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Wenig ausgeben, viel erleben und erreichen

Der DIY-Spar-Tourguide: So sparst du deine Kohle auf Tour

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 05.09.2017

tourplanung konzertorganisation booking diy

Der DIY-Spar-Tourguide: So sparst du deine Kohle auf Tour

Kostenfalle Tour? Muss nicht sein. Wir geben dir die besten Tipps zum Sparen. © Corr / 123RF

Bands gehen heutzutage immer öfter auf Tour, auch wenn sie gar nicht so berühmt sind. Schließlich macht touren nicht nur Spaß, sondern bringt eure Band voran. Doch häufig fallen die Gagen nur klein aus und decken womöglich gerade so die Reisekosten. Mit unseren Tipps sorgt ihr dafür, dass ihr auf Tour eine schöne Zeit habt, ohne viel vom eigenen Geld ausgeben zu müssen.

Grundsatz Nummer Eins

Der ultimative Schritt zur Professionalität ist (wenn das euer Ziel ist!) die Tour nicht als Urlaub mit den Freunden zu sehen: Die Tour ist nicht dein Urlaub. Gib nur aus, was du auch zuhause ausgeben würdest!

Ich weiß – genau dieser Gedanke ist super verlockend, vor allem wenn man im Ausland spielt. Und eine weite Reise wie beispielsweise in die USA wird fast zwangsläufig mit einem Urlaub verbunden, klar. Ihr seid jung und wollt was erleben. Tourt ihr aber im eigenen Lande oder durch mehrere europäische Staaten, dann spart ihr eine Menge Kohle, indem ihr das Ganze als Geschäftsreise betrachtet.

Ihr habt die Tour gebucht oder buchen lassen, eure Übernachtung und eure Verpflegung sollten damit schonmal geklärt sein! Oder?

Sorge beim Booking für Verpflegung und Übernachtung vor Ort

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber ich erwähne es mit Nachdruck: wenn ihr bereit seid zu touren und ihr einen gebuchten Auftritt wert seid, dann seid ihr auch ein warmes Essen und eine Unterkunft wert!

Wer vorsorgt, bleibt gesund!

Also verlangt eine warme Mahlzeit und ein Frühstück sowie ein warmes Bett oder eben eine hohe Gage, von der man sich locker ein Zimmer leisten kann. Tut ihr das nicht, klappert ihr jeden Abend Stadt XY nach der nächsten Dönerbude ab oder verballert euer Spritgeld für ein Last-Minute-Hotelzimmer.

Esst das Catering! Immer!

Ob vor oder nach der Show: esst! Auch wenn ihr keinen Hunger habt oder euch lieber den Magen mit Bier füllt: esst.

Wer weiß, wann ihr das nächste mal etwas bekommt? Ganz davon abgesehen, dass es extrem unhöflich ist Essen auszuschlagen, welches euch extra vom Veranstalter gekocht oder zumindest geliefert worden ist, sorgt ihr somit dafür, nicht mitten in der Nacht von eurem eigenen Geld Essen holen zu müssen.

Gibt es kein Catering vor Ort, einigt ihr euch mit dem Veranstalter auf ein Buy-Out und lasst euch etwas günstiges empfehlen. Wenn ihr es geschickt macht, fließt ein Teil des Essensgeldes (das unabhängig von der Gage oben drauf kommt) in eure Tourkasse.

Esst das Frühstück! IIIIImmer!

Wollt ihr auf Tour wirklich Geld sparen? Dann ist das Frühstück der Jackpot.

Ihr seid verkaterte Morgenmuffel, die die ersten drei Stunden des Tages eigentlich gar keinen Appetit bekommen? Pech gehabt. Nicht nur, dass ihr immer mal ein Hotelfrühstück verpassen werdet – oft fällt das Frühstück bei den Cateringverhandlungen flach. Wenn es ein Frühstück gibt, muss einfach zugeschlagen werden.

Die wichtigste Mahlzeit des Tages sollte für optimalen Nährstoffhaushalt innerhalb der ersten wachen Stunde des Tages aufgenommen werden. Esst ihr euch beim Frühstück schön satt, haltet ihr es in der Regel bis zum frühen Abend durch, an dem es in der nächsten Stadt wieder etwas gibt. Außerdem kann man sich meistens ein Sandwich oder einen Apfel als Reserve einpacken.

Touren kann genau wie Sport euer Stresslevel erhöhen, selbst wenn ihr nur im Auto rumhängt. Stress bedeutet dann ein vermindertes Hungergefühl, aber einen höheren Energieverbrauch. Lebt gesund und esst und trinkt auch mal ein Wasser!

Der Bandbus rollt

Der Bandbus rollt, © Tom Ventura (CC BY 2.0, https://flic.kr/p/cd9c5)

Tankstellen und Rastplätze sind Geldfresser!

Befolgt ihr die bisher genannten Ratschläge nicht, bekommt ihr auf der Autobahn Hunger. Je nach Raststätte und je nach Ort bezahlt man für ein Brötchen, das euch vielleicht eine Stunde satt macht, 4 bis 5 Euro. Eine richtige Mahlzeit in so einem hässlichen Autobahnrestaurant mindestens das Doppelte.

Holt euch auch ausreichend Wasser für die Fahrt im Supermarkt und nicht an der Tanke!

Wie schon gesagt: tut nicht so als wärt ihr im Urlaub und Geld spiele keine Rolle. Würdet ihr in einer normalen Arbeitswoche zuhause 4,50 € für ein Käsebrötchen ausgeben – und das zwei mal jeden Tag? Nein? Gut, denn ihr seid gerade auf der Arbeit.

Soziale Kontakte nutzen und die Kosten auch für den Veranstalter niedrig halten

Sofern ihr eine noch kleinere Band seid und die für euch organisierten Betten eh nur dazu nutzt, besoffen irgendwo liegen zu können, braucht ihr in der Regel kein teures Hotel. Es genügt wohl ein Budgethotel oder ein Hostel, sofern euer Zimmer privat ist.

Womöglich könnt ihr beim Promoter oder bei der Vorband zuhause übernachten sodass quasi gar keine Unkosten für den Veranstalter entstehen. Sowas ist immer gut und zieht bei den Leuten, denn wenn der Veranstalter seine Kosten niedrig halten kann, indem ihr auf ein 4-Sterne Hotel verzichtet, wirkt sich das positiv auf sein Stresslevel und auf eure Gage aus.

Freunde in der Stadt zu haben, in der ihr spielen wollt, ist das Beste: wenn ihr bei einem Kumpel pennen könnt und der Veranstalter sich weder um Übernachtung noch um Frühstück kümmern muss, könnt ihr wesentlich mehr Geld verlangen. Schon rein aus psychologischer Sicht zieht das bei manchen Veranstaltern, vor allem wenn diese es das erste mal mit euch probieren.

Denkt nur daran, euch nicht auf alles einzulassen und euch nicht unter Wert zu verkaufen. Legt euch ein Promoter drei Matratzen in den eiskalten Keller des Clubs, solltet ihr das nicht hinnehmen.

Informiert euch im Ausland über Preise

Tourt ihr im Ausland, dann macht euch schlau über anfallende Kosten wegen höherer Benzinpreise oder Mautgebühren, denn die müssen in eure Kalkulation mit einbezogen werden. Kauft eure weiteren Utensilien da, wo es billiger ist und verzichtet auf die Aftershow-Party auf eigene Kosten dort, wo der Alkohol hoch versteuert ist.

Lotet immer vorher die Parksituation aus und lasst euch nicht von plötzlichen Tickets überraschen, die der Promoter dann nicht zahlen will.

Tipps zur Tourplanung

Tipps zur Tourplanung, © rosipro / 123RF

Off-Days nutzen

Off-Days, also Tage im Verlauf der Tour, an denen kein Konzert stattfindet, sind manchmal unvermeidbar. Sonntage und Montage sind Tage, an denen es wahnsinnig schwierig ist, gute Shows zu machen, weil das Publikum fern bleibt.

Wenn ihr Glück und/oder gute Connections habt, verbringt ihr den Off-Day bei Freunden und übernachtet umsonst. Geht das nicht, so ist euch hier tatsächlich ein Tag Urlaub gegönnt, bestenfalls in einer schönen Stadt, in der sich ein wenig Sightseeing lohnt. Aber auch hier könnt ihr Geld einsparen oder sogar welches verdienen:

  • Informiert euch bevor es losgeht zu Genehmigungen für Straßenmusik, vielleicht könnt ihr so an eurem Off-Day Geld machen oder sogar euren Gig bewerben!
  • Nutzt den Off-Day für Songwriting, eine Jamsession mit anderen Musikern, mit denen ihr vielleicht auf Tour seid oder kümmert euch um eure Präsenz für die Fans und macht ein kleines Video/ein Fotoshooting von eurem Songwriting, eurer Jamsession oder nettem Blödsinn, den ihr vor Ort veranstaltet.
  • Nutzt den Off-Day, um in euch zu gehen, die Familie zuhause zu kontaktieren oder die vergangenen sowie noch kommenden Shows der Tour durchzusprechen.
  • Findet heraus, ob es in der jeweiligen Stadt relevante Läden oder Personen gibt, die ihr kontaktieren und besuchen könnt.
  • Besucht Plattenläden und erzählt von eurer Tour, macht Termine mit Leuten aus der Musikszene aus, um euch auf ein Bier zu treffen.

Notreserven, Worst-Case-Szenarios und mehr

Wer schonmal auf Tour war, weiß, dass es immer anders kommt als man denkt. Eine der häufigsten Pannen auf Tour ist, naja,... eine Panne eben! Zwei ganz typische Worst-Case-Szenarios sind:

1. Autopannen sind ganz blöd und können euch schlimmstenfalls den abendlichen Gig kosten. Hier ist es schwierig, den ultimativen Rat zu erteilen, da ihr jetzt womöglich zu sehr und somit am Auto gespart habt:

  • Das Auto sollte natürlich funktionieren. Der 25 Jahre alte VW Bus deines Bruders sollte mindestens gründlich durchgecheckt sein, bevor es on the road geht.
  • Mietet ihr einen Bus, spart nicht an der Versicherung, denn ihr seid viel unterwegs und es kann alles mögliche passieren.
  • Bei der Busmiete spart ihr Geld, indem ihr früh genug Preise vergleicht und Angebote einholt. Es gibt viele Vermieter, die sich speziell auf die Bedürfnisse von Bands einstellen und Tourvans vermieten. Lustigerweise sind das aber nicht immer die billigsten.

Egal wofür ihr euch entscheidet, sorgt einfach dafür, dass eine Autopanne euch nicht in den finanziellen Ruin stürzt. Seid versichert, Mitglied eines Autoclubs wie zum Beispiel dem ADAC oder selbst ein halber Automechaniker.

2. Das worst Worst-Case-Szenario ist wohl, abgesehen von Verletzungen und Ableben natürlich, für jeden Musiker der Diebstahl. Die Horrorgeschichten kommen nicht von ungefähr: Große Busse mit fremdem Autokennzeichen, durch deren Fenster man womöglich euer Equipment sehen kann, sind gefundenes Fressen für Autoknacker. Daher sorgt vor!

  • Lasst das Equipment – sofern ihr das von Veranstalterseite her dürft – im Club eingeschlossen.
  • Parkt das Auto auf der Hotelanlage oder nahe einer Polizeistation.
  • Nehmt die Bandkasse und die teuersten Gitarren mit zu eurem Bett, um im Falle des Falles das Schlimmste zu verhindern, denn Versicherungen für dieses Zeug ergeben meist erst ab sehr hohem Neuwert wirklich Sinn.

Wenn alle Stricke reißen empfiehlt es sich, so viel in die Bandkasse gewirtschaftet zu haben, wie es nur geht. Ihr werdet glücklich sein, das übrige Geld nicht verschleudert zu haben, wenn ihr wirklich mal etwas auf der hohen Kante braucht.

Ansonsten viel Spaß auf Tour und lasst euch nicht klauen...

Wie spart ihr so Geld auf Tour? Oder gebt ihr lieber Geld für eine schöne Zeit aus?

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