Aus für einen Hoffnungsträger
Berliner Kultursenator Joe Chialo tritt zurück - Spekulationen über Nachfolge
Joe Chialo (2024). © Hans-Christian Plambeck
Die Berufung von Joe Chialo zum Kultursenator von Berlin war der Versuch, einen Quereinsteiger aus der freien Wirtschaft für die Politik zu gewinnen.
Dieser Versuch ist allerdings gescheitert, obwohl Chialo zwischenzeitlich sogar als Kandidat für die Nachfolge von Claudia Roth als Beauftragter des Bundes für Kultur und Medien galt.
Das Ende eines Experiments
Chialo wurde zum Verhängnis, dass er massive Kürzungen des Berliner Kulturetats mittrug, die sich alleine für 2025 auf 130 Millionen Euro belaufen. Weitere Kürzungen in den Jahren 2026/27 wollte er aber nicht akzeptieren. So erklärte er laut Spiegel Online:
"Im vergangenen Jahr habe ich die geforderten Einschnitte im Kulturhaushalt schweren Herzens mitgetragen – im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für die Stadt. Die nun geplanten weiteren Kürzungen greifen jedoch zu tief in bestehende Planungen und Zielsetzungen ein, verändern zentrale fachliche Voraussetzungen und führen so zur drohenden Schließung von bundesweit bekannten Kultureinrichtungen."
Zudem habe sich die Debatte über die Kürzungen verstärkt "auf die eigene Person" bezogen, was aus Sicht des Politikers "eine konstruktive Diskussion" erschwere. Aus diesen Gründen habe er dem Regierenden Bürgermeister Wegner seinen Wunsch mitgeteilt, sein Amt niederzulegen.
Unisono begrüßt Rücktritt
Direkt nach dem Rücktritt meldete sich die Orchestervereinigung unisono zu Wort und erklärte, die Berliner Kultur brauche einen starken Fürsprecher. Es habe sich gezeigt, "dass der Senator dieser Aufgabe nicht gewachsen war". Die Hoffnungen von unisono richteten sich daher auf die Nachfolge.
"Wir hoffen sehr, dass der Regierende Bürgermeister nun die Konsequenzen zieht und mit Augenmaß für eine Nachfolge sorgt. Mit einer Person, die die Kulturszene gut kennt, für sie eintritt und bei Strukturdiskussionen ihren Sachverstand einbringen kann. Berlin verdient eine Spitzenposition bei der Kulturförderung und seinem Führungspersonal."
Spekulation über Nachfolge
Der Berliner Regierende Bürgermeister Wegener will "zeitnah" über die Nachfolge Chialos entscheiden. Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats erklärte gegenüber der dpa, dass Wegner angesichts der für 2026 geplanten Abgeordnetenhauswahl und der schwierigen Haushaltslage das Amt selbst übernehmen solle.
Eine weitere Kandidatin ist Sarah Wedl-Wilson, Staatssekretärin für Kultur in der Berliner Senatsverwaltung. Sie besitzt allerdings nicht die deutsche, sondern die österreichische und britische Staatsbürgerschaft, was ein Hindernis für ihre Berufung darstellen könnte.
Kein Ende des Sparzwangs
Fest steht: Der auf der Berliner Kultur lastende Sparzwang war weder ein Vorhaben noch ein Wunsch von Chialo – und endet damit auch nicht mit seinem Abgang.
Die Frage ist nun, ob ein neuer Kultursenator mehr Erfolg hat, weitere Kürzungen zu verhindern oder zumindest in ihrem Ausmaß zu begrenzen.
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