragen von Masken zwingend erforderlich, da hier die Lüftung anders als im Konzertsaal arbeitet und man dort enge Kontakte nicht ausschließen kann.
  • Während der Pausen sollten alle Türen zum Konzertsaal geöffnet bleiben, um eine zusätzliche Querstromlüftung zu ermöglichen.
  • CO2-Messungen während der Veranstaltung können dabei helfen, die Ausbreitung von luftgetragenen Partikeln im Saal besser zu beurteilen.

In Konzerthäusern, in denen keine vergleichbaren Rahmenbedingungen herrschen, was beispielsweise deren Größe und Kapazitäten anbelangt, kann das Frauenhofer Heinrich-Hertz-Institut zusätzliche Studien mit relativ wenig Aufwand durchführen.

Strategien zur Wiedereröffnung

Die Studie soll laut Dr. Raphael von Hoensbroech, Intendant des Konzerthauses Dortmund, einen Beitrag zur Wiedereröffnung von Veranstaltungsorten mit hinreichend Publikum leisten und der Politik eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage liefern. NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen schließt sich an und betont, wie wichtig die Studie für die Situation von Kultureinrichtungen ist:

"Die Studie des Konzerthaus Dortmund ist daher ein wertvoller Baustein für die Bemühung, den Spielbetrieb auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen. Sie zeigt gleichzeitig, mit welch großem Verantwortungsbewusstsein die Kultureinrichtungen dem Publikum gegenüber handeln."

Pfeiffer-Poensgen hebt auch die Relevanz des Themas Belüftung hervor, für das es bereits eine Arbeitsgruppe gebe. Diese soll Strategien zur Wiedereröffnung erarbeiten und die Wirksamkeit von Belüftungssystemen testen. Es sei schmerzlich, dass das nach wie vor hohe Infektionsgeschehen eine Wiedereröffnung derzeit noch nicht zulasse. Umso wichtiger sei es, für die Zeit nach dem Lockdown Perspektiven und Planungssicherheit zu schaffen.

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Locations

Konzerthaus

Konzerthaus Dortmund

Brückstraße 21, 44135 Dortmund

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