Einladung zum Missbrauch
Apple Music führt KI-Kennzeichnung ein – setzt aber auf Freiwilligkeit
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© Brett Jordan via Unsplash
Konkurrenten wie der französische Streaming-Dienst Deezer bekämpfen KI-Musik aktiv und entschlossen. Apple Music folgt diesem Beispiel nur zögerlich und unzureichend.
Das zeigt sich in der Mitteilung, mit der der Konzern die Einführung von insgesamt vier "Transparency Tags" bekannt gegeben hat.
Fragwürdige Kennzeichnung
Mit den "Transparency Tags" sollen Labels kennzeichnen, wenn Albumcover, visuelle Inhalte für das Musikvideo, Kompositionselemente oder Teile der Aufnahme mit KI generiert wurden. Es können mehrere Tags gleichzeitig verwendet werden.
Im zugehörigen Newsletter erklärt Apple die Entscheidung wie folgt:
"Die korrekte Kennzeichnung von Inhalten ist der erste Schritt, um der Musikindustrie die Daten und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die sie benötigt, um durchdachte Richtlinien rund um KI zu entwickeln. Wir sind der Meinung, dass Labels und Vertriebe eine aktive Rolle dabei übernehmen müssen, zu melden, wenn die von ihnen bereitgestellten Inhalte mit KI erstellt wurden."
Apple will Verantwortung abgeben
Die Kennzeichnung enthält die Aufforderung, einen Inhalt mit dem KI-Tag zu versehen, wenn eine "material portion" von entweder Musik, Text, Artwork oder das Musikvideo mit KI erstellt wurde. Aber was genau bedeutet "material portion", was man mit "wesentlicher Teil" übersetzen könnte?
Die daraus resultierende Unsicherheit macht die Selbstverpflichtung zum Taggen der eigenen Uploads wenig praktikabel.
Wozu dient die Kennzeichnung eigentlich?
Es ist ebenso nicht klar, welche Folgen die Eigendeklaration hat. Dient sie nur zur Information der User? Oder werden entsprechend gekennzeichnete Tracks aus dem Tantiemenpool ausgeschlossen?
Diese selbstständige Deklaration wird aktuell nicht einmal geprüft. Wenn ein Vertrieb oder Label sich gegen die Kennzeichnung entscheidet, wird der Inhalt fehlerhaft als KI-frei bezeichnet.
Kein geeignetes Mittel gegen KI-Betrug
Aus den Daten von Deezer wissen wir, dass die Mehrheit der KI-Tracks mit betrügerischer Absicht auf Streaming-Plattformen hochgeladen wird. Diese Betrüger werden ganz sicher der Aufforderung nach eigenständiger Kennzeichnung nicht nachkommen.
Insgesamt wirken die Maßnahmen von Apple wie ein Versuch, die Verantwortung für KI-Inhalte auf Musikvertriebe und Labels abzuwälzen. In Kombination mit Überwachungsmaßnahmen, die Betrug verhindern, können sie durchaus ein Mittel sein, aber nicht in der Weise, wie Apple sie aktuell kommuniziert.
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