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Wenn Musikmachen zum Arzt führt

Die häufigsten Musikerverletzungen und wie du ihnen entgehst

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 25.07.2017

berufswelt gesundheit

Die häufigsten Musikerverletzungen und wie du ihnen entgehst

Wenn Musikmachen zum Arzt führt. © artfully / 123RF

Als Musiker ist man auf die nahtlose Kommunikation zwischen Kopf, Körper und Instrument angewiesen. Dabei können einem nicht nur der obligatorische Kater am Tag nach dem Gig, sondern auch andere Probleme einen Strich durch die Rechnung machen.

Das klischeehafte Bild eines Rockstars ist bekanntermaßen zumeist von Exzessen oder einem allgemein gefährlichen Lifestyle geprägt. Diese fordern in nicht wenigen Fällen irgendwann einmal einen gesundheitlichen Tribut. Soweit eigentlich kein Geheimnis!

Doch viele Außenstehende sowie angehende Berufs- und Hobbyrocker übersehen dabei, dass die Musik darüber hinaus so einige gesundheitliche Gefahren birgt. Schlimmere Verletzungen können nicht nur das Ende einer Tour bedeuten, sondern auch das Ende der Karriere. Deshalb stellen wir einige der häufigsten Verletzungsmöglichkeiten vor und sagen dir, wie du sie vermeiden kannst.

1. Auf keinen Fall übermüdet oder angetrunken Fahren

Muss man das denn unbedingt erwähnen? Das sollte doch absolut selbstverständlich sein oder? Auf jeden Fall muss man das!

Bei einer Tour ist das Fahren zweifellos die gefährlichste Sache, die man jeden Tag leisten muss, um zur nächsten Stadt zu kommen. Gerade wenn man sich nicht auskennt und auf ein Navi angewiesen ist, können Fehler passieren. Nimmt man noch Müdigkeit hinzu oder ist gar Alkohol im Spiel, kann das übel ausgehen.

  • Wenn man keinen eigenen Fahrer hat, der nur dafür verantwortlich ist und entsprechende Pausen einhalten kann, müssen sich alle Bandmitglieder im Vorfeld absprechen.
  • Bei langen Strecken sollten sich mindestens zwei Fahrer abwechseln. In der Zwischenzeit kann der zweite Fahrer sich ausruhen, aber nichtsdestotrotz sollte jemand vorne mitsitzen, um dem aktuellen Fahrer Gesellschaft zu leisten – und somit auch wachzuhalten.
  • Wenn ihr merkt, dass man das Fenster aufmachen oder laute Musik im Autoradio spielen muss, um einigermaßen konzentriert zu sein, sollte man zwingend bei der nächsten Gelegenheit rechts ranfahren. Zeitverlust hin oder her, aber immerhin besser als im Graben zu landen!

Denn das dürfte den Fans am meisten gefallen: Ihre Band bei der nächsten Gelegenheit gesund und hochmotiviert zu sehen.

2. Chronische Stressverletzungen

MusikerInnen kennen es: Das Ziehen an den Handgelenken oder Fingern, das sie nach einer langen Probe spüren und ziemlich schnell verdrängen. Doch das Ignorieren dieser Symptome kann sich rächen. Gerade wenn man sich das Spielen eines Instruments selbst beigebracht hat, gewöhnt man sich nicht selten ungesunde Haltungen oder Spielweisen an.

  • Spielst du Gitarre oder Bass? Dann überlege dir, ob dein Gurt in einer komfortablen Höhe eingestellt ist.
  • Sollte es immer wieder zu Schmerzen kommen, dann frage einen erfahrenen Instrumentalisten, ob deine Spielweise sowie Ergonomie vielleicht dazu beitragen.
  • Findest du die Probe am Keyboard anstrengender als sie sein sollte? Dann probiere mal, die Höhe des Ständers oder Hockers zu variieren.

Sollten die Symptome aber nicht weggehen, dann schnell zum Arzt. Chronische Verletzungen sorgen nicht nur für kurze Ausfälle, sondern können im schlimmsten Fall deine Karriere beenden.

3. Dein wichtigstes Kapital sind deine Hände

Wie einfach ist doch das Leben für die großen Bands! Vorbei sind die Zeiten, in denen Bandmitglieder ihr Equipment herumschleppen und aufbauen mussten. Bis deine Band sich eigene Roadies leisten kann, vergeht vielleicht noch ein wenig Zeit und deswegen müssen du und deine Bandkumpanen selbst anpacken.

Doch Achtung, denn gerade bei diesen Aktionen ist man schnell unaufmerksam und schnell ist eine Hand oder ein Finger eingequetscht. Das passiert nicht nur mit schweren Amps oder Boxen, sondern auch mit relativ leichten Becken- und Keyboardständern – einige von euch kennen das bestimmt! Doch was tun, wenn man sich keinen Roadie leisten kann? Mit ein paar kleinen Tipps kann man das Risiko zumindest minimieren.

  • Bündeln ist das Stichwort. So brauchen Drummer definitiv eine Hardwaretasche. Dadurch wird ein Transport erheblich angenehmer und das rasche Auf- und Abbauen wird deutlich einfacher.
  • Hat dein Gitarren- oder Bassamp einen Haltegriff oder setzt du bei jedem Transport deine Finger aufs Spiel? Falls nicht, dann dringend installieren. Alternativ gibt es relativ kostengünstige Cases.
  • Egal wie stressig die Situation ist: Bleibt cool und hetzt euch nicht unnötigerweise. Denn unter Stress macht man schnell Fehler, die sich rächen werden. Beim Aufbau also lieber drei Mal zum Auto laufen als als sich fünf Beckenständer unter dem Arm zu klemmen und sich im schlimmsten Fall die Finger zu brechen.

4. Bandscheibenvorfälle

Große Amps oder Equipmentteile sind schwer. In der Regel ist das im Proberaum nicht schlimm, nachdem man den Kram einmal aufgebaut hat. Doch bei einer Tour sieht das schon ganz anders aus. Diese schweren Teile mehrmals hin- und herzuschleppen, auf- und abzubauen –  das geht nicht nur auf die Arme, sondern auch auf den Rücken. Gerade deswegen sollten die Gitarristen und Bassisten unter euch dringend über den Kauf eines Cases mit rückenschonenden Rollen nachdenken. Ansonsten ist der berühmte Bandscheibenvorfall nicht weit.

Was ist eigentlich genau ein Bandscheibenvorfall? Kurz gesagt, verschiebt sich der innere Teil des Bandscheibenkerns aus seiner Position heraus. Trifft die Schwellung auf einen Nerv, resultiert das in konstanten Schmerzen. Diese Art der Verletzung braucht viel Zeit, um zu heilen.

Doch man muss nicht erst abwarten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Prävention ist das Stichwort!

  • Schwere Objekte sollte man zu zweit tragen und auf die richtige Technik muss geachtet werden. Immer aus den Beinen heben, wie Papa sagt!
  • Noch besser ist es natürlich, sich in Form zu halten. Schwache Rücken- und Bauchmuskulatur begünstigen Verletzungen, da der Körper es einfach nicht gewohnt ist, Belastungen ausgesetzt zu sein. Fit zu sein, ist also nicht nur gut für die Figur, sondern auch für das harte Tourleben.

5. Stimme verloren

Die Stimme ist das Instrument überhaupt. Doch sie ist ein empfindliches Instrument, auf das du unbedingt achten musst. Betrachte sie als ein wichtiges Element deiner musikalischen Werkzeugkiste. Wie jedes Werkzeug braucht sie sorgsame Pflege vor und nach dem Einsatz. Sogar Screamo-/Death-Metal-Sänger müssen ihre Stimmen in Form halten und trainieren, damit sie Konzerte spielen können und keine langfristigen Schäden davongetragen.

  • Viel trinken, vorsichtiges Einsingen vor dem Konzert und eine gesunde Ernährung sorgen dafür, dass Ihr die Tour nicht nach den ersten Konzerten wegen verlorener Stimme abbrechen müsst.
  • Das bedeutet auch, dass man die hochprozentigen Schnäpse lieber nach dem Konzert einnehmen sollte. So vermeidest du, auch nur geringfügige Kontrolle über deine Stimmbänder zu verlieren und verringerst das Risiko, heiser zu werden.
  • Solltest du merken, dass du immer heiser wirst und die Stimme häufiger verlierst, empfiehlt sich nicht nur ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, sondern schlichtweg auch Gesangsstunden. Das mag sich vielleicht ziemlich uncool anhören, aber dafür wird dein nächstes Konzert, und nicht nur die ersten drei, garantiert ein voller Erfolg!

Hattest du selbst schon einmal echte Probleme, die dem Musikmachen geschuldet waren?

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