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Wichtiger Teil eurer Außenwirkung

Dein Merchandise: Was du beim Kauf und Vertrieb eurer Bandklamotte beachten solltest

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 19.10.2017

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Dein Merchandise: Was du beim Kauf und Vertrieb eurer Bandklamotte beachten solltest

Was du beim Kauf und Vertrieb deiner Bandklamotte beachten solltest. © MKB 2017

Das Merchandising einer Band wird häufig als so selbstverständlich gehandelt, dass viele Musiker sich zu wenige Gedanken darüber machen. Dabei ist Merch doch ein wichtiges Element bei der Kreation des Images eurer Band. Wir haben für euch ein paar Tipps zusammengestellt, die euch dabei helfen werden, wenn ihr bei der Auswahl des Merchs noch ratlos seid.

Looking fly – Aussehen ist das wichtigste?

Na, zumindest was euer Merch angeht!

Klar wollt ihr ein cooles Shirtmotiv haben. Doch bevor ihr wild drauf los zeichnet oder einen Grafikdesigner für teures Geld beauftragt, solltet ihr eine genaue Vorstellung davon haben, was ihr wollt:

Checkt Online-Kataloge eurer Lieblingsbands aus, schaut, was euch gefällt. Traurig aber wahr ist, dass je nach Musikgeschmack die Fans eher nach coolen Motiven suchen, auch wenn sie diese eigentlich schon ot gesehen haben. Folk-Punk Bands greifen auf nautische Motive und bunte Logos zurück, Metalcore-Klamotten sehen aus wie aus dem nächsten Footlocker.

Checkt aus, was gut verkauft wird und schaut dann auf das Image, welches sich eure Band aufbauen möchte:

  • Seit ihr eine Band mit schlichtem Logo oder habt ihr eher Fans die auf große bunte Motive stehen?
  • Macht Umfragen auf euren Kanälen, was die Fans lieber hätten. Startet eure eigene kleine Marktanalyse! So umgeht ihr lästiges Feilschen am Merch-Tisch: “Ach, wenn ihr das jetzt in rot gehabt hättet, hätte ich's mitgenommen... auf blau steh ich ja gar nicht!”

Qualitätsmotive kommen besser an…

Nur Oldschool-Punks oder Thrash-Metal-Bands dürfen Billo-Merch verkaufen. Das heißt Logos, die aussehen, als hätten die Bandmember sie mit Edding auf das T-Shirt gekritzelt. Seid ihr das nicht, haben eure Sachen gefälligst gut und gepflegt auszusehen.

Nicht selten erlebe ich Fans, die das Merch der Vorband kaufen, weil es einfach besser aussieht. Vor allem Mädels achten darauf, eher ein wirklich cooles und gut sitzendes Shirt zu tragen, als auf den Namen einer Band. Nutzt das aus und verwendet einen guten Designer, der eine hochwertige Datei freigibt.

Investiert lieber mehr Zeit und Geld und überlegt stets: “Würde ich mir dieses Shirt selber zulegen?”

…und Qualitätsware auch.

Achtet bei der Wahl des Druckerei-Betriebs bzw. der Merch-Company auf zwei Dinge:

  • den Preis
  • die Produkte

Shirt ist nicht gleich Shirt. Heavy Cotton ist qualitativ hochwertig, aber teurer und zumindest bei "Fruit Of The Loom" auf wirklich eher schwer und dick. "Gildan Shirts" sitzen meistens am besten, doch bei amerikanischen Marken fallen die Shirts oft größer aus, als die Größenangabe vorgibt.

Ich habe keinen ultimativen Tipp, welche Shirtmarke ihr braucht. Checkt aber die Marken aus, die der Dienstleister anbietet und vergleicht Preise! Schaut euch eure Bandshirts im Kleiderschrank an: von welcher Textilmarke ist denn dein Lieblingsshirt?

Dann zum Druck: Lokale Geschäfte sind meistens wesentlich teurer als Online-Druckerei. Mit der lokalen Druckerei könnt ihr aber eventuell besser an Details arbeiten. Die meisten Druckerein bieten euch Test-Drucke an, wenn ihr große Bestellungen bei ihnen vorhabt. Nutzt diese Möglichkeit in jedem Fall aus!

Shirts: welche Größen?

Auch hier: denkt über eure Fans nach und über die, die ihr noch erreichen wollt. Habt ihr viele Mädels und Jungs gemischt oder tendiert eure Zielgruppe dazu, in einem Geschlecht zu überwiegen? Tragen eure Fans sportliche Klamotten wie Tanks oder sind da eher Poloshirts angesagt? Macht ihr Mucke für Männer, die gebaut sind wie Türsteher oder sprecht ihr eher eine junge Generation an?

Die Erfahrung zeigt:

  • Man sollte vor allem Männer M und L in großen Mengen haben. Männer S bleiben meistens liegen, denn auch schlanke Männer kaufen immer zu groß. XL und XXL sollten auch mit drin sein. XXL womöglich nur ganz wenige, doch unterschätzt nicht die XL-Käufer: Viele Männer, die nur ein wenig kräftiger gebaut sind, kaufen sich prinzipiell nur XL-Shirts.
  • Bei Mädels muss es von S, M und L alles geben und nur ganz wenig XL und ebenfalls seltener auch mal XS. Mädels sind sich bei Merch-Größen am unsichersten, weil eben viele der Shirt-Hersteller im Schnitt voneinander abweichen. Mädels sind unsicher, sind aber potentielle Kundinnen. Wo ein Mann einfach so kauft, überlegt die Frau schon mal.

Macht ihr deshalb diesen und jenen Schnitt schmackhaft und gebt euch Mühe, als würdet ihr im Klamottengeschäft arbeiten – beratet eure Fans! Und verhandelt auch mal! Dann wird vielleicht das eigentlich zu große Shirt für ein paar Euro weniger gekauft und vom Fan selbst zu einem Tanktop zusammen geschnitten. Die meisten Frauen, die auf Konzerte gehen, können sowas und in ist's auch.

Die Wahl der Motive: Kreiert eine Marke

Bestenfalls ist euer Logo und euer Bandmerch so unverwechselbar, dass ihr es in verschiedenen Variationen einsetzen könnt und jeder es sofort mit eurer Band assoziiert. Ist dem nicht so, dann wird es Zeit, das zu ändern. Euer Logo oder Motiv muss so einprägsam und stimmig sein, dass man es sich tattoowieren lassen könnte!

  • Also macht nicht einfach irgendwas: brainstormt!
  • Was macht ihr für Musik? Modern oder traditionell?
  • Welche Texte schreibt ihr? Politisch/sozialritisch? Oder doch eher Partytexte? Geht es in euren Lieder um Liebe oder um Hass?
  • Gibt es womöglich eine Textzeile aus eurem besten Song, die das, was ihr ausdrückt, so treffend beschreibt, dass sie als Teil des Motivs herhalten kann?

Viele Bands setzen sich als Marke durch, weil den Bandnamen eine Catchphrase begleitet. Setzt euch mit eurem Designer zusammen und versucht so gut es geht heraus zu finden, wer ihr seid und wofür ihr steht.

  • Steht euer Frontmann/ eure Frontfrauf sehr im Mittelpunkt?
  • Stehen eure Texte im Vordergrund oder eher eure musikalische Leistung oder eine bestimmte Art Instrument?
  • Nehmt eine Sache, die euch ausmacht, arbeitet sie aus und kreiert eine Marke damit.

Setzt das Motiv überall ein, damit jeder sofort dieses Motiv mit euch in Verbindung bringt. Ob Logo oder Spruch ist egal. Sorgt dafür, dass das Merch eurer Band einen hohen qualitativen Standard hat, mindestens so hoch wie eure Musik.

Die Wahl der Artikel: traut euch was!

Um eure Marke zu unterstützen ist es häufig sinnvoll über den Tellerrand hinaus zu schauen und Merchartikel heraus zu bringen, welche es nicht von jeder Band gibt. Shirts kann und macht jeder und das solltet ihr auch. Denkt zudem aber über Kleidungsstücke nach, die gerade in eurer Szene trend sind, die aber nicht unbedingt von Bands bedient werden.

Der gute Rat eines Kollegen von mir: Nehmt einen Artikel wie eine Kappe, eine Mütze, Anhänger, Aufnäher oder irgendwas in Richtung Accesoires und verkauft/verteilt diesen sehr günstig. Accesoires ziehen immer und wichtiger: sie werden anders als das Bandshirt zu anderem Bandmerch zusammen getragen.

Eine befreundete Band hat sich präsent gemacht, indem sie eine wirklich coole Basecap gemacht hat (Achtung: Kappen sind meist nicht ganz billig zu bedrucken) und diese für 5 Euro verscherbelt oder bei Aktionen verschenkt hat. So lief innerhalb kürzester Zeit jeder mit deren Kappe rum. Das ist Merch, auf das die Leute stehen und welches immer zu jedem Konzert angezogen werden kann. Eure Fans können mit T-Shirts einmal auf ein Konzert – dann kommt es erst mal in die Wäsche. Accesoires ziehen die Leute aber tendenziell öfter an, wenn sie richtig gut aussehen.

Also traut euch, eigenwilliges Merch heraus zu bringen: vielleicht werdet ihr ja bekannt als die Band, die Unterhosen auf dem Merchtisch liegen haben? Oder schaut nochmal auf Titelbild oben: Die Schlappen von Qunstwerk sorgen für Gesprächsstoff, hier am Stand oder auch am Strand…

Sponsoring kann helfen

Ein heikles Thema für kleinere Bands, weil selten realisierbar. Trotzdem sei gesagt: versucht immer mit einem Dienstleister in ein besonderes Geschäftsverhältnis zu kommen. Druckt ihr immer bei der selben Firma? Dann fragt nach Rabatten. Bietet Werbung an, um günstiger an das Merch zu kommen. Es gibt auch viele kleinere Merchandiser, die sich freuen, über die Bands Werbung machen zu können. Vielleicht lernt ihr aber auch noch ganze Klamottenlabels kennen (egal wie groß) mit denen ihr ein Endorsement oder Sponsoring aushandeln könnt.

Findet einen Vertrieb

Wie bei euren Tonträgern auch, müsst ihr euer Merch außerhalb eurer Konzerte mindestens an einer weiteren Stelle anbieten. Aber übertreibt es nicht:

Macht einen Online-Shop auf eurer Webseite oder sendet ein paar Artikel an einen Online-Shop, der bereits existiert. Macht euch gerne ein wenig bekannter, indem ihr herausfindet, ob diverse Mailorder euch mit aufnehmen. Seid ihr eine kleine Band, ist es aber auch genauso sinnvoll, nicht alles an Merch online zu vertreiben. Dass Fan XY unbedingt noch dieses neue Shirt von euch braucht, gibt ihm einen Anlass, auch euer Konzert zu besuchen.

Ihr seht, hier gibt es diverse Ansätze. Ich persönlich handhabe es gern so, dass es das “Basismerch” mindestens auf einer Bigcartel-Seite oder Ähnlichem gibt, oder auf der des Labels, wir aber auch immer exklusivere Shirtmotive bewerben, die es nur auf Konzerten zu kaufen gibt. Online-Vertriebe können mehr Aufmerksamkeit und Fans von weiter weg generieren, aber das Geld verdient ihr in erster Linie mit den Verkäufen auf Tour.

Viel Erfolg mit eurem Merch!

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