Höhere Strafzahlungen für manipulierte Streams
Apple Music verschärft Maßnahmen gegen Streaming-Betrug
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© Grigorii Shcheglov
Wie Oliver Schusser, der bei Apple Music unter anderem für den Musikbereich verantwortlich ist, gegenüber dem Online-Portal The Hollywood Reporter bestätigt, werden die Strafzahlungen für überführte Betrugsfälle verdoppelt. Statt bislang fünf bis maximal 25 Prozent der erschlichenen Erlöse werden künftig zehn bis zu 50 Prozent fällig.
In der Praxis bedeutet das: Wer durch manipulierte Streams beispielsweise eine Million US-Dollar generiert, muss mit einer Strafzahlung von bis zu 500.000 Dollar rechnen.
Milliarden betrügerischer Streams identifiziert
Laut Oliver Schusser liegt die Betrugsquote auf der Plattform bei unter 0,5 Prozent, aber dennoch habe Apple Music allein im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden betrügerische Streams identifiziert und demonetarisiert.
Nach Berechnungen von The Hollywood Reporter entspricht dies fast 17 Millionen US-Dollar an Tantiemen, die ansonsten legitimen Künstlerinnen und Künstlern entzogen worden wären. Schusser erklärt dazu:
"Ein wichtiger Teil davon hinter den Kulissen ist Betrug und wie wir ihn beseitigen und Streaming-Manipulationen reduzieren. Streaming-Manipulationen auf unserer Plattform sind bereits unglaublich selten. Wir verfügen buchstäblich über Systeme, mit denen wir jede einzelne Wiedergabe auf Apple Music überprüfen und validieren. Wenn wir Betrug feststellen, entfernen wir die Stream-Zahlen, nehmen die Musik aus den Charts und geben das Geld zurück in den Pool, damit es an ehrbare Künstler geht. Das ist das Ergebnis der Sicherheitsmaßnahmen, die wir aufgebaut haben."
KI-Musik verstärkt das Problem
Die Verschärfung der Regeln erfolgt auch vor dem Hintergrund eines massiven Anstiegs KI-generierter Musik. Der französische Streaming-Dienst Deezer erklärte kürzlich, 39 Prozent aller täglichen Updates auf die Streamingplattform seien KI-generiert und 85 Prozent der damit verbundenen Streams betrügerisch.
Apple Music sieht KI dabei nicht grundsätzlich als Problem, wohl aber als Faktor, der Manipulation erleichtert. "Mit KI steigt schlicht die Menge an Content – und damit auch das Missbrauchspotenzial", erklärt Schusser nüchtern. Und weiter:
"Wann immer es um ein großes Geschäft geht – und Streaming ist ein großes Geschäft –, gibt es Leute, die versuchen, das System zu ihrem Vorteil zu manipulieren."
Qualität statt Gratis-Streaming
Apple Music betont, dass das Unternehmen auf Qualität (auch in Form hoher Audioqualität), redaktionelle Kuratierung und technische Kontrolle setze. Anders als viele Wettbewerber verzichtet Apple Music zudem bewusst auf ein kostenloses Nutzerangebot.
Gratis-Streaming schaffe falsche Anreize, weshalb Apple Music es nie angeboten habe. Kostenloses, werbefinanziertes Streaming sei nicht gut für das Ökosystem und entspreche nicht den Vorstellungen von Apple Music.
Definition von KI-Musik fehlt
Schließlich weist Schusser noch darauf hin, dass aktuell keine branchenweite Definition von KI-Musik existiert:
"Aber als Musikindustrie haben wir meiner Meinung nach noch viel Arbeit vor uns, um zu definieren, was KI eigentlich ist. Ist es das Songwriting? Ist es das Musikmachen? Ist es nur der Gesang? Ich würde die Labels dazu ermutigen, sich zusammenzusetzen und herauszufinden, wie die Ansichten und Richtlinien der Branche dazu aussehen könnten."
Schusser legt mit diesen Aussagen den Finger in die Wunde. Angesichts der massiven Kritik von Musikschaffenden und Labels an der zunehmenden Verbreitung von KI-Musik bleibt unklar, welche Musik als menschlich gelten kann, auch wenn sie vielleicht KI nutzt, und welche Musik als reines KI-Produkt gekennzeichnet werden sollte.
Streaming-Manipulation zu bekämpfen, wenn der entsprechende Wille vorhanden ist, sollte für große Streaming-Konzerne kein Problem sein. Aber um Regeln für KI-Musik festzulegen, muss zunächst klar sein, was man darunter genau versteht – und das in einem sich fast täglich verändernden Feld. Diese Aufgabe wird der Musikindustrie noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten.
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